„Krone“-Interview

Laurenz Nikolaus: „Wir sind in der Seele verwandt“

Musik
20.10.2026 06:00

Mit ihrem Hit „Du bist wie“ wurden Laurenz, Isaac und Moritz quasi über Nacht bekannt. Seitdem geht es für das Trio, das gemeinsam als Laurenz Nikolaus auftritt, steil bergauf. Ein Jahr voller verrückter Erlebnisse liegt hinter ihnen. Wir trafen die Austropop-Band kurz vor der Veröffentlichung ihres Debütalbums „aus dem Koffer“ (seit 16. Oktober erhältlich) und sprachen mit Ihnen über ihren rasanten Aufstieg und Zukunftsträume.

kmm

Wir alle kennen sie – die großen Austropop-Hits von Rainhard Fendrich, Wolfgang Ambros, Marianne Mendt oder Peter Cornelius. Jahrzehntelang haben sie österreichische Musikgeschichte geschrieben. Wir sind mit ihren Liedern groß und irgendwann auch älter geworden. Und die Künstler selbst natürlich auch. Wenn man heute einen alten Fendrich-Hit wie „Macho Macho“ oder „Blond“ hört, denkt man sich vielleicht: „Na bumm, i glaub, i bin wirklich oid!“ Nein, Spaß beiseite! Eines ist jedenfalls sicher: Diese Klassiker geraten wohl so schnell nicht in Vergessenheit. Ganz im Gegenteil – Denn der Austropop erlebt gerade einen regelrechten Aufschwung. Im Dialekt zu singen, ist plötzlich wieder angesagt. Und das Spannende daran? Es sind längst nicht mehr nur die alten Hasen, die mit österreichischem Schmäh und eingängigen Melodien begeistern. Nein, mittlerweile entdecken auch junge Musiker Mitte 20 den Austropop für sich und verpassen ihm einen ganz eigenen, frischen Anstrich.

Anfangs alles nur Spaß
Eine dieser Bands ist Laurenz Nikolaus. Wobei man beim Namen zunächst meinen könnte, es handle sich um einen einzelnen Sänger, ganz wie bei Fendrich, Ambros oder Danzer. Doch weit gefehlt! Hinter Laurenz Nikolaus stecken gleich drei junge Musiker: Laurenz, Moritz und Isaac. „Wir sind in der Seele verwandt“, scherzt Namensgeber Laurenz beim Gespräch mit uns. Seit rund einem Jahr machen sie unter diesem Namen gemeinsam Musik und haben in dieser kurzen Zeit schon einiges erlebt: einen viralen TikTok-Hit, einen überfüllten Auftritt beim Wiener Popfest, eine Amadeus-Nominierung und nun auch noch ihr erstes Album „aus dem Koffer“, das am 16. Oktober erschienen ist. Grund genug also, die drei zum Talk zu bitten und herauszufinden, wie aus einer spontanen musikalischen Idee plötzlich eine der aufstrebenden Austropop-Bands wurde. „Wir kennen uns alle schon ziemlich lange. Laurenz und Isaac kennen sich sowieso schon aus der Schule“, erzählt Moritz. Die Idee zur Band entstand schließlich ganz spontan an einem Abend. „Wir haben damals unser erstes Lied geschrieben. Das war wirklich nur, um es auszuprobieren und aus Spaß. Dass sich das alles dann so entwickelt hat, war eigentlich Zufall.“

Laurenz (M.), Moritz (li.) und Isaac: „Wir sind Laurenz Nikolaus“.
Laurenz (M.), Moritz (li.) und Isaac: „Wir sind Laurenz Nikolaus“.(Bild: Martin A. Jöchl)
„Krone“-Musikredakteurin Nadi Adana traf das Trio zum gemütlichen Talk.
„Krone“-Musikredakteurin Nadi Adana traf das Trio zum gemütlichen Talk.(Bild: Martin A. Jöchl)

