Demo auch in Innsbruck

Kopftuchverbot: „Es soll spalten, nicht schützen“

Tirol
09.10.2026 14:24

Das Kopftuchverbot wollen viele Schülerinnen und Schüler nicht einfach so hinnehmen. Bundesweit gingen am Freitag Gegner auf die Straße, um gegen das Verbot zu protestieren. Auch in Tirol haben sich Jugendliche unter dem Motto „Schulstreik“ versammelt – am Landhausplatz in Innsbruck.

Es sei ein einziger Vorwand – das Kopftuchverbot habe nichts mit dem Schutz von Minderjährigen zu tun. Eine Kritik, die die „Tiroler Krone“ von zahlreichen Schülerinnen und Schülern am Landhausplatz in Innsbruck gehört hat. Ab 11 Uhr vormittags protestierten die Jugendlichen lautstark und selbstbewusst gegen das Verbot. 

Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich angemeldet.
Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich angemeldet.(Bild: Christof Birbaumer)

Kopftuchverbot soll spalten nicht schützen
Und dabei hatte sich die Bildungsdirektion Tirol bei der Einführung des Verbots keine großen Schwierigkeiten erwartet: „Ich rechne nicht mit großen Schwierigkeiten“, sagte Bildungsdirektorin Bettina Ellinger damals. Doch bei den Schülerinnen und Schüler stößt das Kopftuchverbot auf deutlichen Widerstand. Sie bezweifeln vor allem, dass es tatsächlich dem Schutz muslimischer Mädchen unter 14 Jahren dient.

Zitat Icon

Die anderen Parteien würden darin eine Konkurrenz und deshalb ebenfalls verstärkt auf antimuslimische Rhetorik setzen.

Vincent Martinek, Mitorganisator und Schüler

„Ich glaube, das Kopftuchverbot soll spalten und ist auf keinen Fall ein Schutz für muslimische Mädchen. Wenn man jemandem verbietet, etwas zu tragen, ist es kein Akt der Selbstbestimmung“, sagt der Mitorganisator und Schüler Vincent Martinek. Er beobachte einen zunehmenden Rechtsruck und wachsenden Zuspruch für die FPÖ: „Die anderen Parteien würden darin eine Konkurrenz und deshalb ebenfalls verstärkt auf antimuslimische Rhetorik setzen“, kritisiert Martinek. 

„Sie werden gezwungen, es zu tragen und es abzunehmen!“
Unter den Demonstrierenden waren Menschen unterschiedlichen Alters und sie brachten verschiedene Perspektiven mit. Eine 16-jährige Schülerin erzählte, dass sie selbst mit 14 begonnen habe, freiwillig ein Kopftuch zu tragen. Damit bringe sie ihren Glauben zum Ausdruck. „Einerseits werden sie gezwungen, das Kopftuch zu tragen und andererseits es abzunehmen. Es kann also keine Lösung sein für Mädchen, die das Kopftuch freiwillig tragen.“

Bei den Schülerinnen und Schüler stößt das Kopftuchverbot auf deutlichen Widerstand.
Bei den Schülerinnen und Schüler stößt das Kopftuchverbot auf deutlichen Widerstand.(Bild: Christof Birbaumer)

Gleichzeitig betonte ihre Mitschülerin Taibah Alsahlbi (17), dass sie auch die andere Seite der Debatte sehe: „Ich verstehe, dass viele Frauen durch das Tragen des Kopftuchs unterdrückt werden. Aber es gibt auch Eltern, die sagen: Wenn du kein Kopftuch tragen darfst, darfst du nicht in die Schule gehen.“

Eltern können Fernbleiben nicht entschuldigen
Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich zur Demo angemeldet. Die Bildungsdirektion Tirol hatte die Schulen bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass die Teilnahme an der Demonstration während der Unterrichtszeit als ungerechtfertigtes Fernbleiben gilt. Auch eine Entschuldigung der Eltern reicht dafür nicht aus.

Unterdessen wurden in Tirol bisher fünf Fälle von Verstößen gegen das seit September geltende Kopftuchverbot an die Bildungsdirektion weitergeleitet. In vier Fällen fanden bereits Gespräche mit den Erziehungsberechtigten und den betroffenen Schülerinnen statt. Die Verfahren sind noch in Bearbeitung, Anzeigen bei den zuständigen Bezirksverwaltungsbehörden sollen folgen. 

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Hinweis in eigener Sache: Schon bald erwartet Sie auf krone.at ein rundum erneuerter Forenbereich mit vielen neuen Features! Mehr Informationen finden Sie hier.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Tirol

krone.tv

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung