Erneuter Einsatz

Hitler-Bau-Ruine brannte „noch mal zimmerhoch“

Ausland
25.10.2026 09:33
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach dem Flammeninferno am Freitagabend auf dem Obersalzberg ist das Feuer in der Nacht auf Sonntag erneut aufgeflammt. Es habe „noch mal zimmerhoch gebrannt“, sagte ein Polizeibeamter. Der mutmaßliche Täter befindet sich indes in einem psychiatrischen Krankenhaus – er soll sich zudem bei der Tat an der Hand verletzt haben.

Nach dem Flammeninferno, das am Freitagabend den Nachthimmel über dem Obersalzberg erhellte, dampfte die Ruine des Nazi-Baus auch noch am Sonntag auf dem verschneitem Gipfel des Kehlsteins. In der Nacht war das Feuer wegen Glutnestern nach dem eigentlichen Brand wieder aufgeflackert – das sei nicht unüblich, erklärte der Polizist.  

Auch am Sonntagmorgen war die Feuerwehr noch mit Nachlöscharbeiten des Brandes am Kehlsteinhaus beschäftigt. Die Ermittler können derzeit die Ruine noch nicht betreten, ohne sich in Gefahr zu bringen.

Das Flammeninferno am Freitagabend bedeutete einen schwieriger Löscheinsatz für die Feuerwehr.
Das Flammeninferno am Freitagabend bedeutete einen schwieriger Löscheinsatz für die Feuerwehr.(Bild: AFP/FERDINAND DORFLER-FARTHOFER)

Der verdächtige Motorradfahrer – der ohne Kennzeichen unterwegs war –  lief den Einsatzkräften am Freitagabend auf der schmalen Straße zum Tatort regelrecht in die Arme. „Wie es das Glück wollte“, kommentierte Polizeieinsatzleiter Gerhard Holzinger die Festnahme. Der Mann wurde bereits „auf Antrag der Staatsanwaltschaft heute dem Ermittlungsrichter vorgeführt“, wie die Polizei mitteilte.

„Da in einem beauftragten Kurzgutachten eines psychiatrischen Sachverständigen eine psychische Erkrankung des Beschuldigten diagnostiziert wurde, stellte die Staatsanwaltschaft einen Antrag auf einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus“, so die Polizei. Es werde versucht, eine Unterbringung in einer forensischen Einrichtung für psychisch kranke Straftäter zu erwirken.

Mögliche politische Motive werden geprüft
Es handelt sich um einen 33-jährigen Mann, der in Berlin wohnt, aber Bezüge zur Region habe. Die Hintergründe und das Tatmotiv sind noch Gegendstand von Ermittlungen. Es wird jedoch vermutet, dass die psychische Erkrankung des Verdächtigen dabei eine bedeutende Rolle spiele. Wegen der Geschichte des Brandobjekts werden jedoch auch mögliche politische Motive geprüft. Man müsse von zumindest verminderter Schuldfähigkeit ausgehen, erklärte Rainer Vietze von der Staatsanwaltschaft Traunstein.

Schneefall und Wind machten den Einsatzkräften am Kehlstein zu schaffen.
Schneefall und Wind machten den Einsatzkräften am Kehlstein zu schaffen.(Bild: AFP/KERSTIN JOENSSON)

Die Ermittler gehen davon aus, dass der mutmaßliche Täter allein handelte. Es gebe keine Hinweise auf weitere Beteiligte, wie der Einsatzleiter des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd erklärte. Das Motorrad, mit dem der Verdächtige zum Brandzeitpunkt unterwegs gewesen war, wurde sichergestellt, zudem habe man bereits Durchsuchungsmaßnahmen durchgeführt. 

Feuerwehrkräfte stundenlang am Kehlstein gefangen
Die Löscharbeiten waren für die Einsatzkräfte „besonders herausfordernd“, wie der Kreisbrandrat Michael Brandl, berichtete. Zunächst hatte es geregnet, dann zu schneien begonnen. Der Wind war ebenfalls problematisch, da er den giftigen Brandrauch in Richtung Tal wehte. Zudem waren die Helfer zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten und mussten stundenlang in selbstgebauten Unterständen ausharren.

Kehlsteinhaus ist „gut versichert“
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann wiederholte seine Ankündigung, dass das zerstörte Gebäude wieder aufgebaut werde. Das Kehlsteinhaus sei „gut versichert“, so der CSU-Politiker. Der entstandene Schaden soll „in die Millionen“ gehen, wie der Vorsitzende des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden erklärte. Drei Betriebe seien von dem Großbrand betroffen: das Bergerlebnis, die Familie der Wirtsleute sowie die Busfahrer der Kehlsteinstraße.

Das mehr als 1800 Meter hoch gelegene Kehlsteinhaus unweit der österreichischen Grenze war in den 1930er-Jahren von den Nationalsozialisten als Teil des von Adolf Hitler genutzten Komplexes am Obersalzberg erbaut worden. Zuletzt wurde es als frei zugängliche Berggaststätte genutzt.

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