Es ist das wirtschaftliche Top-Thema in Niederösterreich! Empörung herrscht über den Umgang mit 500 Marchfeld-Bauern rund um die von Managern geplante Schließung des Ardo-Tiefkühlwerks. Jetzt wächst der Druck auf den Konzern. Und auch Greenpeace meldet sich zu Wort.
„Eiskalt“ – mit diesem Wort beschreibt Greenpeace-Chef Alexander Egit den Umgang des belgischen Ardo-Konzerns mit den heimischen Bauern. Rund 500 Marchfelder Landwirte stehen nach dem angekündigten Aus des Werks in Groß-Enzersdorf vor einer ungewissen Zukunft. Für Egit ist der Fall ein Musterbeispiel dafür, wie globale Agrarkonzerne mit heimischen Produzenten umgehen.
„Wir warnen von Anfang an davor, wie global agierende, millionenschwere Agrarkonzerne mit Landwirten umgehen“, kritisiert Egit. Freihandelsabkommen und internationale Lieferketten würden zeigen, dass letztlich die Gewinnmaximierung zähle – mit Folgen für Bauern und Konsumenten.
„Das werden wir uns nicht gefallen lassen“
Besonders hart geht der zuständige Landesrat Stephan Pernkopf mit Ardo ins Gericht. Gemeinsam mit Agrarminister Norbert Totschnig und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner stellt er sich hinter die betroffenen Landwirte.
„Unseren so hart und ehrlich arbeitenden Bauern das Werkzeug aus der Hand zu nehmen und gleichzeitig heimisches Gemüse vom Teller zu wischen – das werden wir uns nicht gefallen lassen!“, stellt Pernkopf klar.
Freihandelsabkommen und internationale Lieferketten führen dazu, dass am Ende nur die Gewinnmaximierung zählt!

Alexander Egit, Greenpeace
Bild: Martin A. Jöchl
Denn mit der Schließung droht nicht nur der Verlust eines wichtigen Verarbeiters. Auch die heimische Wertschöpfungskette vom Feld bis ins Tiefkühlregal bekommt einen Riss. Ardo selbst hält trotz Gesprächen über Unterstützung an seinem Schließungsplan fest.
„Nur ein fairer Preis sichert das Morgen“
Auch aus der Markenartikelindustrie kommt nun deutliche Kritik am Preisdruck. Günter Thumser, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands der Markenartikelindustrie, warnt davor, dass „billig, billig“ zum alleinigen Maßstab im Lebensmittelgeschäft wird.
„Nur ein fairer Preis sichert das Morgen“, betont Thumser. Heimische Qualität brauche eine wirtschaftliche Grundlage. Andernfalls drohe Österreich eine immer größere Abhängigkeit von Importen.
Besonders kritisch sieht Thumser die enorme Konzentration im Lebensmittelhandel: Vier Handelskonzerne decken laut ihm mehr als 90 Prozent des täglichen Haushaltsbedarfs ab. Der Wunsch nach dem jeweils günstigsten Einkaufspreis dürfe nicht dazu führen, dass heimische Produzenten und Verarbeiter aus dem Markt gedrängt werden.
Dorner: „Standort wird ausgehöhlt“
FPÖ-Wirtschaftssprecher Dieter Dorner nimmt unterdessen die Bundesregierung ins Visier. Seit bald 40 Jahren stelle die ÖVP den Wirtschaftsminister, dennoch seien Abgaben, Belastungen und Bürokratie für Unternehmen „so hoch und erdrückend wie noch nie zuvor“.
Agrarkonzerne, heimische Bauern
Damit prallen beim Ardo-Aus mehrere Fronten aufeinander: Greenpeace kritisiert die Macht globaler Agrarkonzerne, Pernkopf kämpft um die heimischen Bauern, Thumser warnt vor dem Preisdruck des Handels und Dorner attackiert die Standortpolitik.
Für die Marchfeld-Bauern bleibt die Lage trotzdem glasklar: Wenn das Werk fällt, braucht es einen Plan, damit nicht auch das heimische Gemüse aus den Regalen verschwindet.
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