Nach Flammeninferno
Hitlers Adlerhorst soll wieder aufgebaut werden
Das abgebrannte Kehlsteinhaus in Berchtesgarden – auch Adlerhorst genannt – soll wieder aufgebaut werden, wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bekannt gab. Der mutmaßliche Brandstifter befindet sich nach dem Feuerinferno verletzt im Krankenhaus.
„Wir werden da kaum eine Ruine stehen lassen können“, erklärte Herrmann am Rande des CSU-Parteitages am Samstag in München gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Der Politiker wird im Laufe des Nachmittags bei einer Pressekonferenz erwartet, bei der die Behörden nähere Einzelheiten über den Vorfall bekanntgeben werden.
Mutmaßlicher Brandstifter im Krankenhaus
Fest steht bislang: Ein bereits festgenommener Motorradfahrer steht unter Tatverdacht. Der Mann soll aus der Region stammen und wurde offenbar bei der mutmaßlichen Brandstiftung verletzt. Er befindet sich vorerst im Krankenhaus. Als die Einsatzkräfte wegen des Feuers auf den Kehlstein fuhren, entdeckten sie den Verdächtigen, der sich auf einem Motorrad vom Tatort entfernte.
Kehlsteinhaus zählte zu den Top 100 Sehenswürdigkeiten
Trotz seiner dunklen Geschichte war das historische Gebäude ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel in der Region – nicht zuletzt wegen seines spektakulären Ausblicks über die Berchtesgadener Bergwelt und die Gegend um Salzburg. Laut der offiziellen Website des Kehlsteinhauses soll es zu den Top 100 Sehenswürdigkeiten Deutschlands zählen.
Auch Adolf Hitler hatte offenbar viel Gefallen an der Region gefunden. Der Obersalzberg wurde nach der Machtübernahme des Diktators zu einem wichtigen Macht- und Repräsentationsort der Nationalsozialisten.
Der Bau des Kehlsteinhauses in den Jahren 1937 und 1938 war außerordentlich schwierig: Enormer Zeitdruck und komplexe Bedingungen führten zu zahlreichen Unfällen. Viele Arbeiter wurden verletzt oder sogar getötet. Besonders die Errichtung der Zufahrt stellte eine besondere Herausforderung dar. Die Straße führt über mehrere Serpentinen in der Hochalpinen Landschaft. In nur 13 Monaten wurde sie in den harten Fels des Kehlsteins gesprengt. Private Fahrzeuge dürfen sie nicht befahren. Besucher müssen den Linienverkehr nutzen.
An deren Ende führt ein Tunnel durch den Fels zu einem Aufzug. Mit diesem können Besucher direkt in das Vestibül des Gebäudes gelangen. Die Kabine ist noch weitgehend original erhalten: Sie ist verspiegelt und mit Messing verkleidet. Im Aufzug gibt es auch gepolsterte Sitzmöglichkeiten, die allerdings zumeist hochgeklappt sind.
Hitler war Besuch des Kehlsteinhauses zu riskant
Trotz der hohen Investitionskosten von 30 Millionen Reichsmark (entspricht etwa 130 Millionen Euro), die der Bau und die Gestaltung des Gebäudes sowie die Tunnel und die Zufahrtsstraßen verschlang, verbrachte Hitler nur wenig Zeit dort. Er soll nur wenige Male dort gewesen sein, weil ihm die Ausflüge dorthin zu zeitaufwendig und riskant gewesen sein sollen. Besonders kritisch stand er dem Aufzugschacht gegenüber: Er hielt diesen nicht sicher gegen Blitzeinschläge und befürchtete, dass man einem Überraschungsangriff schutzlos aufgeliefert wäre.
Das Kehlsteinhaus überstand den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet. Es war zwar das Ziel eines britischen Fliegerangriffs, wurde allerdings nicht getroffen. Später war eine Sprengung geplant, diese konnte jedoch von Landrat Karl Theodor abgewehrt werden, der den touristischen Wert erkannte.
Nach dem Untergang des NS-Regimes gelangte das Kehlsteinhaus in den Besitz des Freistaates Bayern, das Nutzungsrecht bekam die Berchtesgadener Landessstiftung übertragen. Trotz des problematischen Hintergrunds wurde es bis zuletzt touristisch genutzt: Seit 1952 wurde darin eine Berggaststätte geführt. Eine Ausstellung des Institutes für Zeitgeschichte auf der Sonnenterrasse weist auf die bewegte Geschichte hin.

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