Zwei Einakter, von Alexander Zemlinsky und Béla Bartók, gelingen in der Staatsoper zum packenden Doppel. Asmik Grigorian glänzt in diesem schaurigen, dunklen Psychogramm einer kaputten Ehe
„Honig der hybläischen Bienen ist bitter neben diesem Trank!“ So muss es Simone der Gattin und ihrem Liebhaber vorsingen. In schwülstiger Übersetzung von Oscar Wildes Fragment „Eine florentinische Tragödie“, gefasst in die brünstig fiebrige Musik Alexander Zemlinkys.
Das Feuer zwischen Simone und Bianca ist erloschen. Doch als ein gewisser Guido Bardi als Nebenbuhler auftaucht, gerät die totgelaufene Ehe wieder in Schwung, der das Kammerspiel ins blutige Ende katapultiert. Ein Einakter, der 1917, im Jahr der Stuttgarter Uraufführung, auch für dreimal in der Wiener Hofoper gegeben wurde. Doch was damals wenig Erfolg hatte, ist auch heute kein süßer Operntrank.
Aber es dient als Prolog für Béla Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“, sein genialer einziger auch einaktiger Opernwurf. Regisseur Vasily Barkhatov trickst dafür überzeugend geschickt und punktet mit feiner Personenführung. Die in der Renaissance spielende „Florentinische Tragödie“ entspinnt er als Paartherapie im Heute. Simone, bei Wilde ein Stoffhändler, ist fashionabler Einrichter, dem Bühnenbildner Christian Schmidt ein schickes Möbelhaus gebaut hat. Der Therapeut selbst gibt den Nebenbuhler in dem von ihm initiierten Rollenspiel.
Liebesspiel neben dem erschlagenen Nebenbuhler
Die Chose entgleitet. Simone, den Christopher Maltman als kernigen Macho prachtvoll heraushängen lässt, singt sich immer mehr in Eifersuchtsrage. Die Einwürfe seiner Bianca (Asmik Grigorian) richten nichts aus: Am Ende liegt der Therapeut, den Dmitri Golovnin wenig glanzvoll als Schwächling gibt, erschlagen auf dem Sofa. Die brutale Gatten-Potenz erregt Bianca so sehr, dass sie sich Simone neben der Leiche hingibt.
Nach der Pause liegt der Tote immer noch herum. Aus dem Stoffhändler ist Herzog Blaubart geworden. Florian Boesch lässt ihn finster feinkörnig und psychotisch schillern. Er muss seiner Judith, als die Amik Grigorian ihr Stimm- und Gestaltungskönnen ganz ausspielen kann, die sieben Türen der Burg öffnen.
Zemlinsky bereitet den Boden auf, um mit Bartók all den verborgenen Ängsten Blaubarts auf die Spur zu kommen. Bis hin zum im Kindbett verstorbenen Nachwuchs und den Ex-Frauen. Szenisch erlebt man das Türen-Öffnen in minimen Andeutungen. Nur beim Tränensee im verwaisten Kinderzimmer wird es konkret. Herzhaft farbenfroh spielt dazu das Orchester unter der Leitung des souveränen Alain Altinoglu auf. Das Publikum meldet kaum Proteste an.
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