Russlands Machthaber Wladimir Putin hat kürzlich gesagt, dass die russischen Streitkräfte im September mehr als 1300 Quadratkilometer erobert hätten. Eine aktuelle Analyse des US-Thinktanks ISW kommt allerdings zu einem anderen Schluss: Demnach haben die russischen Truppen rund 81 Quadratkilometer Gelände verloren.
Geländegewinne verzeichneten die russischen Streitkräfte laut diesen Angaben etwa zwischen Juni und August. Auch in diesen Monaten lagen die Zahlen aber unter den genannten 1300 Quadratkilometern. Im August eroberte das russische Militär demnach noch 90,25 Quadratkilometer. Das Institute for the Study of War teilte mit, dass die Frontlinie an vielen Abschnitten seit mehreren Monaten weitgehend unverändert sei. Das deckt sich auch mit anderen Angaben, etwa von Nachrichtenagenturen.
Das ISW verglich Putins jüngste Aussagen mit „Halluzinationen“. Allerdings hielt das Institut auf der Plattform X fest, dass es nicht beurteilen könne, ob Putin wisse, dass die von ihm präsentierten Zahlen falsch seien. So sei es etwa denkbar, dass er diese von der Militärführung übernommen habe. Die „Kultur des Lügens“ sei dort tief verwurzelt.
Hier sehen Sie die Einschätzung auf der Plattform X:
Wie berichtet, kündigte Putin vor wenigen Tagen auch die komplette Eroberung des Gebiets Donbass in höchstens 1,5 Jahren an. Auch das wird angesichts der festgefahrenen Frontlinien für unwahrscheinlich gehalten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte vor wenigen Tagen ebenfalls, dass die russischen Schlachtfeldgewinne im Osten des Landes nachgelassen hätten. Er konzentriere sich nun auf massive Schläge gegen das Nachbarland.
Soll die Ukraine zur Kapitulation gezwungen werden?
Laut dem Thinktank plant der Kreml, im kommenden Winter wieder vor allem die zivile und kritische Infrastruktur des Kriegsgegners ins Visier zu nehmen, vor allem in größeren Städten. Putins neue Theorie des Sieges würde darauf abzielen, die Ukraine zur Kapitulation zu zwingen, heißt es in einer weiteren Analyse, die vor zwei Tagen gepostet wurde.
Am Montag sind mindestens sechs Menschen bei einem russischen Gleitbombenangriff in der ostukrainischen Stadt Charkiw ums Leben gekommen. Zudem wurden mindestens 59 weitere Personen verletzt. Bürgermeister Ihor Terechow berichtete, dass Kampfjets die Gleitbomben im sicheren eigenen Luftraum ausklinken würden. Anschließend würden sie über Dutzende Kilometer gesteuert ins Ziel fliegen.
Selenskyj hofft trotz der verstärkten Angriffe auf eine baldige Wiederaufnahme von Gesprächen über ein Kriegsende. „Ich gehe davon aus, dass es der amerikanischen Seite im Oktober gelingen wird, ein Dreiertreffen zu organisieren (...). Diese Bereitschaft muss nun auch von Russland kommen“, sagte er am Montagabendabend. Der Kreml hat offiziell mehrfach angedeutet, zu Verhandlungen bereit zu sein, was aber von vielen angezweifelt wird.
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