„Krone“-Kolumne

Keine Hofberichterstattung für Donald Trump

Kolumnen
23.09.2026 06:45

Im Lichtschein einer Kerze gründeten Henry Raymond und George Jones vor 175 Jahren eine Zeitung, die sich völlig von den damaligen Revolverblättern abheben sollte – seriös und faktenbasiert: die „New York Times“ (damals noch mit dem Zusatz „Daily“). Aber vor allem sollte sie unabhängig sein. Wenn auch im Sinne der Werte von Raymond, der die Republikanische Partei mitbegründete.

Adolph Ochs, der die „Times“ 1896 kaufte, bekräftigte das Credo, „dass sie die Nachrichten unparteiisch verbreitet, ohne Furcht oder Gunst, ungeachtet der Partei, der Glaubensrichtung oder der Interessen, um die es geht“.

Es gelang nicht immer in ihrer langen Geschichte. Neben all den journalistischen Glanzleistungen gab es auch Versäumnisse und Fehlentscheidungen. Doch heute sichert eine eigene Abteilung mit scharfer Selbstkritik und stetem Hinterfragen der Inhalte die Glaubwürdigkeit in Zeiten von Fake News. Und die Unabhängigkeit, die auch heute noch Leitgedanke ist.

175 Jahre später mag von Raymonds ehrenwerter „Grand Old Party“ wenig übrig geblieben sein, die „NYT“ jedoch verteidigt nach wie vor die Demokratie. Umso mehr unter einem Präsidenten, der die Pressefreiheit mit Füßen tritt. Trump schart lieber ihm ergebene Influencer und devote „Journalisten“ als Hofberichterstatter um sich – und verbannte eben erst kritische TV-Stationen aus dem Weißen Haus.

Dunkle Zeiten für die Pressefreiheit. Die „New York Times“ bleibt hoffentlich ein Lichtschein des unabhängigen Journalismus.

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