In den vergangenen Wochen ist es für die ukrainischen Streitkräfte immer schwieriger geworden, Kiew zu schützen. So hat die russische Armee etwa ihre Shahed-Drohnen, die ursprünglich iranischer Bauart waren, mit Düsenantrieb versehen. Frühere Typen hatten einen Propeller, waren langsam und flogen niedriger.
„Als die Russen merkten, dass wir ihre Shahed gewöhnlich abschießen, haben sie neue entwickelt, die schneller und höher fliegen“, sagte ein ukrainischer Truppenführer. Der neueste Typ Geran-5 fliegt nach Angaben des Militärgeheimdienstes HUR der Ukraine 450 bis 600 Kilometer pro Stunde schnell und maximal 6000 Meter hoch. Geran-4 ist etwas kleiner und langsamer. Sie klingen wie Düsenflugzeuge und schlagen zu jeder Tages- und Nachtzeit in Kiew ein.
Gegen die alten Shahed war die Trefferquote noch gut, doch für die neue Generation russischer Drohnen schießen die alten Maschinengewehre aus Sowjetzeiten, die in den 1970er-Jahren gebaut wurden, nicht hoch genug.„Wir können sie treffen, wenn sie unter 1500 Meter fliegen“, sagte der Truppenführer. Dafür müssen die feindlichen Flugkörper beim Zielanflug vor den Doppellauf geraten.
Freiwillige im Einsatz
Die ukrainische Flugabwehr wird inzwischen von Freiwilligen mit Militärerfahrung unterstützt. Ihre Wache dauert von acht Uhr abends bis acht Uhr morgens. „Meine Projekte fressen viel Zeit. Deshalb mache ich das an meinen freien Tagen“, sagte ein Unternehmer. Ihr Antrieb sei es, Frauen und Kinder zu schützen, ergänzte der Truppenführer. Die Freiwilligen haben sich sowohl die Uniformen und die Ausrüstung als auch ein Auto selbst beschafft. Die Armee stellt das Flugabwehrgeschütz mit Munition.
Zudem gibt es die alten deutschen Flugabwehrpanzer Gepard und elektronische Abwehrmittel. Doch auch sie haben ihre Mühe mit den schnellen Drohnen. Die Freiwilligen arbeiten vor allem mit einem Tabletcomputer, der auf einer Karte zeigt, wie die feindlichen Drohnen anfliegen. „Wir beobachten, sammeln Informationen und geben sie weiter“, sagte einer der Männer.
Neue Taktik angekündigt
Die deutschen Flugabwehrsysteme Iris-T könnten die Geran-5 wohl abschießen, doch die Abfangraketen sind teuer. Am erfolgreichsten gehen aktuell ukrainische Kampfjets auf Drohnenjagd. Auch Systeme der Typen Patriot und Nasams schützen die Hauptstadt, die aber eigentlich zur Abwehr ballistischer Angriffe bestimmt sind.
Die Zuspitzung der vergangenen Tage mit immer schwereren Treffern mit Toten und Verletzten hat die Staatsführung auf den Plan gerufen. Eigene Abfangwaffen seien bereits im Gefecht getestet worden, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Abfangrate liegt laut Berichten derzeit bei etwa 60 Prozent. Der neue Verteidigungsminister Jewhenij Chmara kündigte zudem eine neue Taktik an. Die Jet-Drohnen dürften gar nicht erst in die Nähe der Hauptstadt kommen, alle der Teile der Flugabwehr müssten ihre Arbeit an die neue Realität anpassen.
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