„Krone“-Kommentar

Alte Säcke, Mumien: Das ist letztklassig!

Kolumnen
03.10.2026 05:00

Altersbashing finde ich letztklassig. Nicht, weil ich auch schon 66 bin. Sondern weil es Menschen mit Lebenserfahrung auf perfide Weise herabwürdigt.

Egal, was bei den SPÖ-Gesprächen am Sonntag herauskommt: Altersbashing wird bei diesem Machtkampf eine unrühmliche Rolle gespielt haben.

Da macht ein 71-jähriger, in der Sozialdemokratie groß gewordener internationaler Spitzenmanager der Partei das Angebot, sie aus dem Tief zu führen, sie zu einen, zu verjüngen, zu verändern. Ob Gerhard Zeiler dazu in der Lage wäre, sei dahingestellt. Aber was Genossen und Genossinnen in den sozialen Netzwerken dazu einfällt, ist beschämend.

„Wir wollen nicht von so alten Säcken regiert werden!“

„Zeiler ist zu alt. Wir brauchen keinen Biden oder Trump.“ 

„Jetzt werden die Mumien munter.“

„Alter Mann geh in Pension und genieße deine Millionen! Die Partei braucht Junge und keine Alten, die noch in den Neunzigern leben.“

Das Alter als Zumutung und Makel. Weniger leistungsfähig, aus der Zeit gefallen. Das Alter als Vorstufe zu Senilität und Tod. Offene Aggression oder giftige Komplimente („Man sieht dir dein Alter nicht an!“): Altersbashing ist immer verletzend.

Wann ist ein Politiker zu alt oder zu jung? Der österreichische Bundespräsident ist 82. Sebastian Kurz war 31, als er Kanzler wurde. SPÖ-Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner ist 33, Kanzler Stocker 66.

Spielt das eine Rolle? Nein. Bei Zeiler nicht und auch nicht bei jenen 1,2 Millionen, die so alt oder älter sind als er.

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