Die Flüchtlingswelle 2015 hat hohe Wellen geschlagen. Nicht wenige sorgten für negative Schlagzeilen. Doch es gibt auch jene, die sich in Österreich gut integrieren und ihren Traum von einem neuen Leben erfüllt haben. Die „Krone“ hat einige vor den Vorhang geholt.
Ein neuer Anfang ist selten einfach – besonders dann, wenn Sprache, Ausbildung oder fehlende Berufserfahrung den Einstieg ins Arbeitsleben erschweren. Doch mit der richtigen Unterstützung kann aus einem schwierigen Start eine echte berufliche Perspektive werden. Diese Beispiele zeigen, dass es gelingen kann.
Die Geschichten dieser Menschen zeigen, was möglich ist. Das ist erfolgreiche Arbeitsmarktintegration und letztlich auch Integration in unsere Gesellschaft.

SPÖ-Sozialministerin Korinna Schumann
Bild: APA/HELMUT FOHRINGER
Frau Roken Farho hat in Damaskus Wirtschaftswissenschaften studiert und war in Syrien als Buchhalterin tätig, bis sie in Österreich Fuß fasste. Im Dezember 2015 ist die junge Akademikerin über die Türkei nach Bulgarien geflüchtet und konnte so in Europa ein neues Leben starten. „Ich habe schon während meines Studiums zwei Jahre lang gearbeitet“, sagt die 37-Jährige, die Zahlen liebt. Frau Farho ist Mutter von zwei Kindern, ihr Mann arbeitet in einem Baumarkt. Sie spricht Arabisch, Kurdisch und Deutsch. Deutsch brachte sie sich zu Hause im Selbststudium bei, denn mit den Kindern, die fünf und zehn Jahre alt sind, sei es schwierig, Kurse zu besuchen. Um ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen, möchte sie eine freiwillige Tätigkeit übernehmen. Die Caritas oder die Volkshilfe würden sich ihrer Meinung nach am besten dafür eignen. Gerne will die Linzern ihre Zeit dafür nützen, um mit Menschen in Kontakt zu treten und ihnen in diesem Land, das ihr perfekte Chancen bietet, zu helfen. Außerdem kann sie sich gut vorstellen, eine Weiterbildung zu machen, die mit Kochen zu tun hat.
Mit gerade einmal 17 Jahren kam Jasmin Navid 2018 alleine nach Wien. In einer fremden Stadt musste sich die Jugendliche ein neues Leben aufbauen. Von der Wohnungssuche bis hin zu Behördenwegen. Unterstützung fand sie bei der Beratungsstelle sprungbrett. „Die ersten zwei Jahre waren sehr schwer. Ich konnte kein Deutsch, aber sprungbrett hat mir sehr geholfen.“ In Windeseile lernt die junge Frau die Sprache – und beginnt sich nach einer Lehrstelle umzusehen. Ihre Wahl fiel auf einen Beruf, in dem Frauen selten anzutreffen sind: Veranstaltungstechnikerin. Vor kurzem hat die heute 25-Jährige ihr Abschlussarbeit abgegeben. An ihrem Beruf schätzt sie die tägliche Abwechslung: „Jeder Tag ist spannend. Ich arbeite in einem Theaterhaus und mit jedem Stück stehen wir vor neuen Herausforderungen.“ Mit ihrem Weg will Navid auch anderen jungen Frauen Mut machen. „Frauen können alles schaffen, was sie sich vornehmen.“ Sie steht als Paradebeispiel, sich bei der Berufswahl nicht von klassischen Rollenbildern einschränken zu lassen.
Susan Rahmani lebt in Wien. Die 43-Jährige hat es geschafft, in Afghanistan ein Studium abzulegen, und zwar eines, das Männern vorbehalten ist. „Mein Vater hat gemeint, zuerst studieren und dann arbeiten“, erzählt sie. Man habe in der Hauptstadt Kabul gelebt, dort sei es etwas leichter gewesen, eine Uni zu besuchen. Als die IT-Technikerin nach Österreich gekommen ist, konnte sie sich nur auf Englisch verständigen, das hat sich aber rasch geändert. Hier hat sie neben Deutsch auch Ausbildungen zur Trainerin und Sozialarbeiterin absolviert. Heute arbeitet sie als Sozialberaterin bei der Diakonie in Wien. Susan hilft beim Ausfüllen von Anträgen, bei Schulanmeldungen oder bei der Suche nach Kindergartenplätzen. Schon in ihrer alten Heimat unterstützte sie Frauen. An Österreich schätzt sie die Sicherheit. „Hier gibt es keine Bomben. Ich kann offen meine Meinung sagen. Nachbarn und Arbeitskollegen sind ausgesprochen nett. Die Menschen sind hilfsbereit und es gibt keine Trennung zwischen Mann und Frau“, sagt sie.
Sein Weg in Österreich begann praktisch bei null: Burhan Barkal (26) aus Syrien lebt mit seinen zwei Kindern in St. Pölten. In der Türkei hatte er bereits als Elektriker und Elektroniker gearbeitet, doch für einen beruflichen Neustart in Österreich reichte diese Erfahrung zunächst nicht aus. 2023 meldete sich Barkal beim AMS arbeitslos. Es folgten ein Alphabetisierungskurs, Deutschkurse bis zum Niveau B1 und schließlich der nachgeholte Pflichtschulabschluss. Unterstützt wurde der junge Familienvater dabei vom AMS und der Beratungsstelle FAIR. Zwischendurch arbeitete er als Lagerhilfsarbeiter. „Der Neuanfang war schwierig, aber ich wusste einfach, dass ich weiterkämpfen muss.“ Und das hat sich definitiv ausgezahlt: Seit August absolviert der 26-Jährige eine verkürzte Lehrausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Der Betrieb übernimmt die praktische Ausbildung, das AMS sorgt währenddessen für die finanzielle Absicherung. Eines steht fest, der Syrer möchte hier ein Leben aufbauen und eines Tages sogar seine eigene Werkstatt aufmachen.
Frau Bothina Houran flüchtete im Dezember 2015 von Syrien nach Österreich und landete in Linz, das ihre neue Heimat geworden ist. „Anfangs war es sehr schwierig“, erzählt sie. Denn die heute 37-Jährige war damals beim vierten Kind schwanger. Doch Bouthina kämpfte sich durch, absolvierte einen Deutschkurs nach dem anderen und schaffte schließlich den Lehrgang für Pädagogik. Bald fand sie eine Stelle als Hortassistentin. Die vierfache Mutter kann mit Kindern umgehen. Seit vier Jahren arbeitet sie als pädagogische Schulassistentin an einer Mittelschule in der oberösterreichischen Landeshauptstadt.
Schon in ihrer alten Heimat war die gebürtige Syrerin als Lehrerin tätig und unterrichtete unter anderem Soziologie, Psychologie und Philosophie. Auch ihre vier Kinder haben beste Lernerfolge. An Österreich schätzt sie die vielen Freiheiten, die man hier hat, wenn man etwas arbeiten möchte. „Es gibt hier so viele Möglichkeiten zu lernen und neue Berufe zu ergreifen“, meint die Schulpädagogin.
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