Die Stadt Innsbruck betreibt acht Radarkästen im Stadtgebiet. Sie verfügt aber nur über ein Messgerät, das sie wechselweise in einem der Geräte betreiben kann. Jetzt soll die Zahl der Standorte auf 18 erhöht werden. Wer geglaubt hat, in Zeiten der Digitalisierung sind nun überall Messgeräte im Einsatz, sieht sich getäuscht.
Neidvoll dürften Innsbrucks Stadt-Obere nach Kundl geblickt haben, als öffentlich wurde, welch modernen Radargeräte dort zum Einsatz kommen. St. Johann, Bad Häring und Wattens werden, wie berichtet, folgen. Die Geräte, die dort aufgestellt werden, sind schlank, unauffällig und können in beide Richtungen „blitzen“.
Technische Lebensdauer abgelaufen
Im Vergleich dazu muten Innsbrucks Radar-Kisten geradezu vorsintflutlich an. Sie sehen aber nicht nur so aus, sondern sind die meiste Zeit überhaupt nicht in der Lage, irgendeinen Temposünder zu erwischen. Das hängt mit der simplen Tatsache zusammen, dass von acht Geräten sieben leer (!) sind.
Mit anderen Worten: Die Stadt hat derzeit genau ein Messgerät, das sie in einem der acht Standorte zum Einsatz bringen kann. Und der Höhepunkt dabei ist: Das wird sich auch nach einer 450.000-Euro-Investition nicht wesentlich verbessert haben!
Die Messsysteme müssen wechselweise in allen montierten Messkabinen einsetzbar und zwischen den einzelnen Messkabinen versetzbar sein.
Aus der Ausschreibung
Nicht für die Öffentlichkeit bestimmt
Am Donnerstag debattiert der Innsbrucker Gemeinderat dieses Thema. Allerdings in einer nicht-öffentlichen Sitzung. Nicht-öffentlich deshalb, weil sonst wohl auffliegen könnte, dass Innsbrucks Radaranlage größtenteils aus Abschreckung besteht. Dabei sind alle Details längst im Internet abrufbar.
„Gegenstand der Ausschreibung ist die Lieferung, Montage, Inbetriebnahme und betriebsbereite Übergabe eines stationären Geschwindigkeitsüberwachungssystems für die Stadt Innsbruck“, heißt es da. „Der Leistungsumfang umfasst die Lieferung und Montage von stationären Messkabinen für 18 Messstandorte sowie die Lieferung von zwei geeichten Geschwindigkeitsmesssystemen auf Basis einer Radar-, Laser- oder gleichwertigen Messtechnologie. Die Messsysteme müssen wechselweise in allen montierten Messkabinen einsetzbar und zwischen den einzelnen Messkabinen versetzbar sein.“
Halbe Million für zwei aktive Messstellen
Das bedeutet im Klartext: Derzeit hat die Stadt ein Messgerät im Einsatz, das wechselweise in acht Radarkästen zum Einsatz kommt. Nach Installation der neuen, 450.000 Euro teuren Anlage ab 2027 stehen 18 Standorte und zwei Messgeräte zur Verfügung, die aber immerhin in beide Fahrtrichtungen messen können.
80 Prozent der Strafgelder auf Gemeindestraßen fließen an die Stadt, 20 Prozent ans Land, auf Landesstraßen schaut die Gemeinde durch die Finger. Für die Verkehrssicherheit ist aber nicht nur das Netz an Fake-Radarkästen zuständig. Die Polizei setzt auf ein flexibles und mobiles Überwachungskonzept.
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