Im Leben wird einem so manches verboten, zuweilen werden sogar Verbote verboten. Die EU untersagte nun Österreich, bei der Altersfreigabe von Social Media einen Alleingang zu unternehmen. Das überrascht freilich nur alle jene, die unbeschwert pausbäckig durchs Leben hopsen. Allen anderen erschien der Plan, dass jedes EU-Land im Zeitalter hoher Mobilität wahlweise 13-Jährige oder 15-Jährige zu jeweils anderen Regeln verpflichtet, zeitnah lebensfremd.
Österreich hat trotzdem fast ein Jahr lang mit großer Euphorie solo über ein Verbot debattiert. Es gab viele starke Worte, Runde Tische, einen Beschluss im Ministerrat, eine Begutachtung im Parlament, das fertig beschlossene Gesetz kann nun aber in der Rundablage archiviert werden. Stattdessen müssen wir zuwarten, was die EU gemeinschaftlich zustande bringt. Was sich gefahrlos vorhersagen lässt: Ein Pfitschipfeil in der Umsetzung war die Union bisher selten.
Australien sperrte Teenager unter 16 mit Jahresbeginn den Zutritt zu Social Media. Theoretisch. Erste Studien belegen aber: Der Konsum hat sich kaum verändert. 86 Prozent nutzen weiter Plattformen, die ihnen verschlossen sein müssten. Theoretisch. Die tägliche Nutzung blieb bei den 12- bis 13-Jährigen stabil. Viele tricksten das Verbot aus, ein Drittel gab an, erst gar nicht nach dem Alter gefragt worden zu sein.
Was sich auch zeigte: Die meisten Accounts werden mit Hilfe oder Wohlwollen der Eltern angelegt. Vielleicht bellen ja alle den falschen Baum an.
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