Die Pinzgauerinnen Angelika Eller und Martina Wallner unterstützen als Hospizbegleiterinnen Menschen auf dem letzten Lebensweg und ihre trauernde Familien. Die „Krone“ hat die beiden starken Frauen, die Trost geben, besucht.
Im Pinzgauer Tageshospiz in Leogang liegt gar nicht so viel Schwere in der Luft, wie man vermuten würde. Es sei irgendwie „gring“ (Dialekt für leicht), meinte ein Betroffener einmal treffend über die Atmosphäre. Und auch heute ist es still. Patienten machen gerade Mittagsruhe.
Drei Tage pro Woche suchen bis zu sechs Schwerkranke hier Halt. Ihr Leben wird von einer Diagnose abrupt abgebremst. Meistens ist es Krebs, auch schwere neurologische Krankheiten oder Atemwegserkrankungen kommen dazu. Sie bekommen hier Pflege und Versorgung. Es darf auch gemeinsam gelacht werden. „Ihr Leben wird oft zu sehr auf Arzttermine reduziert“, meint Martina Wallner. Sie ist Palliativ-Schwester im Team und Hospizbegleiterin. Daneben organisiert sie im Raum Saalfelden auch mobile Einsätze und hat dabei ein Team mit 16 Ehrenamtlichen im Hintergrund.
Hospizbegleiterinnen erfüllen letzte Wünsche
Eine niederschmetternde Diagnose lasse oft das komplette Familienleben einstürzen, weiß Wallner. Da hilft oft schon mehr Normalität. Ehrenamtliche versuchen Leichtigkeit in den Alltag zu bringen. „Eine Patientin wollte zum Beispiel unbedingt noch einmal in eine Gärtnerei“, erzählt Wallner über Wünsche. Auch Kirchen- oder Kaffeehausbesuche zählen dazu.
Die Gespräche berühren. „Es geht nicht darum, dass man gerade shoppen war“, meint Wallner, die an ihrer Arbeit schätzt, dass so nah an Leben und Tod die Sinnhaftigkeit nicht in Zweifel zu ziehen ist. Und sie zieht die Tage im Hospiz sogar vor: „Man hat mehr Zeit für die Menschen. In der Akutversorgung ist das anders.“
Ähnlich erlebt das Angelika Eller, Einsatzleiterin für die Hospizinitiative in Zell am See. „Es geht darum, den Tagen mehr Leben zu geben“, zitiert sie gern Hospiz-Gründerin Cicely Saunders. Nach einem Abschied in der eigenen Familie wollte sie selbst für andere da sein, engagiert sich seit Jahren in der Hospizbewegung und leitet das kleine Kloster Puregg „Haus der Stille“ in Dienten, das ein Ort der Begegnung ist.
Wie der Blick von außen Familien helfen kann
„In den Familien sind wir oft eine Projektionsfigur“, sagt Eller über Momente, die bewegen und auch oft sprachlos machen. Ein wertvolles Angebot sind „Letzte Hilfe“-Kurse, wo Basiswissen über die Begleitung Nahestehender vermittelt wird, oder Trauerspaziergänge und gemeinsames Kochen.
Der Blick von außen eröffne oft neue Möglichkeiten. „Anders als in den Familien, wo Verhältnisse belastet sind oder man sich gegenseitig schützen will.“ Erstaunlich: „Wir sehen immer wieder, dass das Leben zum Ende hin noch einmal richtig dicht werden kann.“
Der Umgang mit Tod und Abschied ändert sich langsam. Eller: „Auch Bestatter sehen es nicht mehr als reine Dienstleistung, sondern legen Wert auf einen würdevollen Abschied.“ Allerheiligen ist jener Tag im Jahr, wo die Endlichkeit des Lebens mehr zum Thema wird. „Das hat sicher seine Berechtigung. Familien kommen zusammen“, meint Eller. Noch einschneidender sei für Betroffene aber der erste Sterbetag eines lieben Menschen.
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