Erfolg hat einen Haken

180.000 Riesenschildkröten auf Insel entdeckt

Ausland
10.10.2026 17:19
Porträt von krone.at
Von krone.at

Auf einer abgelegenen Insel im Indischen Ozean leben mehr Riesenschildkröten als Menschen auf den gesamten Seychellen. Eine neue Untersuchung kommt auf rund 180.000 Tiere - und zeigt, wie erfolgreich jahrzehntelanger Naturschutz sein kann. Doch trotz dieser Erfolgsgeschichte drohen den gepanzerten Riesen neue Gefahren.

Auf dem Aldabra-Atoll, das zu den Seychellen gehört, wurde die weltweit größte freilebende Population von Riesenschildkröten gezählt. Die Tiere, die zur Art der Aldabra-Riesenschildkröten gehören, waren einst stark gefährdet. Im 19. Jahrhundert lebten auf dem Atoll zeitweise weniger als 1000 Exemplare.

Zählung dauerte fünf Jahre
Eine aktuelle Bestandsaufnahme unter Leitung der Seychelles Islands Foundation und der Universität Exeter schätzt die Population nun auf rund 180.000 Tiere. Die Forscher werteten dafür Zählungen aus fünf Jahren aus. Die Ergebnisse zeigen, dass der Bestand zwischen 2018 und 2021 weitgehend stabil war. Die beste Schätzung für ausgewachsene und noch nicht vollständig ausgewachsene Tiere lag bei rund 183.000 Exemplaren.

Wie der britische „Guardian“ berichtet, handelt es sich um den bislang höchsten ermittelten Bestand dieser Art. Die bisher häufig zitierte Schätzung aus dem Jahr 1999 war noch von rund 100.000 Tieren ausgegangen. Allerdings sind solche Zahlen nur bedingt vergleichbar, weil frühere Untersuchungen nicht ausreichend berücksichtigten, wie viele Schildkröten bei den Zählungen übersehen wurden.

Vom bedrohten Tier zum Naturschutzerfolg
Die positive Entwicklung ist vor allem auf jahrzehntelange Schutzmaßnahmen zurückzuführen. Das Aldabra-Atoll wurde 1981 zum streng geschützten Naturschutzgebiet erklärt und 1982 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

„Mehr als 180.000 frei auf unserem Atoll lebende Riesenschildkröten sind ein Beweis dafür, was langfristiges Engagement für den Naturschutz erreichen kann“, erklärte Frauke Fleischer-Dogley, Geschäftsführerin der Seychelles Islands Foundation. Das sei eine wunderbare Nachricht für die Seychellen, die Welt und alle, die sich für den Schutz Aldabras eingesetzt hätten.

Hier fühlen sich die sanften Riesen besonders wohl
Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift „Ecology and Evolution“ veröffentlicht. Die Wissenschaftler verwendeten ein statistisches Verfahren, das auch berücksichtigt, dass Schildkröten je nach Lebensraum unterschiedlich gut zu entdecken sind. Denn die dichte Vegetation des Atolls erschwert die Zählung erheblich.

Die Resultate deuten darauf hin, dass besonders viele Tiere in Graslandschaften leben. Auch auf offenen Flächen und in lichten Buschgebieten wurden vergleichsweise hohe Bestandsdichten festgestellt. Bei manchen Lebensräumen ist die Datenlage allerdings weniger zuverlässig, weshalb die Forscher diese Unterschiede mit Vorsicht interpretieren.

Klimawandel setzt den Tieren zu
Trotz des großen Erfolgs ist die Zukunft der Riesenschildkröten nicht gesichert. Längere und häufigere Dürreperioden könnten dazu führen, dass den Tieren weniger Nahrung und Schatten zur Verfügung stehen. Zusätzlich bedroht der steigende Meeresspiegel die tiefer gelegenen Bereiche des Atolls.

Auch eingeschleppte Tierarten stellen eine Gefahr dar. Verwilderte Katzen und Ratten fressen Eier und Jungtiere der Riesenschildkröten und können dadurch den Nachwuchs gefährden. Die Forscher sprechen sich deshalb dafür aus, diese eingeschleppten Säugetiere vollständig zu beseitigen.

Wissenschaftler mit besonderem Augenmerk auf Jungtiere
Die Autoren der Studie betonen, dass der bislang stabile Bestand nicht bedeutet, dass keine weiteren Schutzmaßnahmen notwendig wären. Vielmehr soll die neue Schätzung als verlässlicher Ausgangspunkt dienen, um künftige Veränderungen besser erkennen zu können.

Die Wissenschaftler empfehlen, die Bestandskontrollen fortzusetzen und ausreichend große Flächen zu untersuchen. Besonders wichtig sei es, auch das Überleben von Jungtieren genauer zu beobachten. Da Riesenschildkröten sehr langsam wachsen und spät geschlechtsreif werden, könnten sich Veränderungen im Bestand erst mit erheblicher Verzögerung zeigen.

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