Neues Kabarett

Moralische Gratwanderung mit Niko Nagl

Kultur
23.09.2026 07:00

Der Wiener Kabarettist Niko Nagl wird in seinem neuen und vierten Soloprogramm zum „Antihelden“: Wir sprachen mit ihm über Koreaner, depperte Schmähs und James Bond, besser gesagt die Bond-Bösewichte.

„Krone“: Sie sind mit 27 Jahren ins Kabarettgeschäft eingestiegen. Warum denn so spät?
Niko Nagl: Ich habe mich davor nicht getraut und gar nicht gewusst, wie ich damit überhaupt beginne. Eigentlich wollte ich Schauspieler werden, aber da hat mir der Zugang gefehlt. Irgendwie bin ich dann im Internet auf Stand-up-Comedy-Videos gestoßen, und dann in Wien in einem (lacht) recht zwielichtigen Club aufgetreten. Das hat ganz gut hingehaut, hab es daraufhin öfter gemacht und so bin ich da reingerutscht.

Was haben Sie denn davor gemacht?
Korea-Wissenschaften und Medieninformatik studiert. Ich habe mir gedacht, eine asiatische Sprache zu lernen, ist zukunftsträchtig. Vielleicht werde ich dann CEO von Samsung Österreich oder Europa oder ich kann in die UNO rein. Im Endeffekt (lacht) habe ich dann beim Koreaner gekellnert.

Jetzt kommt ihr viertes Soloprogramm „Antiheld“. Worum geht‘s?
Es geht in eine sehr schwarz-humorige Richtung und dreht sich um die Fragen: Was ist Heldentum? Und ist das erstrebenswert? Was ist gut, und was ist böse? Es geht also auch ein bisschen in eine philosophische Richtung: Was muss man tun, um das Gute zu bewahren? Muss man dafür vielleicht auch manchmal schlechte Dinge tun? Es ist eine moralische Gratwanderung und natürlich auch eine mit jeder Menge Selbstironie.

Niko Nagl: „Ich lote gerne Grenzen aus!“
Niko Nagl: „Ich lote gerne Grenzen aus!“(Bild: Yu-Ting Tseng)

Ich sehe schon, da muss man mitdenken.
Ja, das kann nicht schaden. Es ist aber nicht nur mentale Onanie, wie man so schön sagt.

Wirklich schön gesagt!
(lacht) Ich versuche immer eine gute Mischung zu bringen und durch alltägliche, leichte Themen oder auch ruhig einmal depperte Schmähs in tieferliegende Gedanken zu dringen. Aber immer so, dass man folgen kann. Dass es nicht zu verkopft wird. Was ich schon will, ist, dass das Publikum geistig stimuliert wird und Inspirationen bekommt.

Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?
Der Mix aus schelmenhaft, philosophisch absurd und sehr sardonisch. Also sehr dunkelhumorig. Dabei versuche ich unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen, nicht zu moralisieren, sondern mich selbst auch als unsympathische Figur auf der Bühne darzustellen.

Das ist Niko Nagl 

  • Zur Person: Wiener Stand-up-Comedian, Kabarettist und studierter Koreanologe
  • Geboren: 1990 in Wien (Alter: 36 Jahre)
  • Wohnort: Wien
  • Werdegang: Masterstudium Koreawissenschaften ➔ Erste Open Mics unter dem Pseudonym „Nikorrekt„ (2017) ➔ Durchbruch mit dem ersten Soloprogramm „Kein Kampf“ (2020)
  • Heute: Fester Bestandteil der deutschsprachigen Comedy-Szene mit Auftritten auf Deutsch, Englisch und Koreanisch.
  • Bekannt für: Scharfzüngige, energiegeladene Stand-up-Comedy, seine Rolle als „Roast Master“ sowie pointierte Geschichten über sein exotisches Koreanologie-Studium, das er als „akademisches Squid Game“ beschreibt.
  • Größter Erfolg: Gewinn des Wiener Kabarettfestivals (2020), Klagenfurter Kabarettpreis „Herkules“ (2022) sowie der renommierte „Silberne Stuttgarter Besen“ (2024).
  • Aktuell: Viertes Soloprogramm „Antiheld“, Premiere am Mittwoch, 23. 9. in der Kulisse Wien
  • Zitat: „Ich mag es, verwerflich klingende Gedanken zu äußer.“
  • Web & Socials: nikonagl.com / @nikonagl

Gibt es eine Grenze, wo Sie nicht drübergehen?
Lassen Sie es mich so sagen: Ich lote gerne Grenzen aus! Und ich finde, das ist auch so ein bisschen die Aufgabe der Kunst. Kabarett ist wie Gedanken äußern. Denken sollte man alles können, auch um Missstände zu entlarven. Das heißt, ich sage vielleicht Dinge, die moralisch verwerflich sind. Die Kunst liegt darin, dass man es so bringt, dass es richtig verstanden wird.

Sie haben gesagt, Schauspiel interessiert Sie auch. Welche Rolle würde Sie denn reizen? Ich glaube die des James Bond ist schon vergeben. 
Das ist ja lustig, es war tatsächlich so, dass ich als Jugendlicher später einmal James Bond Bösewicht werden wollte. Die Rolle des Bond selbst kann man ja als Nicht-Brite nicht spielen. Also wer weiß. Zwei österreichische Bösewichte hat es ja schon gegeben.

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