Besuch beim Präsident

Umweltschützer verbünden sich und äußern Bedenken

Vorarlberg
25.09.2026 14:45
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Mit deutlichen Worten haben die Vertreter von Vorarlbergs führenden Umweltverbänden am Freitag ihre gemeinsamen Stellungnahmen zum Naturschutz-Deregulierungsgesetz an Landtagspräsident Harald Sonderegger (ÖVP) überreicht. Das Gesetz soll den Schutz von Ufern, Mooren und die Rechte der Naturschutzanwaltschaft massiv beschneiden.

Die Verantwortlichen der Vorarlberger Naturschutzorganisationen machen gemeinsam Front gegen die geplante Naturschutznovelle. Eine breite Allianz – darunter der Alpenverein, der Naturschutzbund, der Fischereiverband sowie der Verein Bodenfreiheit – äußerte am Freitag bei einem Besuch beim Landtagspräsidenten umfassende Bedenken gegen das Naturschutz-Deregulierungsgesetz. 

Zahnloser Schutz trotz Hitzesommer
Im Kern der Kritik steht die geplante Beschneidung der Naturschutzanwaltschaft. Werde diese unabhängige Instanz geschwächt, verliere das Ehrenamt seine stärkste Stimme in Behördenverfahren, argumentierten die Naturschützer. Besondere Brisanz erhalte die Gesetzesnovelle durch die aktuellen Erfahrungen: Während die Landesspitze öffentlich die Folgen des dramatischen Hitzesommers 2026 analysiere, plane diese parallel die Herabsetzung zentraler Schutzstandards.

Notwendiger Puffer für die Gewässer
Vor allem die Schrumpfung der Uferschutzstreifen auf magere fünf Meter stößt bei Experten auf völliges Unverständnis. Ein von den Verbänden vorgelegtes Fachgutachten belegt, dass schmale Streifen weder Hochwasserschutz noch Artenvielfalt sichern können. „Naturnahe und entsprechend dimensionierte Uferschutzbereiche wirken multifunktional. Sie leisten einen wichtigen Beitrag für Lebensräume im Wasser und an Land“, betont Peter Mayerhofer, Präsident des Fischereiverbandes Vorarlberg.

Ebenso scharf kritisieren die Verbände die Aufweichung beim Moorschutz – ausgerechnet in jenem Bundesland, das ein Viertel aller österreichischen Moore beheimatet. „Moore speichern weltweit mehr Kohlenstoff als alle Wälder. Vorarlberg ist die Moorhochburg Österreichs, doch viele sind bereits stark gefährdet. Wir müssen uns für ihren Erhalt einsetzen, statt sie weiter zu schwächen“, hebt Günther Ladstätter vom Naturschutzbund die Bedeutung der Moore hervor.

Grünes Licht für mehr Beton
Auch im besiedelten Raum drohen durch höhere Bewilligungsschwellen Rückschritte bei Entsiegelung und Begrünung. Kerstin Riedmann vom Verein Bodenfreiheit verweist auf den direkten Nutzen für die Bevölkerung: „Der vergangene Sommer hat klar gezeigt, dass Grünflächen und Bäume in bebauten Gebieten unverzichtbar sind.“ Wenn in Verfahren eine fachkundige Stimme auf Naturschutz, Bepflanzung und Entsiegelung achte, würden Projekte besser – und davon würden alle profitieren.

Mit der Übergabe der Stellungnahmen an Landtagspräsident Harald Sonderegger fordern die Organisationen die Mitglieder des Landtags auf, das Gesetzesvorhaben in dieser Form zu stoppen und den Schutz intakter Ökosysteme nicht der Entbürokratisierung zu opfern.

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