Seit einigen Jahren machen Valentin, Constantin und Chris als NOW. gemeinsame Sache. Zuvor arbeiteten die drei Wiener mit Künstlern wie Conchita Wurst, Thorsteinn Einarsson oder Ina Regen – nun steht mit „A Little Love“ am 28. August bereits Album Nummer zwei an. Handgemacht, versteht sich. Im „Krone“-Talk verraten sie, warum es diesmal ruhig „menscheln“ darf, und sprechen über das Wiener Loft und ihre großen Zukunftspläne.
„Geht’s eh?“, fragt mich der PR-Manager des Trios NOW., während wir uns Stufe für Stufe nach oben arbeiten. Einen Lift gibt es in dem Wiener Altbau nicht – und das Studio befindet sich ausgerechnet im Dachgeschoss im 9. Bezirk. „Ja, sicher“, antworte ich knapp und bin gespannt, wer mich gleich hinter der Tür erwartet. Dort haben Valentin Bröderbauer (Gesang, Gitarre), Chris Sztrakati (Drums) und Constantin Kaiser (Bass, Synth) ihr musikalisches Zuhause. Seit 2020 machen die drei als NOW. gemeinsame Sache – davor arbeiteten sie eher im Hintergrund für bekannte Namen wie Conchita Wurst, Ina Regen, Thorsteinn Einarsson, Josh. oder Lemo. Ausgerechnet die Corona-Zwangspause gab schließlich den Startschuss für die eigene Band. Heute, ein Debütalbum später, sitzen wir genau dort, wo alles begann. Am 28. August folgt mit „A Little Love“ bereits Album Nummer zwei. Zeit also, über den Weg ins Rampenlicht, neue musikalische Freiheiten und große Zukunftspläne zu sprechen.
„Krone“: Ihr habt lange für andere Künstler gearbeitet. Warum kam ausgerechnet 2020 der Moment, in dem ihr gesagt habt: Jetzt wollen wir mit NOW. unsere eigenen Wege gehen?
Valentin: Wir waren mit der Idee, eigene Musik zu machen, eigentlich immer schon ein bisschen schwanger, sag ich jetzt mal. Deswegen ist es unser Corona-Baby (lacht). Durch die Pandemie waren viele Acts, mit denen wir auf Tour oder im Studio gearbeitet haben, plötzlich zu einer Pause gezwungen. Dadurch war auf einmal Zeit da. Ich hatte schon an ein paar Songs gearbeitet und irgendwann haben wir gesagt: Bevor uns die Decke auf den Kopf fällt, machen wir etwas daraus.
Constantin: Und vielleicht war es auch der Ort. Das Ganze ist tatsächlich hier in unserem Studio entstanden. Während überall Abstand gehalten wurde, konnten wir uns hier einsperren und gemeinsam Musik machen. Aus dieser Zeit gibt es richtig coole Jams und die ersten Songs sind entstanden. 2022 kam dann mit „Wasting Days“ unser erster Track– und seitdem ging es immer einen Schritt weiter.
Wie habt ihr diese Zeit damals erlebt? Die Musikbranche stand schließlich plötzlich still.
Valentin: Ich fand es schwierig und teilweise wirklich beklemmend. Man wusste überhaupt nicht, wie es weitergeht. Das Musikmachen war für mich damals ein Zufluchtsort, aus dem ich extrem viel Energie und Kraft geschöpft habe.
Chris: Mir war tatsächlich überhaupt nicht fad. Wir hatten ein kleines Kind zu Hause (lacht). Und ich habe gleichzeitig sehr viel für andere aufgenommen. Beschäftigung gabs also. Unsicher war die Situation natürlich trotzdem, weil niemand eben wusste, was passieren wird.
Wie seid ihr eigentlich auf den Namen NOW. gekommen?
Valentin: Der Name ist eigentlich genau das Sinnbild dafür. Wir hatten die Idee schon so oft aufgeschoben und immer gesagt: Das machen wir nächstes Jahr. Irgendwann haben wir uns gedacht, es gibt eigentlich nur den einen richtigen Zeitpunkt – und der ist jetzt. Gerade weil wir so viel Zeit und Arbeit in andere Acts investiert haben, hat NOW. perfekt gepasst.
Ihr habt jahrelang für andere Künstler gearbeitet und steht jetzt selbst im Mittelpunkt. Wie war dieser Rollenwechsel für euch?
Valentin: Bei den ersten Konzerten war es ungewohnt. Es ist ein völlig anderer Verantwortungsbereich und ich habe dadurch auch noch einmal ganz anders zu schätzen gelernt, was Künstler leisten, mit denen wir gearbeitet haben. Gleichzeitig hat es sich sehr natürlich und leicht angefühlt. Und wenn sich etwas leicht anfühlt, dann passt es meistens.
