Nadel war verbogen
Pannen-Hinrichtung: Gift nur in Gewebe geflossen?
Im Fall der missglückten Hinrichtung der Mörderin Christa Pike im US-Bundesstaat Tennessee werden immer mehr Details bekannt: Experten vermuten, dass das Pentobarbital zumindest teilweise nicht in Pikes Blutbahn, sondern in das umliegende Gewebe gespritzt wurde. Eine der verwendeten Nadeln war zudem verbogen.
Die Ärzte kämpfen noch immer um das Leben der zum Tode verurteilten 50-Jährigen, nachdem sie zwei Giftspritzen überlebt hatte. Wie Pikes Prognose ist und welche gesundheitlichen Folgen sie davontragen könnte, ist noch immer unklar.
Todeskandidatin rang noch lange nach Luft
Nachdem ihr zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht worden waren, lebte sie weiter. Zeugen berichteten, sie hätten Pike noch lange atmen und nach Luft ringen gehört. Einer ihrer Anwälte sagte später, er habe sie nach der ersten Dosis sogar noch sprechen und singen gehört. Schließlich wurde Pike in eine medizinische Einrichtung außerhalb des Gefängnisses gebracht.
Gift nicht in Blutbahn gespritzt?
Von der „New York Times“ befragte Mediziner haben eine Erklärung, warum die Hinrichtung gescheitert sein könnte: Sie halten es für möglich, dass das Pentobarbital zumindest teilweise nicht in Pikes Blutbahn, sondern in das umliegende Gewebe gelangte. Das könne erklären, warum die verabreichte Menge nicht ausreichte, um Atmung und Kreislauf vollständig zum Stillstand zu bringen.
Nadel soll laut Anwalt verbogen gewesen sein
Pikes Anwalt Randy Spivey sagte am Donnerstag, das Personal habe etwa eine Stunde erfolglos versucht, einen intravenösen Zugang zu legen. „Ich zählte allein in ihrem linken Arm mindestens sieben Nadeln, von denen eine verbogen zu sein schien, als sie nach einem erfolglosen Versuch aus ihrem Arm gezogen wurde“, sagte Spivey. Während der Hinrichtung habe sich zudem ihr rechter Arm violett verfärbt; inzwischen gebe es nach Angaben der Verteidigung Blasen und Verbrennungen rund um die Einstichstellen.
Die Strafvollzugsbehörde von Tennessee betonte anschließend, jeder Schritt der geltenden Richtlinie sei eingehalten worden. Dieses sehe nach der zweiten Dosis keine weiteren Maßnahmen mehr vor. Nach Angaben des unabhängigen Death Penalty Information Center ist aus der modernen Ära der Todesstrafe in den USA kein anderer Fall bekannt, in dem ein Gefangener die Medikamente zur Hinrichtung erhielt und anschließend weiterlebte. Bei früheren gescheiterten Hinrichtungen war die Vollstreckung demnach meist schon zuvor abgebrochen worden, etwa weil kein geeigneter Venenzugang gelegt werden konnte.
Anwälte warnten vor schwer zugänglichen Venen
Unabhängig von diesem juristischen Tauziehen hatten Pikes Verteidiger schon seit Monaten auch vor möglichen Problemen bei der Hinrichtung selbst gewarnt. Nach ihren Angaben hat Pike kleine und schwer zugängliche Venen. Sie hatten zudem Bedenken gegen die Richtlinie zur Hinrichtung und die medizinische Versorgung für den Fall von Komplikationen erhoben und waren gerichtlich gegen Tennessees Verfahren mit der Giftspritze vorgegangen. Ein Gericht hatte die Einwände letztlich zurückgewiesen.
Pike war 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in Knoxville über längere Zeit misshandelt und schließlich getötet worden. Die Grausamkeit der Tat erregte damals großes Aufsehen. 2001 wurde Pike zudem nach einem Angriff auf eine Mitinsassin wegen versuchten Mordes verurteilt.

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