„Krone“-Gastkommentar

Achtung, Anleihe!

Kolumnen
05.10.2026 10:00

Staatsanleihen halte ich für eine gefährliche Anlageform. In nahezu jedem Einmaleins der Geldanlage werden Staatsanleihen als gut und sicher dargestellt. Oft wird Anlegern sogar geraten, mehr als die Hälfte ihres Vermögens in Anleihen zu stecken.

Oberflächlich sieht alles krisensicher aus. Eine Staatsanleihe ist ein verbriefter, endfälliger Kredit an einen Staat. Sie leihen ihm 1000 Euro für 10 Jahre und erhalten dafür jährlich 2,9 Prozent Zinsen. Nach 10 Jahren bekommen Sie Ihre 1000 Euro zurück.
Im Detail stecken jedoch mehrere Risiken: Zum einen ist da die Inflation, die heuer über 3 Prozent liegen wird. An Kaufkraft haben Sie damit schon mal verloren.

Richtig ungemütlich wird es, wenn Sie die täglich handelbare Anleihe vorzeitig verkaufen müssen. Nehmen wir an, Sie haben zu Jahresbeginn eine 10-jährige deutsche Bundesanleihe gekauft, die als eine der sichersten Anlagen der Welt gilt. Jetzt benötigen Sie dringend Geld und müssen verkaufen. Ihre Anleihe ist inzwischen weniger wert, weil die Zinsen gestiegen sind. Nach 9 Monaten Anlagedauer haben Sie einen Kursverlust von rund 6 Prozent. Hätten Sie im Jänner stattdessen eine 10-jährige US-Staatsanleihe gekauft, läge Ihr Verlust – rein auf Basis des Anleihenkurses – gar bei rund 8 Prozent.

De facto ist die Sicherheit einer Staatsanleihe trügerisch. Dazu kommt das politische Risiko: Denn auch Staaten können pleitegehen. Oder bei der Rückzahlung einfach die Spielregeln ändern.

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