Multi-Funktionärin

Kritik an Machtfülle der neuen Kammerdirektorin

Wirtschaft
01.10.2026 07:00

In der Vorwoche bestellte die Wirtschaftskammer Wien mit Karin Jellinek erstmals eine Direktorin. Nun kommt Kritik seitens der Freiheitlichen Wirtschaft: Die neue Frau an Spitze bekleidet 22 Geschäftsführungs-Positionen in ausgelagerten Immobiliengesellschaften. 

Aufmerksamen Beobachtern war der Wechsel an der operativen Spitze der Wirtschaftskammer Wien bereits in den Tagen vor der Präsidiumssitzung aufgefallen: Da fehlte auf der Website plötzlich das Konterfei von WK-Wien-Direktor Gregor Deix, der erst im August 2025 von der Wirtschaftsagentur in die Kammer gekommen war. Dem Vernehmen nach zieht es Deix in die Privatwirtschaft. Also rückte seine Stellvertreterin Karin Jellinek in der Vorwoche an die operative Spitze auf.

Ausgelagerte Immobilien
Jellinek zählt wie ihr Vorgänger als Vertraute von Ex-Präsident Walter Ruck, der Ende Juli aufgrund von Postenschacher- und Sexismus-Vorwürfen zurücktreten musste. Die Juristin bekleidet mehr als 20 Geschäftsführungs-Funktionen in Immobilien-Gesellschaften der WK Wien, in die seit 2023 – wie von der „Krone“ berichtet – Vermögenswerte in Höhe von gut 220 Millionen Euro verschoben wurden. Eingebracht wurden in die Wiener Wirtschaft Holding unter anderem das Haus der Wiener Wirtschaft, das Seminar-Hotel Schloss Hernstein sowie weitere Liegenschaften. Ein Aufsichtsrat fehlt.

„Ansammlung an Funktionen“
Nun hinterfragen Vertreter der Freiheitlichen Wirtschaft die Aufgabenfülle der neuen Direktorin. „Wie soll man eine derart wichtige kaufmännischen Führungsaufgabe seriös erfüllen, wenn gleichzeitig 22 Geschäftsführer-Positionen weitergeführt werden?“, kritisiert der Wiener FPÖ-Wirtschaftssprecher Udo Gugggenbichler. Und Gerald Zmuegg, der Obmann der Freiheitlichen Wirtschaft, erklärt: „Diese Häufung an Funktionen ist jedenfalls aufklärungsbedürftig. Die Unternehmer haben ein Recht darauf zu wissen, wie diese Aufgaben miteinander vereinbar sein sollen und wer letztlich für welche Entscheidungen verantwortlich ist.“ Deshalb könne die Konsequenz nur sein, dass die Geschäftsführerpositionen zeitnah zurückgelegt werden. „Es braucht klare Verantwortlichkeiten statt einer Ansammlung an Mehrfachfunktionen.“

Offen sei auch die Frage nach dem Gehaltspaket der neuen Direktorin – hier brauche es ebenfalls Transparenz. Auf „Krone“-Anfrage zur Vergütungspraxis erklärte die WK Wien zuletzt nur, man berücksichtige im Rahmen der Dienstordnung eine Höchstgrenze.

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