„Krone“-Interview

Mar Malade: „Gebeutelt wie ein guter Tee“

Musik
07.10.2026 09:00

Urlaub für die Ohren statt grauer Herbsttage: Mar Malade bringen am 9. Oktober sommerliche Klangwelten ins Wiener WUK. Im „Krone“-Talk erzählen Alexander Hauer und Michèl M. Almeida von ihrer zufälligen Bandgründung, schrägem Bühnenhumor und ihren liebsten Wien-Ritualen.

kmm

Was zunächst wie der Name eines ziemlich guten Marmeladenglases klingt, hat mit süßem Brotaufstrich eigentlich gar nichts zu tun. Hinter Mar Malade stecken Alexander Hauer und Michèl M. Almeida – zwei Freunde, die vor rund sechs Jahren eher zufällig gemeinsam Musik machten und damit schließlich den Grundstein für ihre Band legten. „Man könnte fast sagen, die Band ist aus einem therapeutischen Experiment entstanden“, erzählt Michèl lachend. Denn musikalisch befanden sich beide damals in einer eher schwierigen Phase. „Gebeutelt wie ein guter Tee“, ergänzt er – und schon in den ersten Minuten des Gesprächs wird klar: Humor spielt bei Mar Malade mindestens eine genauso große Rolle wie Musik.

„Wie zwei Tee-Beutel in der Tasse haben wir uns getroffen, um Musik zu machen, die einfach nichts im Sinn hat. Die nur Spaß machen soll“, erklärt Michèl weiter. Bei einem ihrer gemeinsamen Treffen entstand schließlich ihr erster Song „Cabriolet“. Eigentlich hatten sich die beiden damals lediglich zum Kaffeetrinken verabredet: „An diesem einen Tag ist dann einfach ein richtiger Song entstanden, der uns so begeistert hat, dass wir gedacht haben: Wahrscheinlich müssen wir doch etwas zusammen machen“, erinnert sich Alexander. Und dann fehlte eigentlich nur noch der passende Name. Den lieferte wenig später ihre zweite Nummer „Marmelade“. „Als wir dann zwei Lieder hatten, habe ich einen Dropbox-Ordner angelegt und ihn aus irgendeiner Laune heraus ,Mar Malade‘ in zwei Worten genannt, weil ich das optisch schön fand“, erzählt er weiter. Und dabei blieb es.

Zwei Freunde, zwei Musiker und jede Menge Schmäh: Mar Malade.
Zwei Freunde, zwei Musiker und jede Menge Schmäh: Mar Malade.(Bild: Instagram/ Mar Malade)

Urlaub für die Ohren
Seitdem wird ihre Musik gerne als „Urlaub in Musik“ beschrieben – und das kommt nicht von ungefähr. Mar Malade starteten ausgerechnet in der Corona-Zeit. Reisen war damals kaum möglich, musikalisch ging es für die beiden dafür umso weiter hinaus. „Wir fanden, dass jedes Lied ein spezielles Bild für uns hatte. Man ist mit dieser Musik gedanklich irgendwohin gereist“, erzählt Alexander. Gerade bei einem Song wie „Mexico“ sei das besonders offensichtlich. „Die Leute haben uns immer wieder gesagt: Wenn ich eure Musik anmache, ist das wie Urlaub in meinen Ohren.“ Ihre Songs hätten etwas, „das einen sofort aus dem Alltag rausholt und in eine andere Welt holt, wo es warm und schön ist“.

Mittlerweile haben Mar Malade drei Alben veröffentlicht und sind bereits mehrfach durch Deutschland, Österreich und die Schweiz getourt. Musikalisch verbindet die beiden vor allem die Liebe zur handgemachten, akustischen Musik. Dazu kommen lateinamerikanische und spanische Einflüsse - und jede Menge Humor. 
Persönlich könnten sie allerdings durchaus unterschiedlicher sein. „Michèl ist ein deutlich strukturierterer Typ als ich und hat einen sehr definierten Musikgeschmack“, sagt Alexander. Michèl wiederum verrät grinsend: „Ich höre sehr viel Musik und Alexander gar nicht viel.“ Während er sich zu Hause auch einmal stundenlang mit Kopfhörern durch die Wohnung bewegt, ist bei seinem Freund nach rund 15 Minuten meist Schluss.

Von Schlagzeug und Klavier zur Gitarre
Auch soundtechnisch hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. „Es gibt mehr Bassriffs bei den neuen Titeln“, sagen beide. Vor allem sei inzwischen mehr Groove dazugekommen. Dabei waren ausgerechnet Gitarre und Bass anfangs gar nicht ihre angestammten Instrumente. „Ich bin eigentlich Schlagzeuger, Alexander kommt vom Klavier. Wir waren mit den Gitarren gar nicht so vertraut“, erzählt Michèl. Damit irgendwann auch auf der Bühne zu stehen, sei deshalb zunächst ein großer Schritt gewesen.