Chris: Für Valentin ist die Veränderung wahrscheinlich am größten, weil er plötzlich Sänger und Frontmann ist. Für mich als Schlagzeuger ist auf der Bühne vieles ähnlich – ich bin ja trotzdem in der zweiten Reihe (grinst).
Constantin: Was sich aber schon verändert hat, ist die Verantwortung. Wir machen beim Songwriting, beim Booking und rund um die Band sehr viel selbst. Das ist irrsinnig viel Arbeit, aber gleichzeitig schön, weil wir selbst entscheiden können, wohin es gehen soll.
Schreibt ihr eure Songs immer gemeinsam?
Valentin: Es gibt meistens einen Impuls von einer Person. Jemanden beschäftigt gerade etwas – Beziehungen, Abschiednehmen oder was auch immer das Leben bereithält – und daraus entsteht ein Song. Bei diesem Album war das noch stärker als zuvor. Jeder hat Ideen eingebracht und am Ende sind es zu hundert Prozent unsere Geschichten.
Wenn ihr heute auf euer Debütalbum „OUT“ zurückblickt: Was würdet ihr genauso wieder machen und was anders?
Constantin: Ich würde auf jeden Fall unsere Do-it-yourself-Mentalität beibehalten. Wir machen einfach – und manchmal fallen wir damit auch auf die Nase. Aber genau dadurch sammeln wir Erfahrungen und werden gescheiter. Gleichzeitig gibt es natürlich Dinge, bei denen wir heute sagen: So würden wir es nicht mehr machen.
Valentin: Ich würde mir rückblickend vor allem den Druck nehmen. Beim ersten Album war dieses extreme Perfektionsstreben da: Das müssen wir noch 17-mal aufnehmen, weil vielleicht noch drei Prozent mehr gehen. Beim zweiten Album haben wir viel mehr Lockerheit zugelassen. Wenn bei einer Gitarrenaufnahme einmal etwas scheppert, ist das okay. Es darf menscheln, es darf atmen.
Man sagt ja, das zweite Album gilt oft als das schwierigere. Habt ihr diesen Druck gespürt?
Chris: Für mich war es ja das Erste, weil ich erst später dazu gekommen bin. Dementsprechend war ich relativ entspannt (lacht).
Constantin: Wir haben uns diese Freiheit von Chris einfach mitgenommen. In dieser Konstellation hat sich vieles tatsächlich wie ein erstes Mal angefühlt. Das hat dem Album eine gewisse Leichtigkeit gegeben (lacht).
Valentin: Ich habe es sogar umgekehrt empfunden. Beim zweiten Album waren wir in unserer Vision viel klarer. Beim ersten haben wir unsere Klangwelt noch erkundet und sehr viel ausprobiert. Jetzt waren wir viel gefestigter und wussten besser, was wir machen wollen.
Wie sollte denn „A Little Love“ klingen? Hattet ihr von Anfang an eine klare Vorstellung?
Constantin: Uns war wichtig, akustische Instrumente stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Das Album ist weniger elektronisch als das Erste. Vieles wurde wirklich mit Mikrofonen in einem Raum eingefangen - manchmal zu zweit in ein Mikrofon schreiend, manchmal ganz intim mit Akustikgitarre. Wir kommen alle vom Instrument und das wollten wir festhalten.
Valentin: Es fühlt sich sehr handgemacht an. Beim ersten Album wollten wir noch alles möglichst sauber voneinander trennen. Jetzt haben wir manchmal zu dritt in einem Raum aufgenommen – da trägt im Hintergrund jemand seinen Kaffee vorbei oder man hört die Klimaanlage. Früher hätten wir Angst gehabt, dass irgendwann die „Klangpolizei“ kommt und sagt: Das habt ihr falsch gemacht. Heute darf das sein. Es darf ruhig menscheln und atmen.
Wie läuft bei euch der kreative Prozess denn eigentlich ab und wie entsteht ein NOW.-Song?
Valentin: Meistens gibt es eine zündende Idee – einen Textfetzen oder ein Thema, das jemanden gerade beschäftigt. Dann schnappen wir uns ziemlich schnell eine Akustikgitarre, setzen uns ans Schlagzeug oder Keyboard und versuchen, diese Stimmung einzufangen.
Welcher Track beschreibt NOW. am besten?
Constantin: Soundmäßig wäre es für mich „Boomerang“. Mit dem Song beginnt auch das Album. Thematisch passt er ebenfalls gut, weil es viel um Beziehungen, Loslassen und dieses Aufeinander-Zu- und wieder Voneinander-Wegbewegen geht. Das ist schon ein Kernthema der Platte.
Valentin: Ich würde auch „Boomerang“ sagen oder „Live in the Past“. Der fängt die Stimmung dieser Phase gut ein und ist sehr roh. Akustikgitarre, echtes Schlagzeug – das sind Songs, bei denen ich sage: Das ist unser Sound.
