Nur Stunden davor
Gericht stoppt Hinrichtung von Teenager-Mörderin
Kurz vor einer historischen Hinrichtung im US-Bundesstaat Tennessee hat ein Berufungsgericht das Vorhaben gestoppt. Die zum Tode verurteilte Christa Pike habe Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorigen Verfahrens dargelegt, die nun inhaltlich geprüft werden müssten, entschied das Gericht. Zentraler Punkt dabei ist die gerichtliche Würdigung der Traumata, die Pike eigenen Angaben zufolge als Kind erlitt.
Pike hätte am Nachmittag hingerichtet werden sollen – es wäre die erste Hinrichtung einer Frau in Tennessee seit über 200 Jahren gewesen. Die heute 50-jährige Pike wurde 1996 für den Mord an einer 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt. Die Täterin war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt.
Pike gemeinsam mit ihrem damaligen Freund und einer weiteren Freundin die 19-jährige Colleen Slemmer in eine stillgelegte Fabrik gelockt. Weil sie davon ausging, Slemmer würde ihrem Freund schöne Augen machen, folterte Pike ihr Opfer mit einem Messer, ritzte ihr ein Pentagramm in die Brust und prügelte anschließend mit einem Stück Asphalt auf Slemmer ein. Stücke der Schädelknochen behielt Pike und zeigte sie später wie eine Trophäe im Freundeskreis her.
Mit 20 Jahren zum Tode verurteilt
Der Prozess sorgte später für Schlagzeilen angesichts der Brutalität der Tat. Ein Gerichtsmediziner beschrieb die Leiche als dermaßen entstellt, „dass man sie auch für einen Tierkadaver hätte halten können“. Pike wurde zum Tode verurteilt, während der Verkündung brach sie in Tränen aus. Ihr Freund erhielt lebenslang, die Freundin, die „Schmiere gestanden“ hatte, eine Bewährungsstrafe.
Pike hatte wiederholt in Berufungsverfahren argumentiert, als Kind von ihren Eltern extrem vernachlässigt und misshandelt worden zu sein. Ihre Mutter versuchte auch, sich umzubringen, einer ihrer Lebensgefährten schlug das Kind auch regelmäßig ins Gesicht. Lediglich die Großeltern sollen sich regelmäßig um Christa Pike gekümmert haben. Als die Großmutter starb, unternahm auch das damals 12-jährige Mädchen einen Suizidversuch. Später soll es sogar zu einer Vergewaltigung durch einen Nachbarn gekommen sein, allerdings konnten keine Spuren festgestellt werden. Pike sagte zudem aus, ihre Mutter habe ihr damals nicht geglaubt.
Die Gewalt, die sie als Kind erlebt hatte, übte sie später als junge Frau selbst aus. Der Mord an ihrer Mitschülerin war nur der Gipfel einer langen Historie an Übergriffen und kriminellen Taten. Ob sie nun dafür hingerichtet wird und wann, ist nach dem Gerichtsentscheid vom Mittwoch allerdings wieder offen.

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