Von viralen Hits, Amadeus-Nominierung und Einlassstopp
Besagtes Lied war übrigens „Annemarie“, das später auch ihrer ersten EP den Namen gab. Doch erst mit ihrem dritten Song „Du bist wie“ nahm die Geschichte so richtig Fahrt auf. Die Nummer ging auf TikTok viral und bescherte den Musikern über Nacht jede Menge Aufmerksamkeit. „Wir haben uns nichts erwartet, als wir es gepostet haben“, erinnert sich Laurenz. „Am gleichen Tag sind aber schon so viele Anfragen reingekommen, ob wir live spielen wollen. Und dann waren wir ziemlich schnell eine Band.“ Wie rasant das alles ging, zeigte sich wenig später beim Wiener Popfest. Dort war der Andrang so groß, dass sogar ein Einlassstopp verhängt werden musste. Und das, obwohl das Trio gerade einmal ein paar Proben hinter sich hatte! „Als wir erfahren haben, dass die Leute unten nicht mehr reinkommen, da ist mir schon ein bisschen das Herz geflattert“, gesteht der Leadsänger. 
Zum Glück standen in den ersten Reihen zahlreiche Freunde und Familienmitglieder, die ihnen die Nervosität zumindest ein wenig nahmen. Für Moritz war dieser Abend ohnehin etwas Besonderes: „Es war ein sehr beflügelndes Gefühl, weil das irgendwie der Start unserer Livekarriere war.“

Und danach ging es Schlag auf Schlag. Zu den bisherigen Höhepunkten zählt wohl auch die diesjährige Amadeus-Nominierung. „Das war ein extrem arger Moment. Es war für uns so das i-Tüpfelchen, wo man sich denkt: Okay, was passiert da eigentlich gerade?“, erinnert sich der Sänger. Auch Isaac musste die vielen Eindrücke erst einmal verdauen: „Es war cool, das alles einmal zu sehen. Aber in dem Moment war irgendwie alles viel.“ Als wäre das nicht schon aufregend genug, legten die drei nun auch noch ihr Debütalbum nach. „aus dem Koffer“ heißt das gute Stück. Doch was hat es eigentlich mit diesem ungewöhnlichen Titel auf sich? „Auf der Platte gibt es sehr viele Lieder, die sehr persönlich sind und beschreiben, was wir so erlebt haben“, erklärt Laurenz. „Es geht ein bisschen um diese persönliche Kofferkomponente, dass man mit der Musik erwachsener wird, aber auch darum, dass wir quasi aus unserem Koffer die ganzen Geschichten erzählen, die wir als Band im letzten Jahr erlebt haben.“

Fun-Facts: Laurenz Nikolaus

  • Wien ist für uns ...
    ... zu Hause und Hauptstadt. (lachen)
  • Ein typischer Abend mit Laurence Nikolaus endet ...
    ... beim Würstelstand.  
  • Austropop bedeutet für uns ...
    ... für uns ist es ein Lebensgefühl und einfach gute Musik.
  • Ein Song den wir gerne hören ...
    ... „Merci Cherie“ von Udo Jürgens.
  • Das verrückteste, dass uns ein Fan je gesagt hat ...
    ... „Kannst du auf meinem Arm unterschreiben, ich will es mir dann tätowieren lassen.“ (lachen)

