Die eingewanderte Quaggamuschel hat bereits den gesamten Bodensees und Teile des Rheins erobert – mit dramatischen Auswirkungen. Nun testen die beiden Schweizer Kantone Thurgau und Schaffhausen, ob man die Muschelschalen nachhaltig zu Zement oder Düngemittel verarbeiten kann, um die hohen Kosten für deren Entfernung auszugleichen.
Die ursprünglich aus den Zuflüssen des Schwarzen Meeres stammende Quaggamuschel ist eine echte Plage. Bis in eine Tiefe von rund 30 Metern hat sie bereits den gesamten Bodensee bevölkert, die ökologischen und wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. Die gefräßigen Muscheln filtern in großem Stil Nährstoffe aus dem Wasser und entziehen somit anderen Arten die Nahrungsgrundlage. Zudem verstopfen sie Wasserleitungen und Filter, was insbesondere für die Trinkwasserversorgung – im süddeutschen Raum beziehen über fünf Millionen Menschen ihr Trinkwasser aus dem „Schwäbischen Meer“ – eine Gefahr darstellt. Um die Infrastruktur am Bodensee „quaggasicher" wären laut Studien Investitionen in Milliardenhöhe notwendig.
Aufwendige Baggerarbeiten am Hochrhein
Aber auch im Hochrhein sorgen die Quaggas für jede Menge Ärger, die massenhaften Ablagerungen toter Schalen behindern bei tiefem Wasserstand die reguläre Schifffahrt. Der Kanton Thurgau versuchte bereits im Jahr 2024, die prekäre Situation mit aufwendigen Baggerarbeiten in den Griff zu bekommen. Dies verursachte jedoch ebenfalls hohe Kosten, darüber hinaus wusste man an Ende schlichtweg nicht, wohin mit dem ausgebaggerten Material.
Tests in der Industrie
Die Kantone Schaffhausen und Thurgau suchen nun nach einer Verwertung für das Muschelsediment, zumal die Baggerarbeiten auf lange Sicht nur finanzierbar seien, wenn das Material nachhaltig genutzt werden könne. Aktuell läuft ein Industrieversuch in einem Zementwerk. Dort wird geprüft, ob die kalkhaltigen Schalen als Ersatz für natürlichen Kalkstein dienen können. Auch der Einsatz als Düngemittel wird derzeit getestet.
Niedriger Pegelstand hilft
Für diese Tests werden in der letzten Septemberwoche rund 100 Kubikmeter der abgelagerten Reste entnommen. Die Baggerarbeiten finden unterhalb der Ortschaft Stein am Rhein statt. Der Zeitpunkt ist ideal: Weil der Pegelstand aktuell sehr niedrig ist, kann ein Löffelbagger das Material direkt vom Ufer aus sicher abtragen. Ob sich die Schalen wirklich als Baustoff oder Dünger eignen, wird sich frühestens gegen Ende des Jahres zeigen, bis dahin sollen die ersten Ergebnisse vorliegen.
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