In Österreich-Bericht

Amnesty beklagt „Aushöhlung“ von Menschenrechten

Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft der Bundesregierung vor, Menschenrechte im vergangenen Jahr ausgehöhlt zu haben. Im Österreich-Kapitel ihres Jahresberichts für 2025/26 ortet die NGO diverse negative Entwicklungen, allen voran in der Asylpolitik und in der Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Etablierte Parteien würden weltweit Politik und Rhetorik autoritärer Bewegungen übernehmen, Österreich sei ein „Lehrstück“ dieser Entwicklung, heißt es in einer Presseaussendung zum Bericht. „Die Abschiebepolitik der Bundesregierung zeugt von einer Abkehr von menschenrechtlichen Prinzipien“, begründet Geschäftsführerin Shoura Hashemi die negative Bewertung Österreichs. Schließlich wurde im Juli des Vorjahres erstmals ein Mann nach Syrien abgeschoben, er galt daraufhin als verschwunden. Im Oktober fand dann die erste Abschiebung nach Afghanistan seit der Machtergreifung der Taliban statt – „in Kooperation mit einer De-facto-Regierung, die von Österreich selbst nicht anerkannt wird“, so Hashemi weiter.

Kritisiert werden auch Abschiebeflüge nach Syrien und Afghanistan bzw. die Kooperation mit dem ...
Kritisiert werden auch Abschiebeflüge nach Syrien und Afghanistan bzw. die Kooperation mit dem Taliban-Regime.(Bild: APA/dpa/Julian Stratenschulte)

„Pauschalverbot“ bei Palästinenser-Demos
Auch die Meinungs- und Versammlungsfreiheit seien bedroht. Amnesty bezieht sich dabei auf die Messengerdienst-Überwachung sowie Videoüberwachung in Innenstädten zwecks der Verkehrsberuhigung. Aber auch der Umgang mit pro-palästinensischen Kundgebungen wird kritisiert. 

Die stark umstrittene Parole „From the river to the sea, Palestine will be free“. Die Polizei habe Geldstrafen wegen deren Verwendung verhängt, was einem Pauschalverbot des Slogans gleichkomme und gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung verstoße, heißt es im Bericht. Der Slogan geht auf die 1960er-Jahre zurück und soll ausdrücken, dass die vollständige Befreiung Palästinas angestrebt wird, auch auf dem Gebiet Israels.

Organisationen und Personen, die Solidarität mit Palästinensern und Palästinenserinnen äußern sowie Israels Verstöße gegen das Völkerrecht im Gaza-Krieg kritisieren, würden Gefahr laufen, als antisemitisch gebrandmarkt zu werden. Die Organisation wirft Israel Genozid vor und musste dafür in der Vergangenheit Kritik einstecken. So hatte ihr etwa der frühere Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) vorgeworfen, gegen Israel mobilisiert zu haben, und im Zusammenhang damit Spendentransparenz bei auch politisch tätigen NGOs gefordert.

Hoch bleibt auch die Anzahl der antisemitischen Hassverbrechen.
Hoch bleibt auch die Anzahl der antisemitischen Hassverbrechen.(Bild: APA/AP)

Hoch bleibt laut dem Jahresbericht die Anzahl der antisemitischen sowie antimuslimischen Hassverbrechen, zudem verwies AI auf die im März 2025 bekannt gewordene Welle an vorurteilsmotivierten Straftaten gegen LGBTQIA-Personen.

Defizite gebe es beim Schutz von Frauen und Mädchen, schließlich seien 2025 15 Femizide dokumentiert worden, 2026 bereits sechs weitere. Dabei handle es sich um „ein eindeutiges, anhaltendes Muster struktureller Gewalt“, konstatiert Amnesty. Ein strukturelles Problem habe Österreich zudem mit Armut. 2024 waren laut dem Bericht 16,9 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, die Lebenserhaltungskosten gehörten zu den höchsten in der EU. Gleichzeitig plane die Regierung „Reformen der Sozialhilfe, die die Situation für armutsbetroffene Menschen weiter verschlechtern würden“.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt