Israels politischer Überlebenskünstler hat es wieder geschafft, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Seine Likud-Partei bleibt die relativ größte Partei und lässt jene seines Herausforderers Eisenkot deutlich hinter sich. Staatspräsident Herzog wird deshalb Netanyahu wieder den Regierungsauftrag erteilen.
Am sinnvollsten wäre jetzt eine große Koalition, aber Israels Innenpolitik war noch nie sinnvoll. Außerdem hatte sich Eisenkot als Anti-Netanyahu aufgebaut.
Für Netanyahu eröffnen sich in dem traditionellen israelischen Koalitionspoker zwei Wege: entweder Fischen im gegnerischen Lager oder Spielen auf Zeit mit Neuwahlen in sechs Monaten. Bis dahin könnte der Überlebenskünstler eine neue Lage schaffen, etwa durch eine zweite Kriegsrunde gegen den Iran. Dieser „Job“ war unvollendet geblieben, weil Trump den Krieg abbrach. Jetzt sagt man dem US-Präsidenten Lust auf eine Fortsetzung nach den US-Wahlen nach.
Zweite Überraschung dieser Wahl: Israels Araber haben ihre demokratische Macht erkannt und gingen in Rekordzahl wählen in der Absicht, Netanyahu zu kippen. Eine Eisenkot-Minderheitsregierung, die so massiv auf arabische Unterstützung angewiesen wäre, würde ebenfalls zu baldigen Neuwahlen führen.
Fazit: So oder so, Netanyahu hat wieder weitere Monate an der Macht herausgeschunden. Er ist ein Virtuose der Macht.
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