„Ein bisschen eine Lotterie“
Während auf ihrer ersten EP „Annemarie“ noch eine zusammenhängende Geschichte erzählt wurde, geht es auf dem Debütalbum deutlich vielseitiger zu. „Diesmal sind es einfach viele kleinere Geschichten, die auch sehr verschieden sind. Es geht mal um den Tod, um Wünsche oder Träume oder um das, was wir in der Gesellschaft spüren“, verrät der Frontmann. „Klarerweise geht es aber auch um die Liebe“, ergänzt Isaac. Und all diese Geschichten erzählen die Burschen natürlich auf ihre ganz eigene Art – nämlich im Dialekt. Dabei war das, wie so vieles in ihrer bisherigen Karriere, gar nicht geplant. „Das war keine bewusste Entscheidung. Das ist einfach passiert“, erzählen die Wiener. Schnell hätten sie allerdings gemerkt, dass man sich im Dialekt ganz anders ausdrücken könne. „Es ist eine ganz eigene Sprache. Sie hat eine andere Tonalität und viel mehr Emotionen.“ Besonders in Liebesliedern sehen die Musiker darin einen großen Vorteil. „Man kann einfach Sachen sagen, die gefühlt noch nie gesagt wurden. Auf Hochdeutsch hat man irgendwann den Topf ausgeschöpft, wie man die Liebe umschreiben kann. Und im Dialekt sind die Möglichkeiten gefühlt unendlich“, schwärmt der Isaac.

Dass sie damit offensichtlich einen Nerv treffen, haben die drei längst bewiesen. Doch so sehr ihnen TikTok zum Durchbruch verholfen hat, ganz unkritisch sehen sie die sozialen Medien nicht. „Es ist auf jeden Fall schwierig“, meint Moritz auf die Frage, ob junge Künstler heutzutage überhaupt noch ohne Social Media auskommen können. „Wir sehen das aber auch ziemlich kritisch, weil es immer nur um ein paar Sekunden geht. Dieses kurze Format bestimmt schon sehr stark, welche Art von Songs viral geht und welche nicht.“ Dadurch würden seiner Meinung nach viele schöne Lieder untergehen. „Es ist eben auch ein bisschen eine Lotterie. Wir freuen uns natürlich wahnsinnig, dass es bei uns so geklappt hat. Aber wir würden uns sehr wünschen, dass es auch andere Wege gibt, um Bekanntheit zu erlangen und gehört zu werden.“

Musik, die berührt
Und wer einmal einen viralen Hit gelandet hat, steht natürlich vor der Frage, wie man diesen Erfolg wiederholen kann. Doch davon wollen sich die Burschen nicht verrückt machen lassen. „Ich glaube, sobald man das probiert, ist man schon gescheitert“, stellt Moritz klar. „Wir versuchen, Musik zu machen, die uns berührt und die uns wichtig ist. Wir wollen die Laurenz-Nikolaus-Band noch ganz lange machen. Und das geht nur, wenn wir freie Musik machen und versuchen, Erwartungshaltungen ganz rauszulassen.“

Dass die Nachwuchskünstler längst auch in der heimischen Musikszene auf sich aufmerksam gemacht haben, zeigt eine weitere Geschichte: Heuer hätten sie sogar als Vorband von Christina Stürmer auftreten sollen. Doch daraus wurde leider nichts, denn das Konzert fiel dem Schlechtwetter zum Opfer. Vielleicht klappt es aber bald wieder, verraten sie. 

Große Ziele
An Auftrittsmöglichkeiten mangelt es ihnen jedenfalls nicht. Schließlich steht am 6. Mai 2027 bereits ihr nächstes ausverkauftes Wien-Konzert im WUK auf dem Programm. Und dafür haben sie sich einiges vorgenommen. „Wir wollen jetzt alles noch einmal über Bord werfen, uns neu aufstellen und neue Sachen ausprobieren“, verrät Laurenz. „Es wird eine sehr besondere Show. Die Karten werden ein bisschen neu gemischt.“

Bleibt eigentlich nur noch die Frage, wohin die musikalische Reise führen soll. Wo sehen sich die drei beispielsweise in fünf Jahren? Moritz gibt sich zunächst bescheiden: „Wir hoffen einfach, dass wir das weitermachen können. Dass wir weiterhin Konzerte geben und Musik machen können.“ Sein Bandkollege hat da allerdings schon etwas größere Pläne. „Happelstadion!“, werfen Laurenz und Isaac lachend dazwischen.Na, wenn das bitteschön kein Ziel ist.

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