Beschluss im Landtag

Kartenzahlung im Bus kommt, aber erst spät

Tirol
02.10.2026 06:00

Die Digitalisierung kommt nun auch in der Busflotte der Verkehrsbetriebe Tirol (VVT) an, allerdings in gemächlichem Tempo. Flächendeckend wird Kartenzahlung erst 2030 möglich sein. Weiters kurios: Grünen-Chef Gebi Mair übersah beinahe, seinem eigenen Antrag zuzustimmen. Und die FPÖ legte bei der Baulandabgabe eine 180-Grad-Wende hin. 

Kartenzahlung oder Bezahlung via App ist mittlerweile fast überall Standard, nur nicht beim Verkehrsverbund Tirol. „Ich fahre oft mit dem Bus von Innsbruck ins Stubai. An den Haltestellen steigen häufig Touristinnen und Touristen ein, die ihr Handy zücken und es gar nicht fassen können: In den Bussen des VVT kann man nicht mit Karte zahlen“, berichtete Grünen-Chef Gebi Mair im Landtag. „Dann wird in den Taschen gekramt, der Bus wird aufgehalten. Die Busfahrer müssen sich schräg anreden lassen. Manche Gäste installieren dann die VVT-App und warten auf den nächsten Bus, um bis dahin ein Ticket am Handy erwerben zu können. Das ist keine smarte Öffi-Erfahrung“, sagte Mair.

Diesmal kein Abänderungsantrag der Koalition
Sein Antrag, in Tirols Bussen solle nicht nur bar, sondern auch mit Karte bezahlt werden können, wurde im Landtag einstimmig angenommen, allerdings mit kurioser Episode: Mair glaubte, es gebe dazu (wie so oft) einen Abänderungsantrag der Regierung, er werde aber trotzdem gnädigerweise zustimmen. Das sorgte für Heiterkeit bei der ÖVP: „Ich hoffe sehr, dass du deinem eigenen Antrag zustimmst, aus Überzeugung und nicht aus Goodwill. Wir haben keinen Abänderungsantrag, da kannst du gerne nachschauen“, gab VP-LA Peter Seiwald dem Grünen-Chef mit auf den Weg.

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Eine solche Heuchelei und ein solches Pharisäertum wie es LA Gang bei der Baulandabgabe an den Tag legt, erlebt man auch nicht alle Tage.

VP-Klubchef Sebastian Kolland 

„Öffis wieder leistbarer machen“
So kam ein einstimmiger Beschluss zustande. Schnell geht’s trotzdem nicht. Erst 2030 sollen moderne Bezahlmethoden flächendeckend in allen Fahrzeugen in Tirol Einzug halten – neben dem klassischen Bargeld. Ein erster Probetrieb startet 2027 im Wipp- und Stubaital. „Meine nächste Anregung wäre: Die Öffi-Preise müssen endlich wieder leistbar werden. Die Preissteigerungen durch SPÖ-Landesrat René Zumtobel waren deutlich über der Inflation, das ist zu viel“, sagte Mair.

Meinungsumschwung bei FPÖ-Bürgermeister
Mehrheitlich beschlossen wurde Mittwochabend die Bauland-Mobilisierungsabgabe. Die Opposition stimmte geschlossen dagegen. „Liebe Grundstücksbesitzer, liebe Umhausener, liebe Fügener, liebe Dölsacher, liebe Lienzer, liebe Steinacher, liebe Zamser. Wer hat euch verraten? Die Sozialdemokraten“, empörte sich Andreas Gang, FP-LA und Bürgermeister von Kramsach. Zugleich forderte er im Landtag namentlich jeden Dorfchef auf, sich zu deklarieren, ob er die Abgabe einführen möchte.


FP forderte selbst die jetzt bekämpfte Abgabe
Vor einem Jahr klang das noch völlig anders: „Wir müssen vorhandenes Bauland mobilisieren, anstatt immer neue Flächen zu versiegeln oder umzuwidmen. Bereits bestehende Instrumente wie Vorbehaltsflächen oder Vertragsraumordnung sind zwar Schritte in die richtige Richtung, reichen jedoch nicht aus“, heißt es in einer Pressemitteilung von 27. August 2025. Er, Gang, fordere deshalb die Einführung einer Abgabe auf unbebautes Bauland (!).

„Sagenhafter Zickzack-Kurs“
„Eine solche Heuchelei und ein solches Pharisäertum wie es LA Gang bei der Baulandabgabe an den Tag legt, erlebt man auch nicht alle Tage“, wundert sich VP-Klubchef Sebastian Kolland. „Angesichts seines sagenhaften Zickzack-Kurses wäre Gang stattdessen gut beraten, bei diesem Thema sehr kleinlaut aufzutreten und die Tirolerinnen und Tiroler nicht für blöd zu verkaufen!“

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