„Aufruf zum Rückzug“
Führten Houthis Jemens Armee mit KI in die Irre?
Die pro-iranische Houthi-Miliz hat nach einer überraschenden Blitzoffensive in der Vorwoche die Hafenstadt Mokka und weitere strategisch wichtige Orte im Jemen erobert und die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab übernommen. Die Nationalen Widerstandskräfte, die Mokka bisher kontrolliert hatten, zogen sich zurück. Die schiitischen Rebellen griffen dabei offenbar nicht nur auf die Hilfe des Iran, sondern auch auf KI zurück.
Besonders brisant sind Berichte, wonach die Rebellen dabei auch künstliche Intelligenz eingesetzt haben sollen. Truppen, die für die internationale anerkannte jemenitische Regierung kämpfen, beschuldigen die pro-iranischen Kämpfer, die Stimme von General Tareq Saleh täuschend echt geklont und damit einen gefälschten Rückzugsbefehl verbreitet zu haben. Soldaten sollen dadurch zum Verlassen ihrer Stellungen bewegt worden sein. Unabhängig bestätigt ist dieser Vorgang allerdings bislang nicht – ebenso wenig, ob die angebliche KI-Täuschung tatsächlich entscheidend für den schnellen Fall der strategisch wichtigen Hafenstadt war.
Deutlich besser dokumentiert ist ein anderer Fall: Der US-KI-Konzern Anthropic stellte fest, dass eine mutmaßlich mit den Houthi verbundene Gruppe sein Programm Claude für militärische Zwecke nutzte. Die Nutzer sollen die KI unter anderem bei der Entwicklung und Verbesserung von Raketensteuerungen eingesetzt haben. Claude wurde demnach zur Programmierung, Simulation und Fehlersuche bei Systemen für Lenkung, Navigation und Flugsteuerung herangezogen. Nach einem gescheiterten Raketentest sollen die Nutzer die KI sogar zur Analyse möglicher Fehler konsultiert haben. Anthropic blockierte schließlich die betreffenden Zugänge.
Neue Dimension der psychologischen Kriegsführung
Ob die KI-Unterstützung bereits zu einsatzfähigen neuen Waffensystemen geführt hat, ist nicht belegt. Auch ein direkter Zusammenhang zwischen der Claude-Nutzung und der Eroberung Mokkas lässt sich derzeit nicht nachweisen. Dennoch zeigen die Fälle eine neue Dimension des Konflikts: Künstliche Intelligenz kann nicht nur bei der Waffenentwicklung helfen, sondern auch für psychologische Kriegsführung missbraucht werden. Sollte sich der Vorwurf der gefälschten Generalstimme bestätigen, hätten die Houthi damit zwei völlig unterschiedliche KI-Fähigkeiten gegen ihre Gegner eingesetzt
Mokka liegt unmittelbar nördlich der Meerenge Bab al-Mandab. Sie ist neben der Straße von Hormuz eine der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten. Von Mokka aus können die Houthis Handels- und andere Schiffe im Roten Meer noch gezielter angreifen oder stören als zuvor. Die Houthis hatten dort in vergangenen Jahren mehrfach Schiffe angegriffen und teils versenkt oder diese gekapert.
Es ist unklar, ob und wie lang die Houthis die neu eingenommenen Gebiete an der Westküste und um die Hafenstadt Mokka halten können. Sie seien seitdem schweren Bombardements ausgesetzt, sagte der Sprecher einer jemenitischen Miliz, die mit der Regierung verbündet ist. Die Offensive sei für die Houthis deshalb eine „Katastrophe“ und werde ihr Ende im Jemen einläuten. „Es gibt jetzt die Gelegenheit, sie zu zermürben“, teilte Asil al-Sakaladi von den sogenannten Riesen-Brigaden mit.
Bevölkerung in Mekka vor Angriffen gewarnt
Unterdessen setzte die schiitische Miliz ihre Angriffe im Jemen und auch in Saudi-Arabien auch am Dienstag fortgesetzt. In mehreren saudischen Städten, darunter erstmals auch in Mekka, sprachen die Behörden Warnungen vor möglichen Bedrohungen aus. Im Gegenzug setzten auch die saudische Luftwaffe und Jemens Regierung ihre Angriffe auf Houthi-Ziele fort. Saudi-Arabien wird teils auch aus dem Nachbarland Irak aus dem Norden angegriffen. Hinter diesen Angriffen werden schiitische Milizen vermutet, die vom Iran unterstützt werden.
Attacken auch aus dem Irak
Auch die folgenschweren Angriffe auf die wichtige saudische Ost-West-Pipeline, die Rohöl ans Rote Meer befördert, wurden aus dem Irak durchgeführt. Der Irak werde keine Angriffe auf andere Länder in der Region zulassen, hieß es vom Sprecher einer irakischen Militärbehörde. Es liefen Ermittlungen, um die Verantwortlichen zu finden, teilte der Sprecher der Staatsagentur INA zufolge mit. Unter anderem hätten Ermittler Startrampen entdeckt, von denen aus Drohnen bei Angriffen auf das Königreich gestartet worden seien.
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