Blind vor Liebe ist eine Burgenländerin in die Falle eines Betrügers getappt. In ernster Sorge um ihre neue Internetbekanntschaft griff sie tief in die Tasche.
„Jetzt anmelden und verlieben!“ Diese Aufforderung einer als seriös bezeichneten Singlebörse im Internet kam einer offenherzigen Burgenländerin gerade recht. Auf der Suche nach einem vertrauenswürdigen Mann machte die Frau über die kostenlose Partnervermittlung eine schicksalshafte Bekanntschaft.
Alles begann harmlos
Kurz nachdem sich die zwei bei ihrem ersten Online-Date nähergekommen waren, verlagerten sich die Begegnungen auf WhatsApp. Dann der erste Schock, eine vermeintliche Schreckensnachricht tauchte aus heiterem Himmel auf. Der Mann behauptete, im Libanon unschuldig in Gefangenschaft geraten zu sein.
„Für den Mittelmeerstaat zwischen Syrien und Israel gilt aufgrund des anhaltenden Konflikts und der angespannten Sicherheitslage eine uneingeschränkte Reisewarnung. Ständig muss mit bewaffneten Auseinandersetzungen, Luftangriffen und Bombardierungen, insbesondere im Süden des Landes, gerechnet werden“, lauten die offiziellen Auskünfte.
28.000 Euro für angebliche Freilassung
Die Burgenländerin machte sich sofort große Sorgen um ihren neuen Online-Freund. Das nutzte der angebliche Häftling skrupellos aus. Für seine Freilassung und den Rücktransport nach Österreich benötige er finanzielle Unterstützung, gaukelte der Kriminelle anfangs glaubhaft vor. Die Frau vertraute ihm blind. In Raten leistete sie die geforderte Hilfe und überwies kleine oder größere Geldbeträge auf unterschiedliche Zahlungsarten. 28.000 Euro kamen mit der Gefangenenmasche insgesamt zusammen.
Anzeige! Ermittlungen langwierig
Dieser knifflige Fall beschäftigte die Behörden länger. Im Februar dieses Jahres hatte die Frau aus dem Bezirk Neusiedl am See den angeblichen Libanon-Häftling kennengelernt. Sechs Wochen später hat sich der Verdacht aufgedrängt, dass an der behaupteten Notlage in dem militärischen Krisengebiet gar nichts Wahres dran ist.
Das bitter enttäuschte Opfer wandte sich an die Polizei und erstattete Anzeige. Seit Anfang April sind die Ermittlungen im Gang. Nur schwer lässt sich der Cybercrime-Fall lösen, das Geld ist weg.
Alle Angaben falsch
Kurz hatte es für die Burgenländerin den Anschein, die Freilassung sei dank ihrer Finanzhilfe geglückt und der Gefangene konnte nach Hause zurückkehren. Doch alle Angaben waren schlichtweg falsch. „Der Beschuldigte ist nie nach Österreich gereist“, fanden die Ermittler heraus.
Jede Woche ereignen sich 35 neue Fälle von Internetkriminalität im Burgenland. Im Kampf gegen die Täter wird nun jeder Polizist im modernen Cybercrime-Trainingscenter in Eisenstadt geschult.
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