Agenda in Vorarlberg

Land will sich besser für Hitze rüsten – aber wie?

Vorarlberg
15.09.2026 17:00
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Der Sommer hat mit seinen Hitzewellen und den historisch niedrigen Niederschlägen dafür gesorgt, dass das laute Schrillen der Klima-Alarmglocken kaum mehr zu überhören war. Das Land Vorarlberg will nun nachrüsten.

Kaum jemand muss wohl derzeit daran erinnert werden, wie sich der vergangene Sommer angefühlt hat – die Hitze steckt den meisten doch immer noch in den Knochen. Auch in Vorarlberg war es an manchen Tagen unerträglich heiß – Landeshauptmann Markus Wallner und Landesrat Christian Gantner (beide ÖVP) erklärten am Dienstag, dass sie nach diesem Sommer nicht einfach zur Tagesordnung übergehen wollen. Stattdessen präsentierten sie in Hörbranz ihr Maßnahmen-Paket, um das Ländle für die künftig wohl regelmäßig drohenden hohen Temperaturen fit zu kriegen. 

Die „Hitzesommer-Agenda“ sieht drei Bereiche vor, in denen Handlungsbedarf besteht: Sicherung von Trinkwasser und weiterer Ausbau des Hochwasserschutzes, Adaptierungen in der Land- und Forstwirtschaft und – der schwierigste Teil – der große Rest: Darunter fallen etwa die Hitzebelastung, der Kinder und Alte ausgesetzt sind, auch das Ökosystem wird hier bedacht – ebenso wie Menschen, die im Straßenbau tätig und dadurch der Hitze voll ausgesetzt sind.

Was ist nun konkret geplant?
Die beiden Regierungsmitglieder betonten, dass der Sommer ein Warnsignal gewesen sei. Die Botschaft sei klar: Vorsorgen laute die Devise. Landeshauptmann Wallner berichtete, dass sämtliche Ressorts dazu angehalten wurden, Maßnahmenkataloge zu erstellen, die dann in die „Agenda“ einflossen. 

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Hitzeschutz soll stärker im betrieblichen Gesundheits- und Arbeitsschutz verankert werden.

Statement der Vorarlberger Landesregierung

Was ist nun konkret geplant? In manchen Bereichen hören sich die Maßnahmen durchaus vage an: So soll etwa im Bereich Gesundheit eine Arbeitsgruppe ab diesem Herbst eine Checkliste für das Vorgehen bei Hitzewarnstufe 4 erarbeiten. Diese Liste soll dann die Abläufe und Zuständigkeiten bei Trinkwasser- und Temperaturkontrolle, Kühlung bzw. Verschattung und der Betreuung vulnerabler Personen definieren. „Hitzeschutz soll zudem stärker im betrieblichen Gesundheits- und Arbeitsschutz verankert werden“, hieß es dazu weiter. 

Nicht überall sei die Klimaanlage die optimale Lösung, meinte Wallner am Dienstag. Beim Landeshochbau werde sogar darauf geachtet, den Einbau solcher Anlagen möglichst zu vermeiden – durch Außenverschattung, optimierte Gebäudehüllen oder Nachtlüftung etwa. 

Beschattung, Begrünung und Co.
Im Bereich Schule arbeitet der Bund mit den Schulpartnern und den Ländern gerade an den notwendigen rechtlichen Grundlagen für regional abgestufte Maßnahmen ab dem kommenden Sommer. Auch der Naturschutz spielt in der Agenda eine Rolle. Im Fokus stehen etwa Moore, zudem sollen Entsiegelung, Beschattung und Begrünung stärker in die Planungen von Siedlungsräumen einfließen. In der Landwirtschaft will das Land weiterhin u.a. in klimaangepasste Ställe und die Wasserversorgung auf den Alpen investieren.

Darauf angesprochen, ob die hitzig diskutierte Novelle zum Naturschutzgesetz mit ihren Einschränkungen beim Umweltschutz nicht das Gegenteil dessen abbildet, was nun in Sachen Hitze gefordert wird, erklärten sowohl Wallner als auch Gantner, dass die Gesetzesnovelle keineswegs den Umweltschutz beschneiden würde, sondern lediglich dessen Bürokratie. Vieles, was für den Naturschutz größte Bedeutung hätte, würde von der Novelle gar nicht berührt, meinte Wallner. Die Novelle sei teilweise sogar Voraussetzung für den Umweltschutz. „Und nicht jeder, der investieren will, will auch das ganze Land zubetonieren,“ sagte er dazu. 

Etwas anders sehen das die Grünen, die sich bereits geäußert haben zur Hitzesommer-Agenda: „Die ÖVP hat den Weg der Schöpfungsverantwortung leider komplett verlassen. Sie bekommt ihre Vorgaben von Lobbyisten und sie wirft den für unser Land so wichtigen Interessenausgleich über Bord“, meint der Grüne Klubobmann Daniel Zadra.

          

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