Trotz Rettungsversuchen der heimischen Politik will der belgische Konzern Ardo sein Werk für Tiefkühlgemüse in Niederösterreich nächstes Jahr schließen. Damit ist nicht nur die Existenz Hunderter Gemüsebauern bedroht, sondern auch ein Stück österreichische Tradition.
Das Werk in Groß-Enzersdorf produziert etwa für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar. Ende September hatte die belgische Ardo-Gruppe angekündigt, den Standort im August 2027 zuzusperren. Von der Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan ausgearbeitet wird. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Nötige Investitionen von mehr als 100 Mio. Euro für die Modernisierung seien für einen „relativ kleinen heimischen Markt“ zu hoch, wurden die Pläne begründet.
Tiefkühlriese zeigt kalte Schulter
Angebote der heimischen Politik, das Werk zu retten, stießen bei Ardo auf taube Ohren. Die strukturellen und wirtschaftlichen Herausforderungen könnten durch die unterbreiteten Unterstützungsangebote „nicht behoben werden“, hieß es in einer Aussendung von Ardo Austria Frost. Die Politik, etwa Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (beide ÖVP), zeigte sich verwundert über die Vorgehensweise. Robert Kriegl, Obmann der betroffenen Bauern, sprach gar von einer „Kriegserklärung“.
Lorenz Mayr, Vizepräsident der niederösterreichischen Landwirtschaftskammer, warnt vor einer existenziellen Bedrohung für die 500 Mitgliedsbetriebe der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), die für Ardo produziert. „Wenn dieses Werk schließt, heißt es das Aus für 500 bäuerliche Familien“, sagte er im Ö1-„Morgenjournal“ am Donnerstag. Damit nicht genug, drohe damit, der größte Teil der österreichischen Tiefkühlgemüseproduktion wegzufallen. Dadurch stelle sich auch eine strategische Frage der Versorgungssicherheit, so Mayr.
Es gibt die traurige Wahrscheinlichkeit, dass der Gründonnerstag nächstes Jahr der letzte mit österreichischem Spinat sein wird.
Lorenz Mayr, Vizepräsident der nö. Landwirtschaftskammer
Zwar werde geprüft, ob Gemüse in einem kleineren Werk weiter produziert werden könne, in Österreich gebe es aber kein anderes Tiefkühlwerk, das technisch imstande sei, Blattspinat zu verarbeiten. „Somit haben wir die traurige Wahrscheinlichkeit, dass der Gründonnerstag nächstes Jahr der letzte mit österreichischem Spinat sein wird. Und danach ist wirklich ein schwarzer Freitag“, so die düstere Prognose des Landwirtschaftskammer-Vizes im ORF-Radio.
Dem Ardo-Konzern gehe es um „österreichisches Gemüse raus, belgisches Gemüse rein“, mahnte Mayr. Er warnte vor einem Qualitätsverlust: „Ist die erste Erbse aus Belgien, wird auch das AMA-Gütesiegel verschwinden“.
Niederösterreichischer Betrieb übernimmt Produkte
Das komplette Aus für Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld dürfte die Werksschließung aber nicht bedeuten. So übernimmt der Spar-Partner Schneider‘s Gemüseland aus Groß-Enzersdorf ab Sommer 2027 einen weiteren Teil der bisher bei Ardo erzeugten Marchfelder Tiefkühlgemüseprodukte. Der niederösterreichische Betrieb investierte laut einer Aussendung in neue Tiefkühl-Abfüllanlagen und ein vollautomatisiertes Tiefkühllager, wodurch die Lager- und Verarbeitungskapazitäten erweitert wurden.
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