„Wir sind nicht zum Jammern da“, schickten die Tiroler Industrievertreter in der Wirtschaftskammer voraus. Aber: Es muss einiges passieren bei Energie, Steuern und Bürokratie, damit nicht noch mehr Arbeitsplätze verloren gehen.
Immer mehr Jobs gehen in der Tiroler Industrie durch Automatisierung verloren. Konkret sind es rund 1000 pro Jahr in Tirol und 10.000 in Österreich. Dieser aktuelle Befund stammt von den WK-Industrievertretern Oswald Wolkenstein und Karlheinz Wex. Der Verlust von Arbeitsplätzen hat dazu geführt, dass die Zahl der unselbstständig Beschäftigten in Tirol auf den niedrigsten Stand seit 2009 gefallen ist, nämlich auf 38.314 Beschäftigte. Gegenüber dem Höchststand 2015 von 42.524 fehlen rund 4200 Arbeitsplätze – ein Minus von 9,9 %.
Günstiger Strom war einmal ein Standortvorteil in Österreich. Heute haben wir einen ineffizienten Strommarkt mit hohen Preisen und Steuern.
Karlheinz Wex, Obmann Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Tirol
Produktivität nahm enorm zu
Interessant dabei ist, dass Tirols Anteil an der Industrieproduktion auf einem Höchststand ist. Im Klartext: Produktion und Beschäftigung haben sich entkoppelt. „Der Produktionswert je Beschäftigtem ist damit nominell um rund drei Viertel gestiegen. Ein Teil davon ist Preis, ein Teil Automatisierung – und ein Teil Verlagerung arbeitsintensiver Schritte“, halten die WK-Experten fest.
Ob die Trendwende gelingt, entscheidet sich vor allem an drei Punkten: an den Energiekosten, an den Investitionen und am Tempo der Verfahren.
Oswald Wolkenstein, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der WK Tirol
Die Tiroler Industrie ist stark exportorientiert. „Es gibt fast kein Land auf der Welt, das wir nicht beliefern“, hielt Wolkenstein fest. 15,8 Milliarden Euro abgesetzte Produktion der Tiroler Industrie 2025 sind ein Höchstwert, der 9,2 % über dem Wert von 2024 liegt. Österreichweit waren es plus 2,9 Prozent.
Investitionsbereitschaft bei nur 4 % der Betriebe
Fazit der Experten: „Die Tiroler Industrie hat die Rezessionsjahre 2023 bis 2025 deutlich besser überstanden als die österreichische. Sie tut das aber mit weniger Beschäftigten, in einer immer schmaleren Spitzengruppe von Branchen und bei geringer Bereitschaft zu investieren. Nur 4 % der Industriebetriebe planen steigende Investitionen – der niedrigste Wert seit 15 Jahren.“
Österreichischer Strom 20 % über den EU-Schnitt
Als größtes Hemmnis neben der allseits gegenwärtigen Bürokratie wird der Strompreis gesehen. „Da wir in die ganze Welt liefern, liegt unser Wettbewerb nicht in Österreich. In vielen Ländern ist Energie deutlich günstiger. Österreich liegt 20 % über dem EU-Schnitt“, zeigten Wex und Wolkenstein auf. Österreich habe einen vergleichsweise ineffizienten Markt. Der Netzausbau werde auf Kunden abgewälzt. Abhilfe könnte der Industriestrompreis schaffen, der ab 2027 eingeführt wird.
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