250 Jahre Albertina

Picasso und Bacon: Zwei Meister des Menschlichen

Kultur
18.09.2026 07:00

„What It Feels Like to Be Human“: In der Wiener Albertina treffen zum Jubiläum die Großmeister Pablo Picasso und Francis Bacon aufeinander. Noch bis Ende Jänner zeigt die Schau 70 Werke der beiden prägenden wie herausragenden Künstler des 20. Jahrhunderts.

Wie hat sich das 20. Jahrhundert angefühlt – mit all dem Schmerz, der Zerrissenheit, den Ängsten und Unsicherheiten? Die Albertina geht dieser Frage bis Ende Jänner 2027 mit Kunst nach und zeigt mit der Schau „What It Feels Like to Be Human“ 70 Arbeiten zweier Künstler, die genau das in ihrem Werk versucht haben einzufangen: Was es ausmacht, Mensch zu sein.

Francis Bacon und Pablo Picasso sind einander nie begegnet, was geografisch und zeitlich leicht möglich gewesen wäre. Doch es waren Gemälde Picassos, die den 28 Jahre jüngeren Bacon dazu inspirierten, selbst Künstler zu werden. Zeitlebens hat der Jüngere sich auf das Werk des Meisters der figurativen Abstraktion bezogen, danach gestrebt, ihm in der Anerkennung der Kunstwelt nachzufolgen.

Pablo Picasso Drei Lammköpfe, 1939 65 × 81 cm, Öl auf Leinwand
Pablo Picasso Drei Lammköpfe, 1939 65 × 81 cm, Öl auf Leinwand(Bild: Succession Picasso/Bildrecht, Wien 2026)
Pablo Picasso Badende mit Ball, 1928 33,1 × 19,2 cm, Öl auf Leinwand
Pablo Picasso Badende mit Ball, 1928 33,1 × 19,2 cm, Öl auf Leinwand(Bild: Succession Picasso / Bildrecht, Wien 2026)
Albertina Picasso und Bacon:Pablo Picasso Figur am Meeresstrand, 1929 129,9 × 96,8 cm, Öl auf ...
Albertina Picasso und Bacon:Pablo Picasso Figur am Meeresstrand, 1929 129,9 × 96,8 cm, Öl auf Leinwand(Bild: Succession Picasso / Bildrecht, Wien 2026)
Pablo Picasso Sitzende Badende, 1930 163,2 × 129,5 cm, Öl auf Leinwand
Pablo Picasso Sitzende Badende, 1930 163,2 × 129,5 cm, Öl auf Leinwand(Bild: Succession Picasso / Bildrecht, Wien 2026)
Francis Bacon Selbstporträt, 1972 35,5 × 30,5 cm, Öl auf Leinwand
Francis Bacon Selbstporträt, 1972 35,5 × 30,5 cm, Öl auf Leinwand(Bild: The Estate of Francis Bacon /All rights reserved / Bildrecht, Wien und DACS, London 2026)
Francis Bacon Drei Studien der Isabel Rawsthorne, 1967
Francis Bacon Drei Studien der Isabel Rawsthorne, 1967(Bild: The Estate of Francis Bacon /All rights reserved / Bildrecht, Wien und DACS, London 2026)
Francis Bacon Porträtstudie, 1949 149,4 × 130,6 cm, Öl auf Leinwand
Francis Bacon Porträtstudie, 1949 149,4 × 130,6 cm, Öl auf Leinwand(Bild: The Estate of Francis Bacon / All rights reserved / Bildrecht, Wien und DACS, London 2026)

„Die beiden trennt mehr, als sie verbindet“, schickte Albertina-Direktor Ralf Gleis bei der Presseführung voraus. Gerade das habe ihn gereizt, diese Schau zum 250er des Hauses zu realisieren. Wo sich die beiden treffen, ist ihr spezieller Zugang zur figurativen Malerei. Während Picasso über den Körper den Weg in die Abstraktion ging, wollte Bacon, den Menschen in die Malerei zurückholen – verzerrt, deformiert und als Ausdruck der Schattenseiten menschlicher Seelenzustände.

Düstere emotionale Bilderwelten
„Er war der Ansicht, die Figur neu erfinden zu können, wofür Picasso den Weg geebnet hatte“, umriss Co-Kurator Michael Peppiatt, langjähriger Wegbegleiter Bacons, dessen Impetus. Innere Konflikte, bedrohliche Leidenschaften und verstörende Extreme sind die zentralen Motive der ausgewählten Werke in der Albertina.

Aus den zerfließenden Figuren in den Studien Bacons und verzerrt verschobenen Köpfen Picassos spricht Emotion pur. Der offene Mund zieht sich als Leitmotiv durch viele Arbeiten, der menschliche Körper wird zum Fleisch gewordenen Seelenspiegel, die Grundstimmung ist meist düster.

Emotional kraftvolle Werke
In thematisch gegliederten Räumen – vom Tier bis zu Eros – bietet die Schau mit internationalen, hochkarätigen großformatigen Leihgaben die bisher umfassendste Werkschau zu Bacon in Wien. Leichte Kost ist hier nichts, gerade das macht die Schau jedoch sehenswert.

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