Chris: Ich finde das Album hat verschiedene Facetten. Wir bewegen uns teilweise in Richtung Indie, haben aber mit Songs wie „Britney“ auch rockigere Ausreißer. Es klingt also nicht jeder Song gleich - hoffentlich (grinst).
Apropos „Britney“: Warum heißt die Nummer ausgerechnet so?
Valentin: Die Platte beschäftigt sich viel mit dem Thema loslassen. Bei „Britney“ ging es um dieses maximale Gefühl davon: Du stehst um vier Uhr früh sturzbetrunken in einer Karaokebar und lässt einfach alles hinter dir. Dann kam die Frage: Welchen Song singt man in diesem Moment? Neben „Bohemian Rhapsody“ war für uns schnell klar: auf jeden Fall Britney Spears – am besten „...Baby One More Time“. Daraus ist die Idee entstanden.
Ihr setzt bewusst auf handgemachte Musik. Macht euch die Entwicklung von KI in der Musikbranche Angst?
Constantin: KI wird auch bei uns im Studio schon genutzt, etwa als Anstoß oder Referenz. Da steckt durchaus wertvolles drin. Aber Musik handelt letztlich vom Menschsein, von Gefühlen und vom Erleben. Das kann eine KI nicht ersetzen. Gerade beim Live-Musizieren sehe ich deshalb große Chancen für uns.
Chris: Angst eigentlich nicht. Die Emotion, die wir mit unseren Instrumenten transportieren, und die Fingerfertigkeit, die man sich über Jahre erarbeitet hat, kann man nicht einfach ersetzen. Man kann KI als Hilfe verwenden. Als Fast Food aufgekommen ist, haben ja auch nicht plötzlich alle guten Restaurants zugesperrt. Ich glaube, beides wird nebeneinander existieren. Valentin: Fachlich ist extrem beeindruckend, was bereits möglich ist. Aber spätestens, wenn es darum geht, Emotionen zu transportieren und einen Menschen auf der Bühne zu erleben, mache ich mir keine Sorgen.
Am 17. Oktober spielt ihr in Wien. Was erwartet die Fans an diesem Abend?Valentin: Ein sehr enger Freund von uns, der Songwriter Dave McKendry, wird den Abend eröffnen. Allein dadurch fühlt es sich schon wie eine gemeinsame Feier an. Natürlich wird es das neue Album zu hören geben, dazu unsere Favoriten vom Ersten.
Constantin: Live gehen wir außerdem wieder stärker zurück zum Ursprung. Bei den letzten Konzerten haben uns teilweise Backing Tracks unterstützt. Jetzt streichen wir das und jeder Klang entsteht tatsächlich durch die Musiker auf der Bühne. Das gibt wahnsinnig viel Power. Und wir stehen erstmals zu viert auf der Bühne. Unser Freund Johnny Falter wird uns an der Gitarre begleiten. Bisher waren wir immer zu dritt und irgendwann haben wir gemerkt: Da ist noch Platz. Das wird für uns eine echte Neuerung und etwas Besonderes.
Auf welche Stadt der Tour freut ihr euch besonders?
Valentin: Ich persönlich auf Innsbruck. Allein schon wegen des Cafés gegenüber mit den besten Pistazien-Croissants (lacht). Aber auch die Landschaft dort finde ich beeindruckend. Wir sind sehr viel im Osten Österreichs unterwegs, deshalb sind Innsbruck und Vorarlberg für uns immer etwas Besonderes.
Chris: Wir freuen uns offenbar vor allem auf Kaffeehäuser (lacht).
Was sollen die Leute nach einem NOW.-Konzert mit nach Hause nehmen?Chris: Freude. Ich möchte, dass sie spüren, was wir machen, und dieses Gefühl mitnehmen.
Constantin: Und im besten Fall kommen sie beim nächsten großen Wien-Konzert wieder. Wir wollen sie schließlich nicht vertreiben, sondern gewinnen.
Und wo steht NOW. in fünf Jahren?
Valentin: Unser Ziel wäre zumindest einmal eine ausverkaufte Arena – und dann irgendwann die Stadthalle (lacht). Nein, im Ernst: Wir möchten das kontinuierlich aufbauen. Letztes Jahr haben wir in der Szene Wien gespielt, heuer spielen wir im Loft und wir planen schon, wo es nächstes Jahr hingehen könnte. Wir setzen uns realistische, aber ambitionierte Ziele. Und natürlich wäre es schön, wenn eine Stadthalle in fünf oder spätestens zehn Jahren realisierbar wäre.
Wer nun Lust, auf pure handgemachte Musik hat und die Band NOW. live erleben möchte, kann sich noch Tickets unter www.now-music.at holen!
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