Eine Baufirma geht bankrott, doch auf der Baustelle wird munter weitergearbeitet. Jetzt stehen zwei Brüder in Feldkirch vor Gericht. Haben sie rund 14.000 Euro an der insolventen Firma vorbeigeschleust und damit Gläubiger geschädigt?
Wer hat auf der Baustelle gearbeitet? Und wem stand das Geld dafür zu? Darum geht es derzeit in einem Prozess am Landesgericht Feldkirch. Angeklagt sind zwei Brüder (45 und 46 Jahre alt), die jeweils eine Baufirma führen. Beide bestreiten die ihnen zur Last gelegten Vorwürfe.
Zum konkreten Fall: Im Sommer 2023 arbeitete die Firma eines Bruders an einem Bauprojekt. Doch mitten in den Arbeiten schlitterte sie in die Pleite. Trotzdem wurde fleißig weitergebaut. Laut Staatsanwaltschaft wurden Leistungen im Wert von rund 14.000 Euro der Firma des anderen Bruders zugerechnet. Das Geld hätte laut Anklage allerdings der insolventen Firma zustehen müssen und wäre somit für deren Gläubiger verfügbar gewesen. Die Brüder sehen die Sachlage ganz anders: Mit dem Auftraggeber sei mündlich vereinbart worden, dass Mitarbeiter der anderen Firma die offenen Arbeiten übernehmen. Die Zuordnung sei daher korrekt.
Fragwürdige Unterlagen und Aufzeichnungen
Doch ein Blick auf die Unterlagen wirft Fragen auf. Auf einem Lieferschein wurde der Name der pleitegegangenen Firma durchgestrichen und durch jenen der anderen ersetzt. Auf Stundennachweisen stehen hingegen Mitarbeiter der insolventen Firma. Einer der Brüder kann sich das nicht erklären, hält aber die Versicherungsliste für richtig.
Verwirrende Zeugenaussagen
Und die Zeugen? Die bringen auch kein Licht ins Dunkel, ganz im Gegenteil. Der Geschäftsführer des Auftraggebers will von einer neuen Vereinbarung nichts wissen. In einem Chat schrieb er jedoch einem der Angeklagten, dieser könne seine Mitarbeiter bald abziehen. Die Erklärung des Geschäftsführers für diese Nachricht: Er habe geglaubt, beide Brüder seien Inhaber derselben Firma. Der Polier sagt, er habe mit beiden Brüdern gesprochen, wenn Arbeitskräfte gebraucht wurden. Lieferscheine und Stundenlisten habe er bestätigt, die Verträge habe aber sein Chef abgeschlossen.
Ob die rund 14.000 Euro tatsächlich den Gläubigern vorenthalten wurden, soll nun ein weiterer Zeuge klären – und der lebt in Italien und benötigt einen Dolmetscher. Anklage und Verteidigung wollen ihn hören. Richter Alexander Wehinger vertagte daher den Prozess, im November geht es weiter.
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