Behörde prangert an

Fernwärme-Verträge „völlig unüberblickbar“

Wien
06.10.2026 16:00

Eine riesige Prüfung des österreichischen Fernwärme-Sektors durch die staatlichen Wettbewerbshüter ergibt: keine Bereicherung auf Kosten von Fernwärme-Kunden, aber trotzdem für Energieunternehmen im ganzen Land für Kunden preislich viel Luft nach oben.

Seit 2024 haben die „Unbestechlichen“ von Natalie Harsdorfs Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) den heimischen Fernwärme-Markt durchleuchtet. Nun steht fest: Keines der 37 untersuchten Unternehmen hat sich in der Energiekrise durch überhöhte Preise gesundgestoßen, vom kleinen regionalen Anbieter bis hin zu Wien Energie. Das heißt aber nicht, dass bei den Fernwärme-Anbietern alles zum Besten steht – ganz im Gegenteil.

Kunden sollen nicht „im Kreis geschickt“ werden
Harsche Kritik übt Harsdorf an den Verträgen und dem Kundendienst allgemein. Man habe „zwei Jahre gebraucht, um da durchzusteigen. Für Konsumenten ist das schlichtweg unmöglich. Die Verträge sind völlig unüberblickbar.“ Kunden wüssten nicht, wofür sie wieviel bezahlen. Ebenso brauche es mehr Transparenz zu Preisbescheiden, Ausbaukosten, wie die Unternehmen ihre Preissteigerungen argumentieren, und mehr.

Zitat Icon

Fernwärme wird immer ein natürliches Monopol bleiben. Gerade deshalb sollten Anbieter durch Qualität überzeugen und nicht durch Anschlusszwang.

Natalie Harsdorf, Leiterin  Bundeswettbewerbsbehörde (BWB)

Dazu kommt ein Ringelspiel an Verantwortlichkeiten zwischen Energie-Anbietern, Hausverwaltungen, Ablesediensten und mehr: „Der Kunde fühlt sich im Kreis geschickt.“ Es brauche bindende Standards für Kundendienst und eine zentrale Schlichtungsstelle. Ob das die E-Control sein solle, müsse die Politik diskutieren, aber „bei Gas und Strom funktioniert es sehr gut“, winkt Harsdorf mit dem Zaunpfahl.

Fehlenden Wettbewerb zahlen letztlich Verbraucher
Dass der Trend mit dem Argument des Klimaschutzes in Richtung Fernwärme-Anschlusszwang geht, ist Harsdorf ein Dorn im Auge: Die Unternehmen sollten lieber durch Qualität überzeugen, findet sie. Denn da haben sie laut Harsdorf noch genug Möglichkeiten. Das würde Fernwärme auch für Kunden billiger machen.

Fehlender Wettbewerb sorgt laut BWB etwa dafür, dass Fernwärme-Anbieter externe Einspeiser – Stichwort Industrie-Abwärme – links liegen lassen und bei Vertragspartnern, von technischen Zulieferern bis zu Ablesediensten, auch nicht das Optimum herausholen. Das könne bei Preisen für Endverbraucher viel ändern, ist Harsdorf sicher.

Unternehmen namentlich nennen darf die BWB nur, wenn sie gegen Gesetze verstoßen haben, wie etwa bei der letzten Untersuchung von Essenslieferanten-Plattformen. Das war bei dieser Prüfung nicht der Fall. Dass aber Fernwärme umso billiger sein müsste, je städtischer das Umfeld ist, wird nicht verneint. Wien beispielsweise liegt bei der Fernwärme preislich im österreichischen Mittelfeld.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Top Gutscheine
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung