Ein obdachloser Pole (52) entfachte mit Gebetsbüchern und Kerzen eine Feuersbrunst in der Pfarrkirche im niederösterreichischen Bruck an der Leitha. Der Schaden im Gotteshaus war groß. Dennoch vergibt der Priester mitten in der Verhandlung im Landesgericht Korneuburg dem Mann mit einer rührenden Geste.
„Mir war kalt“, begründet der in seiner Heimat zehnmal Vorbestrafte seine Tat vom 7. Februar 2026. Auf Videos zu sehen ist, wie der obdach- und beschäftigungslose Pole in der Pfarrkirche Bruck an der Leitha (NÖ) zu Bibeln und Zeitschriften greift und diese in die brennenden Gebetskerzen wirft. „Anschließend trat er einen Kerzenständer um und schüttete Kerzenöl aus, um das Feuer noch mehr zu entfachen“, trägt die Staatsanwältin vor. Der Schaden: 230.000 Euro.
15 Lebensjahre im Gefängnis verbracht
„Haben Sie mit dem lieben Gott gehadert an diesem Tag?“, fragt Richter Manfred Hohenecker den Brandstifter. „Ich habe Hilfe gesucht. Und Wärme“, beteuert dieser.
Man kann sich am Feuer wärmen, aber nicht so, dass eine Kirche abbrennt. Da muss mehr dahinterstecken.

Gerichtsgutachter Peter Hofmann
Bild: Klemens Groh
Gerichtsgutachter Peter Hofmann erklärt, dass Kirchen in der Obdachlosenszene beliebte Aufenthaltsorte sind. „Dort sind oft hilfsbereite Menschen oder ein Pfarrer, der einem ein paar Euro gibt.“ Doch sei die Verantwortung des Mannes, dass diesem einfach nur kalt gewesen sei, nicht nachvollziehbar: „Man kann sich am Feuer wärmen, aber nicht so, dass eine Kirche abbrennt. Da muss mehr dahinterstecken“, sieht er bei dem Mann, der seit seinem 15. Lebensjahr dauerstraffällig ist, eine gefährliche Kombination aus Alkoholsucht, Aggressivität und Depressionen, mit „extrem schlechter Prognose“. Insgesamt 15 Lebensjahre saß der 52-Jährige bereits hinter Gittern.
Dreieinhalb Jahre Haft und Anstaltseinweisung
Der gläubige Pole gibt sich im Prozess wortkarg. Außer, als er die Gelegenheit bekommt, sich persönlich beim Pfarrer zu entschuldigen. Dieser geht daraufhin mitten in der Verhandlung zur Anklagebank, reicht dem Mann mit den Worten „Alles Gute. Gott segne Sie“, die Hand. Der Pole ist dadurch merkbar erleichtert. Er nimmt die dreieinhalb Jahre Haft samt Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum an.
Auf Hoheneckers Frage, ob er die Strafe in Österreich oder in seiner Heimat Polen verbüßen möchte, hält der Mann kurz inne. Um dann zur Dolmetscherin zu sagen: „w Austrii“ – in Österreich.
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