„Er war todgeweiht“

Prozess: Stallbursche starb bei Containerbrand

Gericht
28.09.2026 13:23

Es war kurz vor Weihnachten, als auf einem Pferdehof brannte – in den Wohncontainern der beiden Stallburschen. Einer überlebte das nicht. Im Landesgericht Korneuburg (NÖ) sitzen nun die Stallbesitzerin und ihr Lebensgefährte. Sie hätten die zwei verletzten Rumänen absichtlich vor den Rettungskräften versteckt. „Das war sicherlich eine chaotische Situation“, entscheidet der Richter zugunsten der Angeklagten.

„Als wir eingetroffen sind, war da ein totales Chaos. Ein Brand in der Nacht, es war so viel Rauch“, erinnert sich eine junge Polizistin. Es war halb 1 in der Nacht am 22. Dezember 2025 als die Einsatzkräfte alarmiert wurden: In einem Stall im Bezirk Bruck an der Leitha (NÖ) brennt es. Der Container, in dem die zwei rumänischen Stallburschen wohnten, stand völlig in Flammen.

Verletzte Schwarzarbeiter versteckt?
Die zwei Arbeiter konnten sich im letzten Moment retten – einer der beiden Brüder war jedoch schwerst verletzt. „Sie forderten ihn auf, sich im Büro vor den Einsatzkräften zu verstecken“, klagt der Staatsanwalt die Stallbesitzerin und ihren Lebensgefährten an. Die zwei Rumänen seien nämlich schwarz bei der 57-Jährigen beschäftigt gewesen.

Eine halbe Stunde hätte es gebraucht, bis der völlig verbrannte Mann schließlich behandelt wurde. „Wir waren schon 20 min da und niemand hat gesagt, dass jemand verletzt oder vermisst ist“, sagt ein Sanitäter im Zeugenstand aus. Einige Stunden später verstarb der 38-Jährige im AKH Wien.

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Das Opfer war todgeweiht mit diesen Verbrennungen.

Gerichtsmediziner Wolfgang Denk

Etwas, was sich laut Gerichtsmediziner Wolfgang Denk nicht hätte verhindern lassen können: „Das Opfer war todgeweiht mit diesen Verbrennungen.“ Man hätte nur noch die Schmerzen lindern können. Und weil das fast eine halbe Stunde verzögert worden sei, sitzen die Stallbesitzerin und ihr Lebensgefährte nun wegen Quälen und Vernachlässigen einer wehrlosen Person, unterlassener Hilfeleistung und Aussetzung vor dem Richter. Den zweiten Bruder hätten sie nämlich gleich am nächsten Tag – laut Anklage verletzt und ohne Personalausweis – zurück nach Rumänien gebracht. 

Völlig chaotische Ausnahmesituation
Die zwei Angeklagten streiten das vollumfänglich ab: „Ich weiß nicht, wie Leute reagieren, wenn das ganze Areal in Flammen steht. Ich hab‘ darauf vertraut, dass die beiden Brüder zu mir gesagt haben, dass sie okay sind. Ich hab‘ ja nicht gewusst, dass er so stark verletzt ist“, beteuert die 57-Jährige.

Auch ihr Lebensgefährte spricht von einer Ausnahmesituation: „Für mich war Priorität, nachdem die beiden gesagt haben, es geht ihnen gut, dass den Pferden nichts passiert.“ Das Feuer drohte nämlich auf eine nebenliegende Scheune mit Heu überzuspringen. Während der 38-Jährige sterbend im Büro des Stalles auf einer Couch lag ...

„Ich hab‘ mir gedacht, warum hilft niemand meinem Bruder. Er hat zu mir gesagt, mein Gott warum muss ich hier sterben“, erinnerte sich der überlebende Rumäne bei der Polizei im Jänner – beim Prozess in Korneuburg tauchte er nicht auf.

Straftat
Quälen und Vernachlässigen einer wehrlosen Person und Aussetzung
Strafrahmen
sechs Monate bis fünf Jahre
Urteil
Freisprüche
nicht rechtskräftig

Letztlich glaubt der Richter den zwei Stallbetreibern: „Das war sicherlich eine chaotische Situation. Das Verfahren hat nicht ergeben, dass Sie einen Überblick hatten, wie es den zwei Männern wirklich geht. Hier sind viel zu viele Zweifel.“ Also gibt es für die Niederösterreicherin und ihren Lebensgefährten nicht rechtskräftige Freisprüche. Die Brandursache konnte übrigens nie sicher geklärt werden ...

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