Düstere Prognose:

„Waffenstillstand in der Ukraine erst, wenn …“

Außenpolitik
18.09.2026 07:09
Porträt von krone.at
Von krone.at

Mit einer düsteren Prognose für die Ukraine lässt der österreichische Militärexperte Franz-Stefan Gady aufhorchen. Derzeit gebe es „keinerlei Anzeichen, dass Putin vorhat, den Krieg in naher Zukunft zu beenden“.

Aus seiner Sicht ist die Einnahme der Großstädte Slowjansk und Kramatorsk im Donbass das Minimalziel Russlands, um allenfalls in Friedensverhandlungen einzutreten. „Erst wenn diese Städte fallen oder im Begriff sind zu fallen, würden aus russischer Perspektive erste Verhandlungen stattfinden“, sagte Gady am Donnerstagabend in einer Diskussion mit Mitgliedern des Verbands der Auslandspresse und der Vereinigung der Europajournalisten (AEJ).

Winter begünstigt ukrainische Verteidiger
In wenigen Wochen würden der Winter einsetzen und die Bäume ihre Blätter verlieren, was die Verteidiger begünstigt. Wenn die russische Armee bis dahin nicht zumindest die ersten Häuserreihen von Kramatorsk erreicht und sich dort „eingenistet“ habe, werde es über den Winter schwierig, diese Städte einzunehmen. In Summe sei es daher schwer vorstellbar, dass es vor dem Frühling zu Verhandlungen kommt.

Verhandlungen auf höchster Ebene sind in nächster Zeit nicht zu erwarten.
Verhandlungen auf höchster Ebene sind in nächster Zeit nicht zu erwarten.(Bild: AFP/MANDEL NGAN, ANDREW CABALLERO-REYNOLDS)

Im Kriegsgeschehen sieht Gady einen Vorteil für Russland gegenüber der Ukraine. Russland habe seit 2022 bei Mittel- und Langstreckendrohnen wie auch bei ballistischen Raketen und Marschflugkörpern enorme Fortschritte gemacht. Er habe aber auf der anderen Seite keine Hinweise gefunden, dass die Fähigkeit der Ukraine, mit Drohnen Ziele in einer Entfernung von 30 bis 100 km zu treffen, im südlichen Donbass den russischen Vorstoß in irgendeiner Weise gestoppt hätte.

„Zwischen Krieg und Frieden“
Zwischen Westeuropa und Russland herrsche kein Krieg, aber ein „kriegsähnlicher Zustand“ oder ein Zustand „zwischen Krieg und Frieden“, meinte der Militärexperte. Sollte Russland gegen ein NATO-Land Krieg führen, dann überwiegend aus der Luft. Denn der Westen habe nicht die Fähigkeit zur Abwehr einer großen Menge an Drohnen und Raketen, so Gady.

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