Die deutsche Autoindustrie steckt seit fast drei Jahren in der Krise. Allein im vergangenen Jahr gingen in der wichtigen deutschen Schlüsselindustrie rund 50.000 Arbeitsplätze verloren. Experten gehen von anhaltendem Beschäftigungsabbau in der Branche auch in den kommenden Jahren aus. Weil die „Hütte überall brennt“, fordert die Gewerkschaft nun Politik und Unternehmen zum raschen Handeln auf. Am Montag ist in ganz Deutschland ein Protesttag abgehalten worden.
Überall im Land versammelten sich Beschäftigte, „um Arbeitgebern und Politik zu zeigen, dass es ihnen reicht“, sagte IG-Metall-Chefin Christiane Benner am Montag vor Tausenden Beschäftigten auf der Betriebsversammlung im Volkswagen-Stammwerk Wolfsburg. „Überall brennt gerade die Hütte“, lautete die Klage. Die Gewerkschaft fordert mehr Schutz vor Dumping-Konkurrenz aus China durch Einfuhrzölle auf Hybridfahrzeuge oder Vorschriften zu lokaler Produktion in Europa. Dazu müsse sich die deutsche Bundesregierung bekennen. „Deswegen ein klarer Appell an die Politik und die Arbeitgeber, diese Autoindustrie nicht vor die Wand zu fahren und danach Fahrerflucht zu begehen, sondern dafür zu sorgen, dass wir zusammen nach vorne kommen.“
VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo sagte, dafür sei auch eine bessere Subventionspolitik nötig. Es benötige Subventionen, die ansatzweise mit dem gleichziehen, was in anderen Märkten zu sehen sei. So bekomme Volkswagen in Kanada Milliarden dafür, eine Batteriefabrik aufzubauen.

„Finger weg von der 35-Stunden-Woche!“
Zu dem Aktionstag unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag“ erwartete die Gewerkschaft Zehntausende Beschäftigte von Autobauern und Zulieferern bei mehr als 280 Aktionen vor den Werkstoren. In den Unternehmen müsse beim Management, zu großer Produktvielfalt und Bürokratie gespart werden. Zukunftsprodukte und Investitionen in die Standorte seien gefragt statt Geldregen für die Aktionäre. Die IG Metall wirft den Arbeitgebern koordinierte Angriffe auf Jobs und Arbeitsbedingungen vor. Rufen nach längeren Arbeitszeiten fürs gleiche Geld entgegnet die Gewerkschaft: „Finger weg von der 35-Stunden-Woche!“
Der regionale Arbeitgeberverband Nordmetall kritisierte die Protestaktionen der Gewerkschaft. „Solche streikähnlichen ,Aktionstage‘ belasten die Unternehmen zusätzlich und schwächen unsere norddeutschen Standorte im harten internationalen Wettbewerb weiter“, erklärte Geschäftsführer Nico Fickinger. Nachwort: „Proteste vor Werkstoren lösen keine Probleme.“
Woran Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit krankt
Die Unternehmensberatung Roland Berger geht von anhaltendem Beschäftigungsabbau in der Branche bis zum nächsten Jahrzehnt aus. In einer Studie für das „Manager Magazin“ hieß es jüngst, von zuletzt knapp 700.000 Arbeitsplätzen werde die Zahl der Mitarbeitenden in den nächsten fünf Jahren auf 490.000 sinken. Die Produktion in Deutschland schrumpfe, die Fertigung von Elektroautos sei weniger arbeitsintensiv als die von Verbrennern und höhere Produktivität erfordere weniger Arbeitskräfte. Hohe Arbeitskosten sind neben Belastungen durch Steuern, Bürokratie und Energiepreise aus Sicht des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall ein Grund für die zu geringe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie und den anhaltenden Stellenabbau.
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