Antiker Polit-Thriller

Kleopatra: Intrigen und Mord waren ihr Hobby

Kultur
20.10.2026 21:00

Das Kunsthistorische Museum zeigt unter dem Titel „Tatort Ephesos“ die mörderische Welt der Königin Kleopatra. Zu sehen in der Neuen Burg bis Ende März 2027.

Superstars wie Elizabeth Taylor, Sophia Loren und Vivien Leigh erspielten ihr einen Platz in der Filmgeschichte, Monica Bellucci machte sie in der Asterix- und Obelix-Serie zur Pop-Kultfigur: Kleopatra (69 bis 30 v. Chr.), Ägyptens machtgierige, intrigante letzte Königin, war schon in der barocken Oper ein Star. Aber durch den Film wurde sie für ein Millionenpublikum zur Ikone: zur faszinierenden Verführerin, die die wichtigsten Männer der Zeit wie Cäsar oder Marc Anton in ihr Bett holte. Kleopatra, die „ewige Diva“, Schönheitsideal Hollywoods.

Mit diesem Bild räumt „Tatort Ephesos. Kleopatra und Rom“ gründlich auf. Das Kuratorenteam des „Kunsthistorischen“ unter Leitung Georg Plattners (Antikensammlung) und Regina Hölzls (Ägyptische Sammlung) zeigt in der „Tatort“- Ausstellung in der Neuen Burg die „andere Kleopatra“: Die „Wölfin am Nil“, die immer wieder in Ephesos, auf der Insel Tarsons, in Syrien und Rom weilte. Wie ihre Büste zeigt, keine Hollywood-Beauty.

Aber eine rücksichtslose Kämpferin und gefährliche Intrigantin, die unter ihren Verwandten wütete: Mord gehörte – wie Inzest – in der Familie der Ptolemäer zum Alltag: Vermutlich ließ sie Ihre Mitkönigin in Ägypten und Halbschwester Arsinoe IV. im Exil in Ephesos hinrichten und den Bruder, Gatten und Mitregenten Ptolemaios XIV. vergiften, um ihren und Cäsars Sohn Kaisarion als Mitregenten einsetzen zu können. Er wurde nach Kleopatras und Marc Antons Selbstmord 30 v. Chr. auf Befehls Octavians, des späteren Kaiser Augustus, des erbittertsten Kleopatra-Jägers, hingerichtet.

Keine Hollywood-Beauty: Porträtkopf der Kleopatra, Römisch, 3. Viertel 1. Jahrhundert v. Chr. ...
Keine Hollywood-Beauty: Porträtkopf der Kleopatra, Römisch, 3. Viertel 1. Jahrhundert v. Chr. Marmor, H. 29,5 cm, B. 16 cm, T. 22,5 cm Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung.(Bild: Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung / Johannes Laurentius)

„Tatort Ephesos“ zeigt an 100 Objekten aus Wien, London, Paris, dem Vatikan, München, Berlin den Glanz der antiken Metropole, deren um 550 v. Chr. errichteter Artemistempel, eines der sieben Weltwunder, das hunderttausende Neugierige anlockte. Es ist leider eine sehr düstere, gar nicht „inszenierte“ Schau geworden – prachtvolle Objekt, aber im Halbdunkel!

Man sieht Ephesons in seiner größten Umbruchphase! Das Weltreich Alexanders des Großen ist zerbrochen. Zwischen Rom und dem reichen Ägypten der letzten Ptolemäer-Pharaonen, der Kornkammer Roms, tobt der Machtkampf. Ein Überlebenskampf. Eine Phase der Übergangs, auch im Künstlerischen. Rom huldigt der ägyptischen Mode, baut selbst Tempel im Nilland – etwa in Denderah –, nach Julius Cäsars Ermordung bereitet Ôctavian die Eingliederung Ägyptens ins Reich vor.

Man sieht prächtige Rekonstruktionen – etwa des berühmten Leuchtturms von Alexandria, der 247 v. Chr. fertiggestellt wurde, und Paul Bigots um 1930 entstandenes Modell Roms aus vergoldetem Kupferblech. Lernt die Protagonisten dieser Machtkämpfe kennen: Kleopatra, Arsinoe und die Ptolemäer-Verwandtschaft, Kleopatras Liebhaber Julius Cäsar und Marc Anton, Octavian, den späteren Kaiser Augustus, den Erzfeind Kleopatras, Octavians ersten Gouverneur in Ägypten, den Feldherrn Gaius Cornelius Gallus, viele Götter und ihre Priester, man sieht Grabstelen, ägyptische und griechische Papyrusdokumente, Münzen, wunderbare Mumienporträts. Und als eines der schönsten, kostbarsten Objekte die weltberühmte Gemma Augustea, die Onyx-Kameoplatte in Goldfassung, die „Verherrlichung des Kaiser Augustus und des Goldenen Zeitalters“.

Im Mittelpunkt der Schau steht das Modell des Oktogons, des Grabturms Arsinoe IV. Als österreichische Archäologen 1929 einen Schädel und 1982 ein Skelett ausgruben, war die Sensation groß. Man glaubte, die legendäre Arsinoe gefunden zu haben. KHM-Direktor Jonathan Fine muß jetzt korrigieren: „Wir wissen jetzt, dass das Skelett ein Bub war. Mit den Untersuchungen zu Arsinoe müssen wir wieder ganz von vorn anfangen!“ 

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