„Inakzeptabel“
Russen feuerten Leuchtraketen auf NATO-Helikopter
Gleich zwei brisante Zwischenfälle sorgen an der NATO-Ostflanke für Aufsehen. Über Litauen haben italienische NATO-Kampfjets eine Drohne abgeschossen. Vor der dänischen Küste feuerte unterdessen eine russische Fregatte zwei Leuchtraketen auf einen dänischen Militärhubschrauber ab.
Die Drohne wurde nach Angaben des litauischen Verteidigungsministeriums am Dienstag kurz nach Mitternacht von italienischen Eurofightern vom Himmel geholt. Die Kampfjets sind auf dem Militärflughafen Siauliai stationiert und übernehmen im Rahmen der NATO-Luftraumüberwachung den Schutz des baltischen Luftraums.
Drohne über Litauen abgeschossen
Die Drohne wurde demnach über einem ländlichen Gebiet nahe dem Dorf Pratkunai abgeschossen, rund 50 Kilometer südöstlich von Kaunas. Nach ersten Erkenntnissen könnte das unbemannte Flugobjekt aus Belarus nach Litauen eingedrungen sein. Genauere Angaben zu Typ und Herkunft lagen zunächst nicht vor.
Im Abschussgebiet wurden Trümmer gefunden, die nun untersucht werden. Angaben über Verletzte oder Schäden gibt es bisher nicht. Es soll sich laut Berichten um den ersten Abschuss einer Drohne über Litauen handeln.
Litauens Präsident Gitanas Nauseda dankte den Einsatzkräften der Allianz für ihre schnelle Reaktion. Angesichts der zunehmenden Aggression Russlands gegen die Ukraine sei diese Bereitschaft für die Region von entscheidender Bedeutung, schrieb er auf X.
Leuchtraketen auf Militärhelikopter
Fast zeitgleich kam es vor der dänischen Küste zu einem weiteren Zwischenfall. Eine russische Fregatte feuerte in internationalen Gewässern nach Angaben des dänischen Militärs zwei Leuchtraketen auf einen dänischen Militärhubschrauber ab. Die Geschosse verfehlten den Helikopter demnach nur knapp.
Der Hubschrauber war laut dänischen Angaben auf einem Routineeinsatz und sollte die russische Fregatte fotografieren. Bei der abgefeuerten Leuchtmunition handelt es sich demnach um Pyrotechnik, die auf See üblicherweise als Warnsignal eingesetzt wird.
Der Forscher Peter Viggo Jakobsen von der dänischen Verteidigungsakademie geht allerdings davon aus, dass es sich um Warnschüsse oder eine Machtdemonstration gehandelt haben könnte. Die Botschaft Russlands sei aus seiner Sicht, dass der Helikopter die Fregatte nicht fotografieren und sich ihr nicht so dicht nähern solle.
Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen bezeichnete den Vorfall auf X als „absolut inakzeptabel“ und bestellte den russischen Botschafter ein. Regierungschefin Mette Frederiksen erklärte, sie sei von dem Vorfall nicht überrascht. Sie sprach von einem zunehmend aggressiv auftretenden Russland, das seinen hybriden Krieg gegen Europa intensiviert habe und die NATO teste und herausfordere. Eine russische Stellungnahme lag zunächst nicht vor.
Baltikum besonders exponiert
Die Ostseeregion steht seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 unter erhöhter Alarmbereitschaft. Seither kam es wiederholt zu Beschädigungen von Gaspipelines und Unterseekabeln, Luftraumverletzungen und Drohnensichtungen.
Litauen befindet sich dabei in einer besonders exponierten Lage. Das Land grenzt an die russische Exklave Kaliningrad und an Belarus, einen Verbündeten Russlands. Nach Angaben der litauischen Regierung verfügt der Militärgeheimdienst über Informationen, wonach Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten erwägen könnte.
Auch die NATO verstärkt ihre Präsenz in der Region. Deutschland baut derzeit in Litauen eine Panzerbrigade auf, die bis 2027 mit rund 4800 Soldaten einsatzfähig sein soll.
NATO-Jets überwachen den Luftraum
Estland, Lettland und Litauen verfügen über keine eigenen Kampfjets. Deshalb übernehmen größere NATO-Staaten abwechselnd die Überwachung ihres Luftraums. Die italienischen Eurofighter in Siauliai hatten bereits im August eine Drohne abgeschossen, die aus Belarus in den Luftraum des benachbarten Lettlands eingedrungen war.
Auch in Estland wurde bereits eine Drohne von NATO-Kampfjets abgeschossen. Bei mehreren früheren Vorfällen in den baltischen Staaten handelte es sich zudem um fehlgeleitete Drohnen, die bei ukrainischen Angriffen auf Ziele im Nordwesten Russlands in den Luftraum eingedrungen waren.
Die dänischen Meerengen sind unterdessen eine zentrale Verbindung zwischen Nordsee und Ostsee und werden von Handels- und Militärschiffen genutzt. Sie sind zudem eine wichtige Route für Öllieferungen, darunter Transporte der sogenannten russischen Schattenflotte zur Umgehung westlicher Sanktionen.

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