Über 50.000 Euro blieb ein US-Amerikaner einem Wiener Hotel schuldig. Dort gastierte er als angeblich angesehener Neurochirurg. Während er kurz nach seiner Festnahme noch beteuert, das würde die wirtschaftliche Verbindung zwischen Österreich und den Vereinigten Staaten schädigen, fließen jetzt im Landl Tränen.
Selten dauert die Überprüfung der Generalien im Wiener Landl so lange, wie im Prozess gegen einen US-Amerikaner. Besonders bei seiner Ausbildung hält er einen ausschweifenden Monolog. Und man bekommt den Eindruck, es gibt nichts, was der 44-Jährige nicht kann: Biotechniker, Unternehmensberater, Investmentbanker, psychologischer Berater, Neurochirurg und mehr. Studiert habe er unter anderem an der Eliteuniversität von Harvard und einer Einrichtung in Russland.
Als Neurochirurg Seminarräume gemietet
Vor dem Schöffensenat sitzt er jetzt aber als Betrüger. „Der Angeklagte wollte ein luxuriöses Leben leben, in schönen Hotels wohnen, reisen und Assistentinnen haben“, klagt die Staatsanwältin an. Der Hauptvorwurf: Gegenüber einem Hotel beim Wiener Prater soll er sich als angesehener US-amerikanischer Neurochirurg ausgegeben haben und mietete monatelang Seminarräume an – 50.000 Euro blieb er von September bis Dezember 2025 schuldig.
Betrüger gesteht: „Es war Gier“
Noch bevor er gefragt wird, platzt es aus dem US-Amerikaner heraus: „Ich möchte ein Geständnis ablegen.“ 2022 hätte er ein Jobangebot von einer großen Firma in den USA bekommen, die sich auf Künstliche Intelligenz spezialisiert habe. Versprochen wurden ihm Unsummen an Geld. Für welche Tätigkeit bleibt im Prozess offen. Der 44-Jährige gibt zu: „Es war eine gewisse Gier dabei, dass ich für diese aufregende Firma arbeiten kann.“ Zu der Network-Marketing-Firma will er aber nichts Näheres sagen ...
Jedenfalls hätte es dann erhebliche Probleme gegeben – der Geldfluss blieb aus. „Als ich erfahren habe, dass sie das Hotel und mein Gehalt nicht zahlen werden, hätte ich die Leistungen des Hotels nicht mehr in Anspruch nehmen sollen“, übernimmt der Familienvater Verantwortung. „Im Nachhinein hätte ich das nicht zulassen sollen.“ Denn auch seinen gleich zwei Assistentinnen blieb er über 10.000 Euro schuldig.
Meine Festnahme wegen nicht bezahlter Rechnungen hat Auswirkungen auf die Wirtschaft zwischen Österreich und den Vereinigten Staaten.
44-Jähriger nach seiner Festnahme in Prag
„Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen“, meint der 44-Jährige. Im Ermittlungsverfahren war das Ganze aber noch ganz anders. Im Juni wurde der vermeintlich erfolgreiche Unternehmer in einem Vier-Sterne-Hotel in Prag festgenommen. Und sorgte dann mit seinen Aussagen für schmunzeln: „Meine Festnahme wegen nicht bezahlter Rechnungen hat Auswirkungen auf die Wirtschaft zwischen Österreich und den Vereinigten Staaten“, empörte sich der Betrüger.
Davon ist im Wiener Landl nichts mehr übrig: Unter Tränen nahm er schließlich das Urteil wegen schweren gewerbsmäßigem Betrug an. 14 Monate teilbedingte Haft – drei davon muss er tatsächlich absitzen, was er aber bereits in Untersuchungshaft tat. Nach dem Prozess darf er also wieder nach Hause gehen. Ob das die USA sind, bleibt offen.
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