Für blinde und sehbehinderte Fahrgäste ist der Umstieg am Liesinger Busbahnhof in Wien oft kaum zu bewältigen: Die Linie 250 hält bei der Ankunft nicht immer am selben Steig, dazu kommen Mängel beim taktilen Leitsystem. Nun soll ein runder Tisch mit Betroffenen Lösungen bringen und die Planung verbessern.
„Schließen Sie einfach einmal die Augen, steigen Sie an einer unbekannten Stelle aus – und versuchen Sie dann, sich zurechtzufinden“, beschreibt Kurt Prall, der Obmann des Blinden- und Sehbehindertenverbandes, gegenüber der „Krone“ bei einem Lokalaugenschein die Herausforderung am Liesinger Busbahnhof. Das Problem: Der Regionalbus der Linie 250 fährt immer wieder unterschiedliche Haltestellen an. Wer aussteigt, muss erst herausfinden, wo er sich genau befindet.
Soziale Lebensader für Sehbehinderte
Doch gerade dieser Bus ist für viele Seheingeschränkte aus Wien sowie Niederösterreich eine soziale Lebensader. Der Blinden- und Sehbehindertenverband betreibt in Breitenfurt nämlich ein Sozial- und Freizeitzentrum. Zu den regelmäßigen Treffen kommen immer wieder bis zu 40 Personen. Viele führt der Weg eben über Liesing.
Schon 2017 wies Prall die zuständigen Stellen darauf hin, dass das Umsteigen wegen wechselnder Ankunftsstellen „extrem schwierig bis unmöglich“ sei. 2022 wurde dann auch noch die Abfahrtsstelle Richtung Breitenfurt verlegt. Blinde Fahrgäste mussten den Weg neu lernen. Dazu kommen Mängel beim taktilen Leitsystem. Für Prall ein unhaltbarer Zustand.
Busbetreiber will Fahrer nochmal sensibilisieren
Die Növog, als Busbetreiber, bestätigt, dass die Linie 250 nicht immer an derselben Stelle ankommt. Die Lenker sollen deshalb den angefahrenen Steig noch im Bus durchsagen. Nach der „Krone“-Anfrage will das Unternehmen nochmals daran erinnern.
Antrag auf einen Runden Tisch mit Betroffenen
Prall hat sich auch an die Freiheitlichen im Bezirk gewandt und ist auf offene Ohren gestoßen. „Stadt und Verkehrsunternehmen müssen sich mit den Behindertenorganisationen an einen Tisch setzen“, so FPÖ-Bezirksrat Yves Bertassi und Bezirksparteiobmann Roman Schmid. Ziel sei, dass sich blinde und sehbehinderte Menschen am Busbahnhof wieder selbstständig orientieren können.
Fix: Der Platz soll umgestaltet werden. Damit alle bei der Planung an einem Strang ziehen, will die FPÖ am Donnerstag im Bezirksparlament einen entsprechenden Antrag einbringen.
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