Überraschende Aussage

Pelicot will Ex-Mann „irgendwann treffen“

Ausland
08.10.2026 08:07
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Französin Gisèle Pelicot hat am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse mit ihren Aussagen für Überraschung gesorgt. So sagte sie etwa, ihren Ex-Mann und Peiniger „unbedingt irgendwann“ treffen zu wollen, auch wenn sie „vielleicht keine Erklärungen oder Antworten bekommen“ werde.

Aber das gehöre zu ihrem Weg. Sie habe ihren Ex-Mann seit Jahren nicht mehr alleine gesprochen, sagte die 73-Jährige. Gisèle Pelicot war von ihrem damaligen Ehemann mehr als zehn Jahre lang immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden. 2024 wurde Dominique Pelicot zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. 50 zumeist wegen schwerer Vergewaltigung mitangeklagte Männer verurteilte das Gericht zu Haftstrafen zwischen drei und 15 Jahren.

Das Missbrauchsopfer Gisèle Pelicot hat angekündigt, ihren Ex-Mann und Peiniger „irgendwann“ ...
Das Missbrauchsopfer Gisèle Pelicot hat angekündigt, ihren Ex-Mann und Peiniger „irgendwann“ wieder treffen zu wollen.(Bild: EPA/CHRISTOPH RUTENKOLK)

Zehn Jahre sei sie nahezu bewusstlos gewesen, sagte Gisèle Pelicot jetzt. „Ich habe wie in Vollnarkose gelebt über viele Stunden, und ich musste mir dieses Leben zurückerobern.“ Sie könne heute wieder vertrauen und habe „einen wunderbaren Mann kennengelernt“, auch wenn sie nicht gedacht hätte, dass sie sich in ihrem Alter noch einmal verlieben könne. „Man muss sich wirklich auch selbst das Recht verordnen, dass man lieben darf, denn das ist das Schönste im Leben. Ich bin aber auch auf der Hut“, setzte sie auf der Frankfurter Buchmesse nach.

„Anwälte warnten mich“
Im Februar waren ihre Memoiren „Eine Hymne an das Leben“ erschienen. Pelicot war unter anderem durch ihr entschiedenes Auftreten und ihre Entscheidung, den Prozess nicht hinter verschlossenen Türen zu führen, in Frankreich zum feministischen Vorbild geworden. „Ich habe mir gesagt, wenn ich eingeschlossen bin mit diesen 50 Vergewaltigern im Gerichtssaal, dann werde ich mich schämen und sie nicht. Und ich möchte unterstreichen, dass nicht das Opfer sich schämen soll.“ Die Anwälte hätten sie gewarnt, dass es sehr schwierig werde. „Und ich habe ihnen gesagt, es ist egal, ich werde das durchstehen bis zum Schluss“, sagte Pelicot.

Sie denke, dass wir immer noch in einer „Macho-Gesellschaft“ leben würden, sagte sie mit Blick auf den bekannt gewordenen Missbrauchsfall an der US-Elite-Universität Cornell. Es sei wichtig, dass Frauen mehr Macht übernähmen und weniger Angst hätten. Buben müsse in der Erziehung gezeigt werden, „eine Freundin ist kein Objekt, ihre Freundin ist kein Objekt“. Sie müssten die Frau respektieren.

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