Die Rede ist von diesen klitzekleinen Details, die einem nach dem lukrativen Digicam-Schnäppchen ein Bein stellen. Die Flut an Zahlen, die unzähligen Superlative mit denen gerade besonders günstige Digicams oft und gern beschrieben werden. Sie machen das Dickicht, in dem sich ein zum Kauf bereiter Kunde bewegt, immer undurchsichtiger. Enttäuschungen sind vorprogrammiert.
Was bedeutet eine Angabe wie „20-fach Digital-Zoom“? Werden die Fotos besser, wenn ein so genannter „Anti-Verwacklungs-Effekt“ eingebaut ist? Und wie schnell ist eine Kamera mit einer Auslöseverzögerung von 0,4 Sekunden wirklich? Hier die drei neuesten Fallen, in die man beim Digicam-Kauf nicht tappen sollte.
Kapitel 1: Gute Zooms, böse Zooms
Digi-Profis wissen es bereits: In der Welt der digitalen Fotografie gibt es zweierlei Maß – den optischen und den digitalen Zoom. Ein optisches Zoomobjektiv bedient sich schon seit Anbeginn der modernen Fotografie dem Prinzip der Linsenverschiebung. Im Kameraobjektiv wird das Motiv durch Entfernen bzw. Zusammenziehen der Linsen näher herangeholt bzw. weggeschoben. Die Qualität der Aufnahme bzw. die Bildauflösung bleibt unabhängig von der Zoom-Einstellung fast immer gleich.
Beim digitalen Zoom passiert etwas völlig anderes: Ein Ausschnitt des Motivs wird vergrößert, es entsteht unweigerlich ein Kästcheneffekt. Im Sucher bzw. am Monitor geschieht im ersten Augenblick dasselbe wie beim optischen Zoom. Der Schrecken verbirgt sich aber im Detail und wird erst am PC-Bildschirm oder beim Ausdrucken sichtbar: Der digitale Zoom verschlechtert das Bild in seiner Qualität drastisch. Folglich wird hier, anders als beim optischen Zoom, die Qualität der Aufnahme mit Zunahme des Zoom-Schrittes überproportional schlechter.
Wer sich also eine Digitalkamera kaufen möchte, die mit einem 12-fachen Zoom angepriesen wird und in Klammer die Auszeichnung
„2-fach optisch, 10-fach digital“ trägt – Finger weg! Es zählt eben aus den oben genannten Gründen nur der optische Zoomfaktor, der im Übrigen bei einem zwei bis 3-Fachem liegen sollte.
Kapitel 2: Digitaler Bildstabilisator destabilisiert!
Der Bildstabilisator – eigentlich ein Feature aus der Filmerei – wurde bei kompakten Digitalkameras erst vor kurzem eingeführt. Verwacklungsfreie Bilder möchte jeder haben, tatsächlich ist dies aber nur mit aufwendiger Technologie möglich. Bei echten „verwacklungsfreien“ Objektiven aus der Spiegelreflexfotografie sind die Linsen beweglich aufgebaut und hängen quasi in einer dämpfenden Federung. Damit reagieren sie weniger stark auf Erschütterungen oder kleine Bewegungen während längerer Verschlusszeiten.
Neuester Gag in der Digitalfotografie ist ein so genannter „ISO-Verwacklungsschutz“. Ein digitaler Bildstabilisator, der schnell als trickreiche Finte enttarnt ist. Eine mit dieser fragwürdigen Funktion ausgestattete Digicam macht sonst nichts, außer die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors, eben den ISO-Wert, zu erhöhen.
Klar: Wenn der Sensor mehr Licht aufnimmt, wird auch die Verschlusszeit kürzer und Bewegungen können der Schärfe nichts mehr anhaben. Bloß: Ein Erhöhen der Lichtempfindlichkeit vermiest die Qualität des Bildes, lässt es rauschen. Und zwar ordentlich! Aus freundlich lachenden Gesichter wird schnell ein grober Matsch aus Kästchen und Farbflecken.
Kapitel 3: In 0,4 Sekunden gibt’s unscharfe Bilder
Mit (zu) langer Auslöseverzögerung haben Digicams schon seit ihrer Entstehung zu kämpfen. Während in der analogen Fotografie der Druck auf den Auslöser unmittelbar zu einem Ergebnis führt, läuft der Auslösebefehl in einer Digicam zunächst noch durch Schaltkreise, Lötstellen und so weiter. Hinzu kommt bei beiden noch der Bruchteil einer Sekunde, in der der Autofokus scharf stellt.
Und genau dieser Moment ist es, der dem Kunden beim Digicam-Kauf oft verschwiegen wird. Erst eine Angabe mit einberechnetem Autofokus fördert die wahre Auslöseverzögerung einer Digicam zu Tage. Vor der scheuen sich aber viele windige Anbieter, deren Produkte sich dann augenscheinlich als lahme Enten entpuppen würden. Also schreiben sie nur den Rohwert hin, der für sich alleine genommen meist gut da steht.
Also, hier ein bombenfester Richtwert: Eine gute Digitalkamera knipst ein Foto in weniger als 0,4 bis 0,3 Sekunden – mit Autofokus-Zeit. Alles was darunter liegt, umso besser! Alles was darüber liegt, bedeutet eine Menge enttäuschter Gesichter. Wer will schon, dass der Fußballer aus dem Motiv läuft, wenn man gerade auf ihn draufhält und die langsame Digicam den Schnappschuss des Jahrhunderts vermiest!
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