Hinrichtung missglückt

Giftspritzen überlebt: Darum ist Mittel umstritten

Ausland
01.10.2026 12:26
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die gescheiterte Hinrichtung der verurteilten Mörderin Christa Pike sorgt für Entsetzen: Nachdem die 50-Jährige nach zwei Dosen Pentobarbital verabreicht bekam, lebte die US-Bürgerin immer noch. Das Medikament als tödliche Injektion ist äußerst umstritten – der US-Präsident Joe Biden hatte es während seiner Amtszeit sogar verboten.  

Die Panne bei der Hinrichtung von Pike, die erste geplante Exekution einer Frau seit mehr als 200 Jahren in Tennessee, sorgt für Schlagzeilen. Nachdem die 50-Jährige zwei Injektionen des potenziell tödlichen Medikaments verabreicht bekommen hatte, war die Verurteilte noch immer am Leben – und schnarchte. 

Auf Hinrichtungsversuch folgte Notfallversorgung
Nach der missglückten Exekution ordnete die Justizvollzugsbehörde groteskerweise die medizinische Notfallversorgung und den Transport in ein Krankenhaus an, um das Leben der Todeskandidatin zu retten. Kritiker werfen den Behörden beispiellosen Versagen vor – der Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, setzte nach der Panne die restlichen Hinrichtungen für den Rest des Jahres aus.

Bilder des Opfers Colleen Slemmer (†19) wurden vor dem Hochsicherheitsgefängnis Riverbend ...
Bilder des Opfers Colleen Slemmer (†19) wurden vor dem Hochsicherheitsgefängnis Riverbend aufgestellt, wo ihre Mörderin hingerichtet hätte werden sollen.(Bild: APA/Associated Press)

Bedenken führten zu Verbot des Medikaments bei Hinrichtungen 
Der Einsatz des Medikaments Pentobarbital war schon vor dem Vorfall kontrovers. Der Biden-Regierung hatte dieses als einziges Mittel für tödliche Injektionen sogar verboten. Es gab Bedenken, dass dieses unnötige Schmerzen und Leiden verursachen könnte. Erst heuer wurde der Wirkstoff vom Justizministerium unter US-Präsident Donald Trump wieder zur Verwendung als Giftspritze zugelassen worden. In einem Bericht wurde dazu erklärt, die Biden-Regierung habe „die Standards und die wissenschaftlichen Erkenntnisse falsch angewendet“. 

Das Justizministerium von Tennessee betonte, man habe alle Protokolle rechtmäßig befolgt. Die Bevölkerung dürfe allerdings erwarten, dass eine Hinrichtung „auf eine Weise geschieht, die nicht nur legal und verfassungsgemäß, sondern auch effektiv ist“, zeigte er Verständnis für die Kritik an der verheerenden Panne.

Christa Pike war selbst erst 18 Jahre alt, als sie eine ein Jahr ältere Mitschülerin tötete.
Christa Pike war selbst erst 18 Jahre alt, als sie eine ein Jahr ältere Mitschülerin tötete.(Bild: AP)

Das Hinrichtungsprotokoll des US-Bundesstaates sieht vor, dass eine zweite Dosis der Giftspritze verabreicht wird, „falls der Häftling nach der ersten Verabreichung noch lebt“. Was geschieht, wenn die Person nach der zweiten Verabreichung am Leben ist, ist jedoch nicht definiert.

Überleben von Hinrichtung sei „einzigartig und beispiellos“
Robin M. Maher vom Death Penalty Information Center erklärte, was Pike erlebt habe, sei „einzigartig und beispiellos“, wie „Independent“ berichtete. Laut der Expertin hätte es bereits Probleme bei sieben weiteren Todeskandidaten gegeben, weil es nicht gelungen sei, eine Vene für die Verabreichung der tödlichen Injektionsmedikamente zu finden. Aber niemand zuvor hätte die Verabreichung einer Giftspritze bisher überlebt. 

Pentobarbital ist ein Medikament, das die Aktivität des Gehirns und des Nervensystems verlangsamt – in den USA ist es unter dem Namen Nembutal bekannt. Heuer wurde es bereits 14 zum Tode verurteilten Häftlingen in den USA verabreicht. Auch bei der Behandlung von Schlafstörungen, Epilepsie und Schädel-Hirn-Traumata findet es Anwendung. In hohen Dosen kann es zum Atemstillstand und Tod führen. Das Mittel, das zur Gruppe der Barbiturate zählt, wird auch in der Sterbehilfe eingesetzt. 

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