Mittlerweile klappt das natürlich deutlich besser. Trotzdem müssen beide noch heute lachen, wenn einer von ihnen plötzlich ein Gitarrensolo spielt. „Wir hätten niemals gedacht, dass das irgendwann möglich ist“, erzählt das Duo lachend. 
Wer sie live erlebt, dürfte davon ohnehin wenig merken. Und dafür muss das Wiener Publikum bald nicht einmal besonders weit reisen: Am 9. Oktober kommt das „Tour-isten-Duo“ ins WUK (Tickets bei www.wuk.at) und will dort ihre ganz eigene Mischung aus sommerlichen Klangwelten, Humor und ausgelassener Live-Energie auf die Bühne bringen.

Mar Malade´s schnelle Runde

  • Der perfekte Urlaub beginnt mit ...
    ... einem guten Kaffe und einem Spaziergang
  • Dieser Song gehört in jedes Cabrio ...
    ... natürlich „Cabriolet“ (Gelächter)
  • Tourleben ist ziemlich cool, bis ...
    ... man sich ein Bett teilen muss. 
  • Wien schmeckt für uns nach ...
    ... Wiener Schnitzel und Kartoffelsalat. 
  • Diesen österreichischen Ausdruck würden wir gerne mit nach Deutschland nehmen ...
    „Des geht sich scho aus“ (Gelächter)
  • Wenn Mar Malade ein Cocktail wäre, ...
    ... dann wäre da drinnen Limette, Ananans, ein Zuckerrand und eine Geheimzutat. 

Eine „Eitrige“ ist ein Muss nach jeder Wien-Show
Wien kennen sie bereits bestens. Dreimal waren sie bislang mit Mar Malade hier – und eine Tradition darf dabei offenbar nie fehlen. „Nach der Show nachts am Gürtel noch eine Eitrige essen, das war immer so nach den Wiener Shows“, erzählt Michèl lachend. Welcher Würstelstand es genau war, wissen die beiden zwar nicht mehr. In Erinnerung geblieben sind dafür „lustige Gestalten“, mit denen sie dort dann ins Gespräch kamen.

Und auch tagsüber hat sich längst ein kleines Ritual eingeschlichen. „Ohne Kaffeehausbesuch fahren wir von euch nicht weg“, sagt Alexander. Dazu wird durch die Innenstadt geschlendert und dort Halt gemacht, wo es gerade schön aussieht. Große Sehenswürdigkeiten müssen es dabei gar nicht unbedingt sein.

„Manchmal reden wir ein bisschen zu viel“
Wer schon einmal bei einem Mar-Malade-Konzert war, weiß außerdem: Nur Songs herunterzuspielen, wäre den beiden vermutlich ohnehin zu langweilig. Der spielerische Teil ihrer Shows ist inzwischen mindestens genauso wichtig geworden. „Wir haben gemerkt, dass uns das Spaß macht und dass die Leute daran auch Freude haben“, erklären sie uns. Für die Band sei es schön, auf der Bühne diese „Spielwiese“ zu haben und eben nicht ausschließlich über die Musik zu funktionieren.

Dabei kann das durchaus einmal ausarten – im positiven Sinn. „Es gab definitiv schon Konzerte, bei denen wir uns danach gefragt haben, ob wir vielleicht ein bisschen zu viel geredet haben“, erzählt einer der beiden lachend. Dann wird geplaudert, über die jeweilige Stadt gesprochen oder spontan irgendein Thema aufgegriffen. Ganz ungeplant ist das Chaos aber nicht. „Fifty-fifty“, schätzen die sie das Verhältnis zwischen geplanten und spontanen Momenten ein. Musikalisch geht es live ohnehin noch einmal deutlich kräftiger zur Sache als auf Platte. „Es geht ein bisschen mehr ab“, sagt Alexander. Es werde viel getanzt, die Stimmung sei ausgelassen, dazu kommen Percussion, Bläser und teilweise völlig neue Arrangements der Lieder.

Zwei Songs, zwei Ohren
Und wer Mar Malade bislang noch gar nicht kennt? Der bekommt gleich zwei musikalische Einstiegstipps. „Natürlich ,Cabriolet‘, weil da ganz viel Essenz von uns drinsteckt“, sagt Michèl. Dazu müsse aber auch „Mexico“ gehört werden, um die etwas wildere und mitreißendere Seite kennenzulernen. Die Begründung dafür irgendwie typisch: „Die Person hat ja zwei Ohren – ein Song pro Ohr könnte klappen.“

Am 9. Oktober gibt es beide Titel dann vielleicht auch live im Wiener WUK zu hören. Und wer den beiden danach noch über den Weg laufen möchte, sollte womöglich einfach am Gürtel Ausschau halten – bei einer Eitrigen am Würstelstand stehen die Chancen offenbar gar nicht so schlecht!

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung