„Äußerst verärgert“

Sogar Trump zu wild: US-Botschafterin angezählt

Außenpolitik
12.10.2026 15:16
Porträt von krone.at
Von krone.at

Eine enge Vertraute von Donald Trump könnte bald ihren wichtigen Posten verlieren. Kimberly Guilfoyle, US-Botschafterin in Griechenland und einst mit Trumps Sohn Donald Jr. verlobt, steht wegen einer Reihe schwerer Vorwürfe unter Druck. Nun soll selbst der US-Präsident zunehmend verärgert sein – und gemeinsam mit Außenminister Marco Rubio über Konsequenzen nachdenken.

Ein hochrangiger Regierungsvertreter sagte laut der Nachrichtenagentur Associated Press, Trump und Rubio seien über die Berichte „äußerst verärgert“. Eine Entscheidung über mögliche Maßnahmen werde voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche fallen. Im Raum steht demnach die Abberufung der 57-jährigen Diplomatin.

100.000 Dollar für politischen Zugang?
Besonders brisant sind Vorwürfe, wonach Guilfoyle ihre Stellung für persönliche oder geschäftliche Interessen eingesetzt haben soll. Das „Wall Street Journal“ berichtete unter anderem, sie habe einen Trump-Großspender gebeten, eine offene Kreditkartenrechnung in Höhe von 100.000 US-Dollar (rund 86.000 Euro) zu begleichen. Im Gegenzug soll sie ihm Zugang zu hochrangigen Vertretern der US-Regierung in Aussicht gestellt haben.

Kimberly Guilfoyle war mit Donald Trump Jr. verlobt und galt als enge Vertraute der ...
Kimberly Guilfoyle war mit Donald Trump Jr. verlobt und galt als enge Vertraute der Trump-Familie. Nun steht ihre Zukunft als US-Botschafterin in Griechenland infrage.(Bild: AFP/JIM WATSON)

Die angebliche Forderung soll kurz vor ihrer Anhörung im US-Senat erfolgt sein, bei der ihre Ernennung zur Botschafterin bestätigt wurde. Als Grundlage für seinen Bericht führte das „Wall Street Journal“ Textnachrichten an.

Guilfoyle hat sich zu den einzelnen Berichten bislang nicht direkt öffentlich geäußert. Ihr Anwalt erklärte allerdings, sie habe nichts falsch gemacht. Zudem bestreite sie die Echtheit der Nachrichten. Guilfoyle seien noch Zahlungen für Reisen und Auftritte vor ihrer Nominierung zugestanden, argumentierte ihr Anwalt.

Auch Vorwürfe in Athen
Die Berichte beschränken sich nicht auf die mutmaßliche Geldforderung. Das „Wall Street Journal“ schilderte seit Ende September weitere Vorfälle, bei denen Guilfoyle ihre diplomatische Stellung unangemessen eingesetzt haben soll. Demnach soll sie bei einem Empfang angedeutet haben, die USA könnten die griechische Regierung destabilisieren, wenn sie das wollten. 

Außerdem soll sie die Geschäftsinteressen eines griechischen Bau- und Energieunternehmens gefördert und dessen Lobbyisten Zugang zu vertraulichen diplomatischen Gesprächen ermöglicht haben. Weitere Vorwürfe betreffen unangemessene Geschenke und Dienstleistungen sowie luxuriöse Reisen nach Frankreich mit Führungskräften aus der Energiebranche. Auch das britische Boulevardmedium „Daily Mail“ berichtete, Guilfoyle habe Mitarbeiter der US-Botschaft in Athen gegen sich aufgebracht.

Rubio verliert offenbar die Geduld
Besonders unangenehm ist die Affäre für US-Außenminister Marco Rubio, der erst vergangene Woche Athen besucht hatte. Guilfoyle begleitete ihn bei den meisten, möglicherweise sogar bei sämtlichen Terminen und begrüßte ihn bei seiner Ankunft mit einer herzlichen Umarmung.

Nach dem ersten Bericht hatte Rubio die Botschafterin noch verteidigt. Am Mittwoch erklärte er: „Unsere Botschafterin leistet hier hervorragende Arbeit.“ Als weitere Vorwürfe bekannt wurden, reagierte er bei Fragen von Journalisten allerdings deutlich gereizter.

Vor seiner Abreise aus Athen kritisierte er die Berichterstattung. „Ihr geht davon aus, dass etwas, nur weil euch eine Quelle etwas erzählt hat und ihr darüber berichtet habt, die reine Wahrheit ist. Das ist sie nicht. Für mich ist es nicht die reine Wahrheit. So gehen wir nicht vor“, sagte Rubio sinngemäß. Laut einem US-Regierungsvertreter sei sein Unmut mit jedem weiteren Bericht gewachsen.

Untersuchung könnte folgen
Unterdessen beschäftigt sich offenbar auch die Kontrollinstanz des US-Außenministeriums mit den Vorwürfen. Ein weiterer Regierungsvertreter bestätigte laut dem „Guardian“, dass der Generalinspektor des Ministeriums die Anschuldigungen prüfe. Ob bereits eine formelle Untersuchung eingeleitet wurde, blieb jedoch unklar.

Eine solche Vorprüfung muss nicht zwingend in ein offizielles Ermittlungsverfahren münden. Sollte es dazu kommen, wären disziplinarische Konsequenzen bis hin zur Entlassung möglich. Das Außenministerium wollte sich zu einer möglichen Untersuchung nicht äußern.

Donald Trump soll über Konsequenzen für US-Botschafterin Kimberly Guilfoyle beraten. Eine ...
Donald Trump soll über Konsequenzen für US-Botschafterin Kimberly Guilfoyle beraten. Eine Abberufung ist bislang nicht offiziell bestätigt.(Bild: AFP/BRENDAN SMIALOWSKI)

Auch führende Demokraten im US-Kongress verlangen Aufklärung. Dazu zählen Gregory Meeks, der ranghöchste Demokrat im außenpolitischen Ausschuss des Repräsentantenhauses, Senatorin Jeanne Shaheen sowie Robert Garcia aus dem Ausschuss für Regierungsaufsicht.

Guilfoyle war früher Moderatorin beim Fernsehsender Fox News und Staatsanwältin in Kalifornien. Ihre frühere Verlobung mit Donald Trump Jr. machte sie zu einer bekannten Persönlichkeit im Umfeld der Trump-Familie. Ob sie ihren Botschafterposten behalten kann, dürfte sich nach den jüngsten Berichten in den kommenden Tagen entscheiden.

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