„Verabscheuungswürdig“

Hinrichtung ging schief – jetzt fordert UNO Gnade

Ausland
01.10.2026 17:35
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Von krone.at

Nachdem die Hinrichtung der verurteilten Mörderin Christa Pike in Tennessee völlig schiefgegangen war, schaltet sich nun das UNO-Menschenrechtsbüro ein und forderte Gnade. Der republikanische Gouverneur des Bundesstaates ordnete indessen eine Untersuchung an. Über Pikes aktuellen Zustand schweigen die Behörden. 

Die wegen Mordes verurteilte Christa Pike hatte nicht nur die erste, tödliche Injektion überlebt. Auch nach der zweiten Giftspritze atmete die Frau weiter, wie mehrere Augenzeugen berichteten. Nachdem Pike die beiden Hinrichtungsversuche überlebte, wurde die 50-Jährige in einem Spital behandelt.

Ihr aktueller Zustand sei ihnen nicht mitgeteilt worden, teilten Pikes Verteidiger am Donnerstagabend mit. Die Organisation Death Penalty Information Center (DPIC) bezeichnete Pikes Fall als „den schlimmsten“, den sie je verzeichnet habe.

„Sie schnarchte laut und war eindeutig lebendig“
Eine Journalistin der Nachrichtenagentur Associated Press, Kim Chandler, sagte dem Sender CBS News, dass die 50-Jährige zu Beginn der versuchten Hinrichtung noch bei Bewusstsein war. „Irgendwann fragte sie die Vollzugsbeamten, ob sie sich denn so fühlen solle.“

Nachdem sich die Vorhänge der Todeskammer geschlossen hatten, sei zu hören gewesen, wie Pike „laut schnarchte“ und „eindeutig sehr lebendig“ gewesen sei. Die anwesenden Medienvertreter seien dann aufgefordert worden, den Bereich zu verlassen.

UNO-Menschenrechtskommissar fordert Gnade
Der aus Österreich stammende UNO-Menschenrechtskommissar Volker Türk forderte ebenfalls Gnade für Pike. „Die Todesstrafe hat in keiner Gesellschaft einen Platz“, erklärte Türk am Donnerstag im Onlinedienst X. Er appellierte an die Behörden, auf die Hinrichtung der zum Tode verurteilten Mörderin zu verzichten.

Das UNO-Menschenrechtsbüro ergänzte: „Der Fall von Christa Pike macht eine Vielzahl von Gründen deutlich, warum die Todesstrafe abgeschafft werden sollte. Das anhaltende körperliche und seelische Leiden durch mehrere gescheiterte Hinrichtungsversuche ist verabscheuungswürdig und grausam.“ Zudem seien wichtige Fragen zu einem fairen Verfahren ungeklärt.

Die Leiterin des auf die Dokumentation von Todesstrafen spezialisierten Informationszentrums DPIC, Robin Maher, sagte der New York Times, Pikes Fall sei anders als alle anderen gescheiterten Hinrichtungen in der modernen Zeit. „Es gibt keinen Präzedenzfall.“ Die Justizvollzugsbehörden von Tennessee erklärten, sie hätten „jeden Schritt des legalen, festgelegten Hinrichtungsprotokolls des Staates“ befolgt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, Pikes Fall zeige abermals, „dass es keine humane Hinrichtungsmethode gibt“.

Zeugen der Hinrichtung, darunter Medienvertretern, schilderten die dramatischen Momente in der ...
Zeugen der Hinrichtung, darunter Medienvertretern, schilderten die dramatischen Momente in der Todeskammer.(Bild: AP/George Walker IV)

Gouverneur ordnete Untersuchung an
Der republikanische Gouverneur des Bundesstaates, Bill Lee, ordnete nach Pikes fehlgeschlagener Exekution eine „umfassende, unabhängige“ Untersuchung an. Weitere, noch in diesem Jahr angesetzte Hinrichtung werden nicht vollstreckt. Am 3. Dezember sollte der verurteilte Mörder Gary Wayne Sutton getötet werden. Erst im Mai war in Tennessee eine Hinrichtung mit einer Giftspritze gescheitert, als das medizinische Personal keine Vene des Verurteilten punktieren konnte.

In den Vereinigten Staaten wurden seit Wiederzulassung der Todesstrafe im Jahr 1976 nach Angaben des Informationszentrums DPIC insgesamt 18 Frauen hingerichtet. Christa Pike war nach Angaben der offiziellen Webseite der Regierung von Tennessee die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des Bundesstaates im Südosten der USA eine Strafe verbüßte. Laut der Forschungseinrichtung Cornell Center on the Death Penalty Worldwide ist sie auch die erste Frau seit 1819, die in Tennessee hingerichtet werden sollte.

  Der Vollstreckung am Mittwochabend (Ortszeit) war ein juristisches Tauziehen vorausgegangen. Zunächst war die Hinrichtung per Giftspritze kurz vor dem Vollzug gestoppt worden. Dann gab der Supreme Court, das oberste US-Gericht, einem Eilantrag der für die Gefängnisse zuständigen Behörde des Bundesstaats statt und setzte damit den von einer unteren Instanz verhängten Vollstreckungsstopp außer Kraft.

Kritik von Richterinnen am Entscheid
Die drei liberalen Richterinnen am Supreme Court hatten die Mehrheitsentscheidung des Gerichts kritisiert. In ihrer abweichenden Meinung argumentierte Sonia Sotomayor, die Entscheidung ebne dem Bundesstaat den Weg, Pike hinzurichten, bevor die Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorherigen Verfahrens ordnungsgemäß geprüft werden könnten. Die Richterinnen Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson schlossen sich dem an.

Sotomayor schrieb weiter, sie sehe keinen Grund dafür, den üblichen Weg dieser Überprüfung zu umgehen, „insbesondere angesichts der schwerwiegenden Folgen einer fehlerhaften Entscheidung“. Sie bezeichnete das Vorgehen als „außergewöhnlich“.

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