CHALLENGER IN TULLN

„Auf diesem Niveau kann es keinen Chef geben“

Niederösterreich
15.09.2026 12:30

Die NÖ Open in Tulln gingen zum sechsten Mal erfolgreich über die Bühne. Veranstalter Florian Leitgeb über das “Challenger-Sterben“ in Österreich. Lucas Miedler und Neil Oberleitner visieren die Spiele in Los Angeles an.

Der Letzte dreht das Licht ab. Gemeint ist damit nicht nur Mika Brunold (Sz), der nach dem 6:4 und 6:3 über Joao da Silva (Bra), als neuer Champion der sechsten Auflage der NÖ Tennis-Open powered by EVN in Tulln von dannen zog, sondern auch Veranstalter Florian Leitgeb. Nachdem Salzburg und Bad Waltersdorf wieder abdankten, halten Leitgeb und seine Champ Events GmbH mit der Gartenstadt und Mauthausen wieder alleine die Challenger-Fahne hoch.

Challenger-Sterben
„Es ist leider wieder so, dass es nur mehr vier Herren-Turniere gibt. Wien, Kitzbühel – und dann kommen schon wir“, seufzt der 34-Jährige. Der beim Turniersterben nicht auf Einzelpersonen zeigen will. „Ich kann nur von uns auf andere schließen und auch keinem Veranstalter einen Vorwurf machen, weil ich einfach weiß, wie schwierig das vor allem finanziell ist.“

Challenger-Turniere gibt es nur noch in Tulln und Mauthausen.
Challenger-Turniere gibt es nur noch in Tulln und Mauthausen.(Bild: Manfred Binder /SMP)

Hartes Stück Arbeit
Auch das Turnier in Tulln. „Wir haben seit dem ersten Jahr mit kleinen Schwankungen das gleiche Budget. Rundherum wird alles teurer. Wir sind aber sehr froh, dass wir den Etat so halten können, das zeigt, dass uns die Sponsoren und Partner vertrauen.“ Keine Selbstverständlichkeit. Und ein hartes Stück Arbeit. Die Vorbereitungen aufs Folgejahr beginnen schon mit dem letzten Matchball. Dann heißt es: alle Mann an Bord! „Ich hab jedes Stromkabel und jeden Kabelbinder selber in der Hand. Auf diesem Niveau kann es keinen Chef geben, der nur sitzt und anschafft.“

Vorzeigebeispiel Italien
Nichtsdestotrotz steht die Turnier-Landschaft in Österreich wieder dort, wo sie vor sechs Jahren versuchte aufzublühen. „Dass wir so viele Italiener in den Top-100 der Welt finden, ist kein Zufallsprodukt. Dort können die Spieler durchgehend Challengers spielen. Unsere Jungs müssen reisen und sich jeden Antritt mit den Kosten zweimal überlegen.“ Wie sähe das in einer Leitgeb’schen Utopie aus? „Ein Challenger pro Bundesland. Die Realität ist, dass sich 90 Prozent unserer Spieler in dieser Klasse bewegen.“

Neues Duo für Olympia
Nach Tulln ist heuer jedenfalls vor dem Davis Cup in Wien. Wo beim WAC am Wochenende ein neues Duo aufschlagen wird. Neil Oberleitner und Lucas Miedler visieren die Spiele 2028 in Los Angeles an, treten ab dem 500er in Tokyo erstmals gemeinsam auf der ATP-Tour an.

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