Behörden prüfen schon

Diesel wird knapp: Schweizern droht jetzt Tempo 80

Ausland
26.10.2026 16:04
Porträt von krone.at
Von krone.at

Droht Autofahrern in der Schweiz bald eine drastische Tempobremse? Weil Diesel und Kerosin knapp werden, greift das Nachbarland bereits auf seine Notreserven zurück. Doch damit nicht genug: Die Behörden prüfen auch eine Maßnahme, die für Millionen Verkehrsteilnehmer einschneidende Folgen hätte – auf Autobahnen könnte künftig statt Tempo 120 nur noch Tempo 80 gelten.

Die Versorgungslage bei Mineralölprodukten ist in der Schweiz seit Wochen angespannt. Besonders bei Diesel und Kerosin gibt es Probleme. Zwar ist die Versorgung derzeit grundsätzlich gewährleistet, doch die Behörden beobachten die Entwicklung mit Sorge. Um Engpässe zu überbrücken, wurden bereits Teile der strategischen Treibstoffreserven freigegeben.

Nur noch Tempo 80 auf Autobahnen?
Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, wird angesichts der angespannten Lage auch über drastische Sparmaßnahmen nachgedacht. Demnach hat das Schweizer Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung eine Reduktion der Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen auf 80 km/h geprüft. Derzeit sind dort maximal 120 km/h erlaubt.

Ein Sprecher bestätigte laut dem Bericht, dass dazu eine verwaltungsinterne Konsultation stattgefunden habe. Ob und wann eine solche Beschränkung tatsächlich eingeführt werden könnte, ist allerdings offen. Unklar ist auch, ob Elektroautos von einer möglichen Temporeduktion betroffen wären.

Schweiz muss bereits Notreserven anzapfen
Wie ernst die Situation ist, zeigt ein Blick auf die Treibstoffreserven. Bereits Mitte Oktober gab der Bund bis zu 30 Millionen Liter Kerosin aus den Pflichtlagern frei, um eine drohende Versorgungslücke am Flughafen Zürich zu verhindern. Die Maßnahme gilt bis einschließlich 1. November.

Inzwischen musste auch bei Diesel nachgeholfen werden. Zwischen 23. Oktober und 22. November dürfen bis zu 45 Millionen Liter aus den Notreserven bezogen werden. Das entspricht knapp vier Prozent der vorhandenen Diesel-Pflichtlager.

Niedriger Rheinpegel verschärft die Krise
Hinter den Engpässen stecken gleich mehrere Probleme. Der niedrige Wasserstand des Rheins erschwert den Transport von Treibstoffen per Schiff erheblich. Frachter können teilweise nur noch mit stark reduzierter Ladung fahren. Gleichzeitig kommt es beim internationalen Schienengüterverkehr zu Ausfällen und erheblichen Verspätungen.

Erschwerend kommt hinzu, dass im September eine Schweizer Erdölraffinerie wegen eines technischen Defekts zwei Wochen lang ausgefallen war. Auch die durch den Iran-Krieg beeinträchtigten internationalen Öllieferungen belasten die Versorgungslage.

Diesel kostet bereits 2,65 Euro
Die angespannte Situation macht sich auch an den Zapfsäulen bemerkbar. Laut Touring Club Schweiz kostete ein Liter bleifreies Benzin am Montag umgerechnet rund 2,33 Euro, Diesel sogar etwa 2,65 Euro. Staatliche Tankrabatte oder Preisdeckel sind derzeit nicht vorgesehen.

Von einem vollständigen Versorgungszusammenbruch ist die Schweiz aber noch weit entfernt. Die vorhandenen Pflichtlager für Benzin und Diesel würden rechnerisch mehr als viereinhalb Monate reichen, wenn überhaupt keine neuen Lieferungen mehr eintreffen würden. Beim Kerosin beträgt die rechnerische Reichweite derzeit rund 76 Tage.

Die Behörden betonen zudem, dass weiterhin Treibstoff importiert wird. Sollte sich die Lage jedoch weiter verschärfen, könnten neben freiwilligen Sparappellen auch verpflichtende Verbrauchsbeschränkungen folgen. 

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